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0340 Newsletter Dessau 14. Juni #62 Warum der Wahlerfolg der AfD in Dessau-Roßlau so viele Fragen aufwirft

Wofür Elke Witt ausgezeichnet wurde - Was am „Druschke-Block“ in der Kavalierstraße passiert

14.06.2024, 08:00
0340 Newsletter Dessau Steffen Brachert
0340 Newsletter Dessau Steffen Brachert Thomas Ruttke

Anfang Mai hatte Lutz Büttner für einen Paukenschlag gesorgt. Der Betreiber des Dessauer Waldbades trat aus der AfD aus und hinterließ einen bemerkenswerten Satz. „Da treffen Dummheit und Rechts aufeinander“, ätzte Büttner zum Abschied, ohne sagen zu wollen, wer nun was ist in der Dessau-Roßlauer AfD. Die hat einen ziemlich unauffälligen Wahlkampf geführt - und trotzdem einen eindeutigen Sieg eingefahren. Was dafür spricht, dass es nicht nur am Dessau-Roßlauer AfD-Kreisverband lag.

Die Kandidatenliste hatte man lange geheim gehalten. Von Querelen bei der Aufstellung wurde immer nur geraunt. Andreas Mrosek, der Grund zum Aufbegehren gehabt hätte, spielte einmal mehr den treuen Parteisoldaten und schwieg schon wie 2022, als seine einstige Büroleiterin Nadine Koppehel ihm den Stadtverbandsvorsitz streitig machte und das Wahlduell gewann.

In der Ziebigker Friedensschule werden am Sonntagabend die Stimmzettel ausgezählt.
In der Ziebigker Friedensschule werden am Sonntagabend die Stimmzettel ausgezählt.
Foto: Thomas Ruttke

Auffällig aber war dieses Mal, dass Nadine Koppehel, Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete, im Wahlkampf keine Rolle spielte. Gleiches gilt für ihre Mutter Margret Wendt, die ebenfalls für die AfD im Landtag sitzt. Die Kontakte zur Presse pflegte Laurens Nothdurft, beim MZ-Speeddating hatte Nothdurft René Diedering und Burkhardt Ratzmann im Schlepptau. Das war eher Team „Rechts“.

Nothdurft war einst Mitglied der inzwischen verbotenen Heimattreuen Jugend. Was selbst der AfD in Bayern zu heikel war, nicht aber der AfD in Sachsen-Anhalt und auch nicht der Bürgerliste Roßlau, die mit Nothdurft auf dem letzten Listenplatz ins Rennen ging. Etwas Besseres konnte ihm gar nicht passieren, als das ein bekannter Unternehmer, ein örtlicher Apotheker und der Feuerwehrchef mit ihm für den Ortschaftsrat kandidieren.

3.429 Stimmen holte Nothdurft bei der Stadtratswahl. Trotz seiner Vergangenheit. Oder sogar wegen? Es war das zweitbeste Ergebnis nach Michael Frisch. Der hatte vor zwei Jahren nach homophoben Äußerungen sein Stadtratsmandat niedergelegt und meldet sich nun mit 3.666 Stimmen zurück.

Es wird spannend zu beobachten, wie sich die AfD im neuen Stadtrat positioniert, wie man sich personell aufstellt, was man vor hat. Der erste heikle Punkt steht schon fest: Bislang hat der Wahlsieger immer den Stadtratspräsidenten gestellt. CDU-Mann Frank Rumpf hat das Amt zuletzt ausgefüllt - und einigen Turbulenzen getrotzt. Rückt nun ein AfD-Stadtrat auf diesen Posten?

Im Bundestag und im Landtag versucht die AfD seit Jahren, einen Platz in den Präsidien zu bekommen. Und hat schon viele, viele Kandidaten aufgestellt. Ohne Erfolg. Niemand muss einen AfD-Kandidaten wählen. Mal sehen, wie sich Dessau-Roßlau verhält. Wir werden berichten. Viele Grüße, Steffen Brachert.

RÜCKBLICK

Dessauer der Woche

Tourismus ist ein schwieriges Geschäft, weil man dort einen langen Atem braucht, wenn man nicht gerade in Berlin, Leipzig oder in Quedlinburg verantwortlich ist. Elke Witt hatte einen langen Atem. Sie hatte vor 30 Jahren ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht - und war dann 2010 nach der Fusion der Tourismusverbände Wittenberg und Anhalt-Dessau Geschäftsführerin der Welterbe-Region Anhalt-Dessau-Wittenberg geworden.

