Kita „Gänseblümchen" in Alsleben

Kita „Gänseblümchen" in Alsleben: Zwei Millionen Euro für Barrierefreiheit

Alsleben - Eigentlich ist die Kita „Gänseblümchen“ in Alsleben, die vom Verein Rückenwind betrieben wird, eine schöne Einrichtung. Schließlich handelt es sich um ein altes Gutshaus mit einem besonderen Charme. Hinzu kommt ein großes ...

Von Sabine Herforth 08.11.2016, 07:58

Eigentlich ist die Kita „Gänseblümchen“ in Alsleben, die vom Verein Rückenwind betrieben wird, eine schöne Einrichtung. Schließlich handelt es sich um ein altes Gutshaus mit einem besonderen Charme. Hinzu kommt ein großes Außengelände.

Doch bei genauem Hinsehen offenbaren sich im Haus zahlreiche Mängel, die dringend behoben werden müssen, wie Stephanie Richter, Fachbereichsleiterin Kitas beim Verein Rückenwind, sagt.

Eine lange Liste

Die Liste, die es abzuarbeiten gilt - vor allem um geltenden Standards gerecht zu werden - ist lang. Gut zwei Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. Eine Summe, die kaum aufzubringen ist.

Das Vorhaben lässt sich nur stemmen, wenn der Verein Fördergelder aus dem Stark-III-Topf des Bundes bekommt. Die Bewerbung dafür muss bis 30. Juni 2017 eingereicht werden. Den Löwenanteil der geplanten Maßnahmen macht die energetische Sanierung des Gebäudes aus. Dafür sollen Decken, Dach und Keller sowie die Fassaden von innen gedämmt werden.

„Eine Außendämmung ist hier nicht angebracht, weil es sich um einen Klinkerbau handelt“, sagt Richter und betont, dass sonst der Charakter des Gebäudes verloren ginge. Im gleichen Zuge würden neue Fenster eingesetzt, „die den energetischen Anforderungen gerecht werden“. In diesen Bereich fällt auch das Thema Wärmeversorgung. „Wir haben noch eine Ölheizung“, berichtet Stephanie Richter. Die Heizung müsse dringend erneuert werden.

Rutsche ist nicht zulässig

Ein weiterer Punkt ist der Brandschutz. So habe der Brandschutzbeauftragte des Salzlandkreises die vorhandene Rettungsrutsche als nicht zulässig eingestuft. Deshalb muss der zweite Rettungsweg künftig über eine Treppe vom oberen Geschoss ins Freie führen. Im Keller muss die Holzbalkendecke und im Treppenhaus die Holztreppe den Brandschutzrichtlinien angepasst werden. Hinzu kommen Anlagen zur Früherkennung und Entrauchung bei einem Feuer.

„Das sind ganz viele Kleinigkeiten“, sagt Stephanie Richter. Doch diese addieren sich zu einer stattlichen Summe.

Da erscheint der Hof noch als kleinstes Problem. Hier soll die Berg- und Talbahn aufgearbeitet werden und ein ebener Parkplatz entstehen. Damit ist das Ende der Sanierungsliste jedoch längst nicht erreicht.

Alles ist veraltet

„Die gesamte Elektroanlage muss erneuert werden“, zählt Richter weiter auf. Auch die Rohrleitungen seien inzwischen veraltet. Für die Krippenkinder soll ein eigenes Bad eingerichtet, der Sanitärbereich der Kita-Kinder erneuert werden. Um die Ganztagsversorgung der Jungen und Mädchen zu gewährleisten, muss auch in der Küche etwas passieren. „Das hat uns auch die Hygiene- und Lebensmittelüberwachung bestätigt“, erklärt Stephanie Richter.

So fehlt beispielsweise ein modernes Abwasch- und Lagersystem. „Wir bräuchten einen Industriegeschirrspüler.“ Sonst sei das Geschirr von drei Mahlzeiten bei 120 Kindern nicht zu bewältigen. Um auch von pädagogischer Seite einen Mehrwert zu schaffen, plant der Träger zudem, eine Kinderküche und auch ein Kinderrestaurant einzurichten.

Aktuell gibt es zudem keine Personalräume. „Ein Pausenraum muss aber vorgehalten werden“, betont die Fachbereichsleiterin, das die aktuelle Situation nicht der Arbeitsstättenverordnung entspreche. Vorgesehen ist, den Keller mit Umkleidemöglichkeiten und Schränken auszustatten.

Kein Luxus

„Es ist kein Luxus, das sind Mindeststandards.“ Ein klein wenig mehr als nötig soll es an einer Stelle dann aber doch sein: Der Träger möchte die Einrichtung barrierefrei gestalten. Bei derartigen Sanierungsvorhaben werde im Förderprogramm Stark III gefordert, dass mindestens ein Gruppenbereich barrierefrei ist, erklärt Richter.

Doch der Verein will einen Schritt weiter gehen und die gesamte Einrichtung behindertengerecht ausrichten. „Wir gehen in der Planung davon aus“, sagt sie. So sei neben dem Treppenhaus ein Fahrstuhl einkalkuliert. Perspektivisch sollen davon nicht nur Kinder, sondern auch Erzieher mit Behinderung profitieren.

„Es wird das Notwendigste gemacht“, fasst Richter zusammen. Damit würde der Bestand der Einrichtung für die nächsten Jahrzehnte gesichert werden. „Die Auflagen müssen wir perspektivisch so oder so angehen, auch aufgrund der Auslastung.“ Die Zahlen sprechen für die Kindertagesstätte, die bis zu 105 Kinder aufnehmen kann und derzeit 96 Jungen und Mädchen betreut. „Wir erreichen im Juni nächstes Jahr die Kapazitätsgrenze“, freut sich Richter.

Eine Grenze setzen

Nach der Sanierung soll diese Grenze jedoch auf maximal 90 Kinder herabgesetzt werden, „um der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen“. Wann das umfangreiche Sanierungsvorhaben starten kann, hängt davon ab, wann bzw. ob die Einrichtung einen positiven Bescheid erhält.

Die Arbeiten würden jedoch nicht vor 2018 beginnen. Die Förderperiode dauert bis 31. Dezember 2020. Im laufenden Betrieb lässt sich das Mammut-Projekt jedoch vermutlich nicht umsetzen. „Das wird nicht funktionieren. Es müssen ja komplette Decken raus“, weiß Stephanie Richter. Wie genau die Situation gelöst werden soll, darüber wolle der Träger erst entscheiden, wenn die Sanierung spruchreif sei „und wir den Zuschlag bekommen“.

(mz)