Tierquälerei: Rotmilan gerät in illegales Schlageisen

Tierquälerei: Rotmilan gerät in illegales Schlageisen: Zwei Kinder finden den Vogel

Nienburg - Der Milan wird jetzt vom Falkner-Ehepaar Kamprath in Bernburg mit Medikamenten und Futter versorgt. Wenn die Wunden gut verheilen, könne er nach Ostern wieder ausgesetzt werden. Monique Lunze aus Nienburg zeigt Wilderei bei der Polizei an.

Von Detlef Valtink

In ein Schlageisen, das von einem illegalen Fallensteller am Wochenende in Nienburg aufgestellt wurde, ist ein streng geschützter Rotmilan geraten, gefangen und schwer verletzt worden.

Der Vogel konnte rechtzeitig entdeckt und gerettet werden. Momentan wird er von dem Bernburger Jäger- und Falknerehepaar Monika und Siegfried Kamprath versorgt und soll, wenn die Heilung gut verläuft, nach Ostern wieder in die Freiheit entlassen werden.

Doch nicht nur der Rotmilan hatte Glück im Unglück. Nach ersten Einschätzungen der Situation auf dem alten Bahngelände am Nienburger Stadtrand wäre es auch möglich gewesen, dass Hunde oder Katzen von dem Schlageisen verletzt oder getötet werden.

Zwei auf dem Ex-Bahngelände spielende Jungen hatten den Vogel in der Falle entdeckt

Und noch schlimmer: Selbst Kinder waren in Gefahr. Denn zwei im Gelände spielende Jungen wurden auf das grausige Schauspiel aufmerksam. „Das Gelände liegt hinter unserem Grundstück und mein Sechsjähriger ist dort regelmäßig mit seinem siebenjährigen Freund unterwegs“, weiß Monique Lunze.

Die fürsorgliche Mutter möchte nicht darüber nachdenken, was tatsächlich noch alles hätte passieren können. „Schon die Situation vor Ort war sehr traurig und gruselig und ich war den Tränen nahe“, so die Nienburgerin, die sofort an den Tatort geeilt war, nachdem ihr Sohn und sein zur Hilfe gerufener Bruder das ganze Ausmaß der Tierquälerei geschildert hatten.

Die Kinder hatten zunächst nur etwas am Boden Liegendes gesehen, was zappelte. Als sie näherkamen, entdeckten sie den hilflosen Vogel. „Das war im ersten Moment für alle ziemlich aufregend und die Sorgen groß, ob das Tier schwer verletzt ist. Alle waren ein wenig geschockt, auch weil niemand wusste, ob der Vogel stirbt oder noch Hilfe möglich ist“, schildert Monique Lunze die Ereignisse.

Monique Lunze wendete sich an Tierschutzverein, der informierte Falkner Siegfried Kamprath

Die Nienburger Familie handelte dann instinktiv richtig. Sie hielten Abstand zu dem Milan, damit er nicht noch mehr gestresst wurde und informierten den Tierschutzverein. Dort wurde versprochen, dass sofort jemand kommt.

Das war Siegfried Kamprath, der dem Vogel zunächst keine großen Chancen einräumte: „Es sah wirklich schrecklich aus. Der Fang des Milans war blutverschmiert und das Schlageisen vollgeblutet.“

In dem Eisen war ein fleischfarbener, nicht zu identifizierender, Köder gelegt worden. Siegfried Kamprath konnte den Vogel aus der Falle befreien und nach ersten Untersuchungen erleichtert feststellen, dass keine Extremität gebrochen war oder Sehnen in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Der Befund bestätigte sich dann auch bei einer Untersuchung von Tierarzt Frank Enders, der am Sonntagabend nicht lange gebeten werden musste, sich des Tieres anzunehmen.

Falkner-Ehepaar Kamprath versorgt den Milan nun mit Futter und Medikamenten

Der Milan wird jetzt von den Kampraths mit Medikamenten und Futter versorgt und wird, soweit die Wunden weiterhin so gut verheilen, nach den Osterfeiertagen wieder ausgesetzt. Momentan sind die Fänge des Tieres einfach zu angeschwollen und zu dick, um das Risiko einer Freilassung einzugehen.

Für Siegfried Kamprath steht auch fest, dass das Schlageisen von einem Laien aufgestellt worden ist. „Wer weiß, was damit tatsächlich gefangen werden sollte. Doch die Platzierung und der Aufbau lassen nicht darauf schließen, dass hier jemand mit Sachverstand am Werk war“, ist der Bernburger Jäger überzeugt.

Dieser Akt der Wilderei, noch dazu mit einer nicht zugelassenen Schlagfalle, hat auch den erfahrenen Falkner erschreckt: „Solch eine abscheuliche Tat ist hier in der Region schon seit Jahren nicht mehr passiert. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass es eine große Dunkelziffer gibt.“

Jäger Siegfried Kamprath kann sich an keinen solchen Fall von Wilderei erinnern

Für Kamprath ist der Vorfall noch einmal glimpflich ausgegangen. Ob er das auch für den Täter gilt, ist offen. Denn Monique Lunze wird bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt stellen. Sie hofft, dass die Ermittlungen zu einem Täter führen und der seine gerechte Strafe erhält. Eines weiß sie bereits jetzt genau: Ihre Kinder, ihre ganze Familie, wird der Vorfall noch eine ganze Weile beschäftigen. (mz)