Rassismus

Repost einer rassistischen Fotomontage: Ex-Askania-Torwart Giovanni Datemasch hat Problem mit seinem Arbeitgeber Bundeswehr

Bernburg - TV Askania Bernburgs Präsident Michael Angermann ist immer noch fassungslos. „Wir können uns das nicht erklären. So etwas hat es in unserem Verein noch nie gegeben. Und es hat keinen Platz bei uns.“

Von Detlef Liedmann und Ingo Kugenbuch 19.03.2019, 07:57

TV Askania Bernburgs Präsident Michael Angermann ist immer noch fassungslos. „Wir können uns das nicht erklären. So etwas hat es in unserem Verein noch nie gegeben. Und es hat keinen Platz bei uns.“

Grund für die Aufregung ist eine Fotomontage, die der Bernburger Torhüter auf seinem Instagram-Profil geteilt hatte.

Sie zeigt ihn mit der Aufschrift „Hass“ auf dem Trikot und Chemie Leipzigs Kapitän Stefan Karau, auf dessen Binde ein Davidstern prangt. Das Profil von Datemasch auf Instagram ist mittlerweile gelöscht, das Bild wurde aber längst weiterverbreitet.

Bernburg hatte am Samstag sein Oberligaspiel bei Chemie Leipzig 1:6 verloren. Nach der Partie, in der Datemasch von Fans beschimpft und bespuckt worden sein soll, teilte der 21-Jährige die Fotomontage. Von einem Rassismus-Eklat ist seither die Rede. Und zwar bundesweit.

Askania Bernburg reagiert und trennt sich von Giovanni Datemasch

Askania Bernburg reagierte umgehend und trennte sich mit sofortiger Wirkung von Giovanni Datemasch. „Das können wir nicht tolerieren. Wir stehen als Verein für Weltoffenheit. In unserer ersten Mannschaft spielen zwei Griechen, ein Pole und ein Deutsch-Ghanaer. In unserer Zweiten mit Sipan Mohamad ebenfalls ein ausländischer Spieler“, so Max-Martin Schulze, Askanias sportlicher Leiter.

Als „völlig daneben“ bezeichnet Chemie Leipzigs Pressesprecher Rene Jacobi den Vorgang. Erst Anfang des Jahres habe der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) in einem Schreiben zu Aktionswochen gegen Rassismus aufgerufen. „Wir haben das auch auf unserer Homepage und im Programmheft so kommuniziert. Und jetzt das. Völlig kontraproduktiv“, sagt Jacobi.

Sprecher von Chemie Leipzig kündigt eine Reaktion seines Vereins an

In jedem Fall werde es eine Reaktion des Vereins geben. Wie die ausfalle, hänge davon ab, wie sich Datemasch, selbst Leipziger und bis 2016 im Nachwuchsbereich Torhüter beim 1. FC Lok, gegenüber Chemie erkläre. „Bis jetzt ist mir nicht bekannt, dass er sich bei uns gemeldet hätte“, so der Pressesprecher.

Stefan Karau, Kapitän von Chemie Leipzig, sagt der MZ, er habe aus der Zeitung von dem Vorfall erfahren. „Ich kenne den Spieler noch nicht einmal“, so Karau.

Bundeswehr: Datemasch gehört nicht zum Kader der Bundeswehr-Fußball-Nationalmannschaft

Datemasch hat nun auch Probleme mit seinem Arbeitgeber, der Bundeswehr, bekommen. „Der Fall wird derzeit disziplinarrechtlich untersucht“, sagt ein Sprecher der Streitkräftebasis in Bonn. Mehr könne er dazu nicht mitteilen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Die in sozialen Medien verbreitete Information, dass der Torwart auch zum Kader der Bundeswehr-Fußball-Nationalmannschaft gehört, sei falsch, sagt der Sprecher. Datemasch habe lediglich an zwei Sichtungslehrgängen und einem Testspiel gegen das UK Armed Forces Football Team in Rostock teilgenommen. „Seine Leistungen haben für die Nationalmannschaft aber nicht ausgereicht“, so der Bundeswehrsprecher.

Nordostdeutscher Fußballverband hat noch nicht reagiert

Der Nordostdeutsche Fußballverband ist laut Geschäftsführer Holger Fuchs sofort von dem Vorfall unterrichtet worden. „Wir werden umgehend reagieren. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich noch keine Details nennen kann“, so Fuchs zur MZ.

Dass der Vorfall nach dem Spiel in Leipzig kein Einzelfall ist, zeigt Hamburg. Dort wurde im Februar das Spiel zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und Meiendorf abgebrochen, weil ein Spieler der Gäste rassistisch beleidigt wurde. Zuletzt war der Chemnitzer FC in die Schlagzeilen geraten, weil vor dem Regionalligaspiel gegen Altglienicke im Stadion öffentlich eines kürzlich verstorbenen Neonazis gedacht wurde.

Und Stürmer Daniel Frahn hatte nach einem Treffer mit einem Hooligan-T-Shirt in der Hand gejubelt. Mittlerweile ist Frahn vom Sportgericht des NOFV mit vier Spielen Sperre und 3.000 Euro Geldstrafe belegt worden.

Giovanni Datemasch war am Montag trotz zahlreicher Versuche nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (mz)