Porsche Leipzig

Zwei Welten bei Porsche Leipzig: Bei Leihkräften wird gespart, Stammpersonal kriegt Riesenprämie

Leipzig - Beim Sportwagenbauer Porsche gibt es zwei Welten: Aufgrund von Absatzrückgängen wird in den kommenden Monaten im Leipziger Werk bei den Leiharbeitern kräftig gespart, das Stammpersonal erhält dagegen eine Riesenprämie. Wie ist das ...

Von Steffen Höhne 21.03.2019, 07:00

Beim Sportwagenbauer Porsche gibt es zwei Welten: Aufgrund von Absatzrückgängen wird in den kommenden Monaten im Leipziger Werk bei den Leiharbeitern kräftig gespart, das Stammpersonal erhält dagegen eine Riesenprämie. Wie ist das möglich?

Porsche: Stamm-Mitarbeiter des Konzerns erhalten Sonderprämie

Die gut 25.000 Stamm-Mitarbeiter des Konzerns konnten sich am Mittwoch über die Nachricht freuen, dass sie für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Sonderprämie in Höhe von 9.700 Euro erhalten. Die Zahlung bekommt jeder Mitarbeiter von der Kantinenkraft bis zum Ingenieur in der Forschungsabteilung. Die freiwillige Sonderzahlung erhalten im Leipziger Werk die rund 4.300 Stammkräfte. Begründet wird die Zahlung mit der guten Unternehmensentwicklung. Die Auslieferungen stiegen 2018 um vier Prozent auf 256.255 Fahrzeuge. Der Konzerngewinn stieg auch um vier Prozent auf 4,3 Milliarden Euro.

Gleichzeitig wurde am Mittwoch jedoch auch bekannt, dass nach den Sommerferien die Montage-Produktion im Leipziger Werk von drei auf zwei Schichten reduziert wird. Ein Unternehmenssprecher begründet das mit schwächeren Absätzen der Modelle Macan und Panamera. Vor allem in China soll sich das Geschäft abgekühlt haben. „Solche Situationen gibt es immer wieder“, so der Sprecher.

Leiharbeitskräfte bei Porsche: Reduzierung im „mittleren dreistelligen Bereich“

Gespart wird deswegen bei den Leiharbeitskräften. Mit dem Betriebsrat laufen aktuell die Verhandlungen. Nach Angaben des Unternehmens-Sprechers ist eine Reduzierung im „mittleren dreistelligen Bereich geplant“. Beim Stammpersonal soll es keine Einschnitte geben.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Autobauer am Standort den Grundstein für einen neuen Karosseriebau gelegt. In Leipzig werden bis 2021 rund 600 Millionen Euro investiert, um dann die Produktion eines neuen Macans mit Elektromotor aufzunehmen. „Dazu werden wir dann auch zusätzliches Personal benötigen“, so der Sprecher. In den vergangenen Jahren seien bereits 1.500 Leihkräfte als Stamm-Mitarbeiter eingestellt worden.

Marktschwankungen oder Modell-Zyklen sind nicht alleinige Erklärung

Den Abbau von Leiharbeitern nur auf Marktschwankungen oder Modell-Zyklen zurückzuführen, wäre - so meinen es zumindest einige Fachleute - nicht ganz richtig. Das Leipziger Werk gab zuletzt die Produktion des Geländewagens Cayenne an das VW-Werk nach Bratislava (Slowakei) ab. Bei Porsche wird argumentiert, dass die Kapazität zur Produktion von drei Modellen (Macan, Panamera und Cayenne) nicht ausreicht. Doch wäre es möglich, einen Teil der Cayenne-Fertigung auch in Leipzig zu belassen. Mit drei Modellen hätte das Werk mehr Flexibilität auch Absatzrückgänge beim Macan leichter wegzustecken. (mz)