Furcht vor der Funkstille

UKW-Sendern droht eine Sendepause - Furcht vor der Funkstille bei MDR & Co.

Halle (Saale) - Der Betrieb der UKW-Antennen wird nicht mehr staatlich reguliert. Neue Eigentümer wollen höhere Preise - und drohen MDR & Co. abzuschalten.

Von Steffen Höhne 28.03.2018, 08:11

Radiomacher, Senderbetreiber, Antennen-Eigentümer und staatliche Aufsichtsbehörden: Sie waren alle gekommen, zum Radio-Krisengipfel am 14. März in Berlin.

Mit „harter Hand“, so ein Teilnehmer, leitete der Direktor der Medienanstalt Hamburg, Thomas Fuchs, in einem kleinen, stickigen Besprechungsraum die Runde der 40 wichtigsten Akteure des deutschen Radiomarktes. Das Ziel: Ausfälle von Radiosendern verhindern - so in Mitteldeutschland etwa von MDR-Wellen sowie privaten wie PSR.

Um zu verstehen, worum es geht und warum soviel auf dem Spiel steht, muss man wissen, wie der Radiomarkt organisiert ist. In Deutschland machen hunderte Radiosender in ihren Funkhäusern ihr eigenes Programm - ein Milliardengeschäft. Doch in der Regel „funken“ sie nicht selbst. Die Übertragung der Signale übernehmen Dienstleister. Lange war das die Deutsche Post als Monopolist, später die Telekom.

Verkauf von UKW-Antennen: Kritik an „wenig transparenten Prozess“

Die gliederte den Bereich in die Media Broadcast aus, die heute dem Konzern Freenet gehört. Erst vor einigen Jahren wurde der Markt liberalisiert. Es gründeten sich mit den privaten Unternehmen Uplink in Düsseldorf und der Divicon in Leipzig zwei alternative Sendenetzbetreiber, die nun auch Signale für die Radiosender übertragen. Divicon tut das unter anderem für den MDR, Uplink in Sachsen für PSR und RSA. Die Antennen waren weiter im Besitz der Media Broadcast. Die Bundesnetzagentur regulierte die Preise für die Nutzung.

Das ändert sich künftig: Media Broadcast will sich nach eigenen Angaben auf „digitale Wachstumsfelder konzentrieren“ und verkaufte im vergangenen Jahr hunderte UKW-Antennen an 30 Unternehmen. Einige Radiosender kauften für sie wichtige Antennen selbst, in Bayern erwarb die Landesmedienanstalt die Antennen. Laut Uplink-Chef Michael Radomski haben jedoch die fünf größten Käufer 60 bis 70 Prozent der Antennen erworben. Radomski und Divicon-Geschäftsführer Mike Lehmann sprechen von einem „wenig transparenten Prozess“. 

Offenbar haben die fünf neuen Eigentümer viel Geld - auch für ältere Anlagen - ausgegeben, denn sie wollen nach Lehmanns Angaben Preiserhöhungen von 25 bis 30 Prozent durchsetzen, damit die Antennen weiter die UKW-Wellen versenden. Sollten die neuen Preise nicht akzeptiert werden, drohen sie laut Radomski mit der Abschaltung der Signale und damit der Sender. In Sachsen-Anhalt sind Sendestandorte etwa auf dem Brocken, in Halle oder Dequede bei Stendal. Stichtag ist in vielen Fällen der 1. April. Auch nach mehreren Verhandlungsrunden konnten sich die Parteien nicht einigen.

Ausfall-Risiko bleibt: Unterbrechung der UKW-Versorgung droht

Die Politik ist alarmiert: Bei einem Treffen der  Chefs der Staatskanzleien der Länder in Brüssel im März war der Antennenverkauf das Thema. In der Vorlage heißt es: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es ab dem 1. April 2018 zu teilweisen Unterbrechungen der UKW-Versorgung kommt, ist angesichts des engen zeitlichen Rahmens groß.“

Nach dem Treffen in Berlin sieht Fuchs, von der Medienanstalt Hamburg, kurzfristige Abschaltungen abgewendet. „Es gab eine Übereinkunft, dass der Sendebetrieb ungestört weiterläuft“, sagt er der MZ. Es solle weitere drei Monate verhandelt werden. Auf MZ-Anfrage teilte auch der MDR mit: „Die neuen Antenneneigentümer haben angekündigt, den Sendebetrieb nicht zu unterbrechen. Insofern werden alle Radioprogramme des MDR auch nach dem 1. April weiterhin zu empfangen sein.“ Auch einer der neuen Eigentümer, die Aeos, erklärte: „Wir halten uns an die Absprachen.“ 

Doch schriftlich fixiert ist bisher nichts. Zwei große Antennenbetreiber blieben dem Treffen fern. Rechtlich, räumt Fuchs ein, ist bisher nicht ersichtlich, ob und wie Behörden eine Abschaltung verhindern können. Die Zeiten, als die Netzagentur einen Monopolisten regulieren konnte, sind ja vorbei.

Der Chef des neuen Antennen-Eigentümer Aeos, Guido Fiebes, verteidigt seine Position: „Wir haben die Antennen zu Marktpreisen gekauft und wollen auch keine überzogenen Renditen damit erwirtschaften.“ Das sieht Uplink-Chef Radomski anders. Er behauptet, dass es sich bei einigen Käufern „um Personen aus dem Umfeld von Freenet handelt“. Durch den Verkauf solle nur die Regulierung durch die Netzagentur umgangen werden. Die Freenet-Tochter Media Broadcast widerspricht: Es gebe keine wirtschaftlichen Beziehungen zu den Erwerbern. Kurz: Die Parteien stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber. Sender-Abschaltungen als letztes Mittel sind also nicht ausgeschlossen.  (mz)