Witt hatte frühzeitig das Potenzial des Radtourismus erkannt und stark auf die „Welterbecard“ gesetzt, die Touristen helfen soll, die Region zu erschließen. Und Witt hatte immer für 14 Mitgliedskommunen zu kämpfen, die alle ihre Interessen gewahrt sehen wollten. Wenn man Witt nun mit der Ehrenmitgliedschaft verabschiedet, hat sie vieles richtig gemacht.

2023 war ein erfolgreiches touristisches Jahr. Mit einem Touristenplus von 8,4 Prozent war die Region Anhalt-Dessau-Wittenberg in Sachsen-Anhalt eine „Boom-Region“, woran es anzuknüpfen gilt, vor allem mit Blick auf das Bauhaus-Jubiläum 2025 und 2026.

Elke Witt war Touristikerin mit Herz und Seele.
Elke Witt war Touristikerin mit Herz und Seele.
Foto: Thomas Ruttke

Geboren 1959 in Kemberg und aufgewachsen in Uthausen in der Dübener Heide, hatte Witt ihr Abitur in Halle gemacht und an der Martin-Luther-Universität Geografie studiert. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit den veränderten Strukturen und Landschaften durch den Braunkohle-Tagebau Golpa-Nord. Die Landschaftszerstörung war dramatisch. „Umso mehr ist es mir jetzt eine Freude, wenn ich Ferropolis oder die rekultivierte Goitzsche bei Bitterfeld sehe. Da geht mir das Herz auf.“

Begonnen hat Witt 1990 in der Wittenberger Landkreisverwaltung. Über eine ABM kam die junge Diplomgeografin ins Amt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Erholung und arbeitete sich während des Aufbaus der neuen Verwaltungsstrukturen bei der Öffentlichkeitsarbeit ein. Ein Jahr später wurde sie im neuen Referat Tourismus angestellt. Der Rest ist Geschichte.

MZ-Geschichten der Woche

+++Der „Druschke-Block“ in Dessau ist eine Baustelle. Das Spannende passiert dort bislang auf der Rückseite. Dort wächst ein Anbau empor. Parallel läuft die Entkernung des Altbaus. Wie es vor Ort ausschaut, was noch geplant ist, das erfuhr MZ-Kollegin Sylke Kaufhold bei einem Besuch.

Der "Druschke-Block" im Stadtzentrum erhält einen Anbau auf der Rückseite.
Der "Druschke-Block" im Stadtzentrum erhält einen Anbau auf der Rückseite.
Foto: Thomas Ruttke

+++Die Maikühle nebst Regennässe haben die Mieter der Dessauer Friedhofstraße 26 besonders arg gespürt. Die Heizungsanlage des Hauses war am 24. April ausgefallen. Was die Mieter verärgerte: Die DWG will die Reparatur erst im September angehen, wie MZ-Kollegin Sylke Kaufhold bestätigt bekam.

+++Lange war es ruhig um den Wirtschaftskreis Roßlau. Der ist jetzt wiederbelebt worden. Daniel Kemp hat die Nachfolge von Hans-Joachim Mau angetreten. Was nun geplant ist, das hat sich MZ-Kollegin Heidi Thiemann erklären lassen.

+++Die Regenbogenschule soll mehr Platz bekommen - entgegen den Plänen der Stadt, die das Raumkonzept drastisch zusammengestrichen hatte. Die SPD hat im Sozialausschuss einen Änderungsantrag eingebracht. Wie die Pläne aussehen und von wem die Schule noch Unterstützung bekommt, das hat MZ-Kollegin Heidi Thiemann notiert.

AUSBLICK

Fest und Bühne

+++Circus Probst ist in der Stadt. Seit Donnerstag und bis Sonntag gastiert der traditionsreiche familiengeführte Zirkus auf der Festwiese am Kraftwerk. „Surprise“ heißt die aktuelle Show, für die Artisten aus zehn Ländern sorgen.

Zirkus Probst gastiert auf der Kraftwerkswiese in Dessau.
Zirkus Probst gastiert auf der Kraftwerkswiese in Dessau.
Foto: Thomas Ruttke

+++Mit einer Opern-Gala am Freitag und Samstag jeweils um 19:30 Uhr feiern die Open-Air-Konzerte am Mausoleum im Tierpark Dessau ihren Start. Neben dem 8. Sinfoniekonzert und einem Tango-Konzert stehen in den Wochen danach ein sommerlicher Jazz-Abend mit der Grammy nominierten und schon mehrfach ausgezeichneten Band Klazz Brothers & Cuba Percussion sowie ein Konzert der Anhaltischen Philharmonie mit Starpianist Joja Wendt auf dem Programm.

+++In Mosigkau wird von Freitag, 14. Juni, bis Sonntag, 16. Juni, das zweite Wilhelminenfest gefeiert, das an Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau erinnert. Am Sonnabend gibt es einen Handwerkermarkt, ein Oldtimertreffen und am Abend ein Showprogramm. Am Sonntag wird um 11 Uhr zum Festumzug von der Anhalter Straße zum Schloss gerufen. Um 14 Uhr eröffnet zum Abschluss des Festes die Kaffeetafel im Schlosspark.

+++Nach dem großen Erfolg des 2023er „Kleinkunsttraum Oranienbaum“ lädt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz auch 2024 wieder ein, im Schlosspark Oranienbaum Kleinkunst der Extraklasse zu erleben. Am Freitag, 14. Juni, und Sonnabend, 15. Juni, werden außergewöhnliche Künstler aus ganz Europa die Gäste an 20 Stationen im Park mit Akrobatik, Zauberei, Comedy, Clownerie und vielem mehr verzaubern.

+++50 Jahre Umweltbundesamt feiert die Bundesbehörde am Sonnabend mit einem großen Bürgerfest rund um den Wörlitzer Bahnhof. Das Fest startet um 10 Uhr, wird um 11 Uhr offiziell eröffnet und bietet über 50 Info-Stände, Führungen, Ausstellungen und mehr.

+++Das traditionelle Hasenfest findet am Samstag, 15. Juni, ab 14 Uhr in Dessau-Siedlung statt. Wie bereits im Vorjahr sind die Bewohner des Stadtteils und ihre Gäste auf den Lindenplatz eingeladen.

Topf und Pfanne

+++Tingeltangel heißt ein neues Veranstaltungsformat in Dessau-Roßlau. Mit einer mobilen Bühne wird durch die Stadt getourt. Freitag, 14. Juni, 19 Uhr, findet der Auftakt am „Teehäuschen“ im Stadtpark statt. Dort spielt das Duo Tropicando mit Leonardo Alcolea auf.

+++„Willkommen im Schlaraffenland“ heißt es ab sofort im „Peter Pane“ am Dessauer Schloßplatz. Wobei das „Schlaraffenland“ der neue brotlose Burger ist. Den gibt es mit Rindfleisch, Jalapenos, Nachos und heißem Cheddar-Käse, aber ohne Brot.

EINBLICK

MZ-Social-Media-Post der Woche

+++Torsten Kölzow vom Küchenhaus Dessau hat eine Auszeichnung erhalten und darf sich nun „Küchenplaner des Jahres 2023“ nennen. Der Post dazu erreichte vergangene Woche 18.300 Personen.

Torsten Kölzow freut sich über die Auszeichnung.
Torsten Kölzow freut sich über die Auszeichnung.
(Screenshot: Facebook)

Meist geklickte MZ-Geschichte der Woche

+++Ein Fan aus Dessau ist auf ein Fakeprofil einer Schlagersängerin aus Österreich reingefallen und hat so viel Geld verloren. Insgesamt überwies der 52-Jährige in der Hoffnung auf ein persönliches Treffen etwa 35.000 Euro. Die Hintergründe interessierten in der vergangenen Woche die meisten Leser.

QUERBLICK

+++Im Amateurfußball kommt es zunehmend zu Übergriffen gegen Schiedsrichter. Die Folge: Im Schnitt hören vier von fünf jungen Schiedsrichtern innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Ausbildung wieder auf. Zwei junge Unparteiische aus Bitterfeld-Wolfen wollen jedoch auch weiterhin Spiele pfeifen, wie der MDR in einem Porträt über die beiden berichtet.

MZ-FOTO DER WOCHE

In der Johannisstraße in Dessau sind die Bauarbeiter beim Endspurt. Im Juli ist die Eröffnung geplant.
In der Johannisstraße in Dessau sind die Bauarbeiter beim Endspurt. Im Juli ist die Eröffnung geplant.
Foto: Thomas Ruttke

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