Cölbigk bei Ilberstedt

Cöbigk bei Ilberstedt: Wurde hier Knecht Ruprecht begraben?

Ilberstedt - Tanzwunder Cölbigk: Dokument erwähnt Krypta unter Kirche St. Magnus im ehemaligen Kloster

Von Jan Möbius 02.02.2017, 20:30

Thomas Beier hat Stress. Der Hotelier aus Ilberstedt ist viel unterwegs, um Fachleute zu treffen. Sein Telefon steht kaum noch still. Grund für Beiers Umtriebigkeit sind neue Erkenntnisse aus einem 123 Jahre alten Dokument zur möglichen Existenz einer Krypta, die es unter der Kirche St. Magnus auf dem Klostergelände in Cölbigk gegeben haben soll. Beier vermutet dort eine Grabstätte, womöglich die des Knecht Ruprecht.

Dokument erwähnt Gewölbe unter einstigem Kirchturm

„Nachdem jetzt bekannt wurde, dass das Gewölbe unter dem einstigen Kirchturm in dem alten Dokument erwähnt ist und offenbar tatsächlich existieren soll, bekommen wir viele Anrufe“, sagt Beier. Etliche Einwohner wollen ihm Erinnerungen an das 1968 eingestürzte Gebäude anbieten. „Jeder Hinweis hilft uns dabei, das Puzzle zusammenzusetzen. Vielleicht schaffen wir es, Grabungen nach der verschwundenen Siedlung zu initiieren.“ Hotelier und Heimatforscher Beier meint, dass das, was dort womöglich gefunden werden kann, von der Beutung „zu groß für Ilberstedt, zu groß für den Kreis und zu groß für Sachsen-Anhalt“ sei.

Die Sage vom Tanzwunder im Jahr 1021

Der Überlieferung nach wurde am Weihnachtsabend 1021 der Festgottesdienst in Cölbigk abgehalten. Auf dem Platz vor der Kirche standen Bauernjungen und vergnügten sich bei Tanz und Bier. Dabei machten sie großen Lärm. Der Priester Ruprecht kam wütend aus dem Gotteshaus und forderte die Gruppe auf, die Messe nicht zu stören. Weil die Leute aber weitermachten, platzte Ruprecht der Kragen. Er verwünschte die Gruppe. Sie sollten ein ganzes Jahr lang tanzen, ohne aufzuhören. Erst der Bischof von Köln befreite die Bauernjungen von dem Fluch und brach den Bann. Jener Priester soll später auch als Knecht Ruprecht bekannt geworden sein.

Sollten seine Gebeine tatsächlich in der Krypta liegen, könnte Beier getrost von einer Riesensensation sprechen. Doch das macht er auch schon jetzt. „Wir haben erstmals einen Beweis für das Gewölbe“, sagt er. Doch schon werden auch kritische Stimmen laut. Karsten Falke vom Verein für Anhaltische Landeskunde meint, dass es sich bei der Beschreibung des Kirchengewölbes nicht um „ein Dokument oder um irgendeine Aufzeichnung“ handelt, „sondern um eine allgemein bekannte Literatur.“

Verein für Anhaltische Landeskunde winkt ab

Falke: „Anhalts Bau- und Kunstdenkmäler“ von Franz Büttner Pfänner zu Thal ist zumindest bei denjenigen, die sich etwas eingehender mit anhaltischer Geschichte beschäftigen, ein bekanntes Standardwerk. Hotelier Beier hatte indes mit der Reaktion Falkes gerechnet und freut sich über die fundierte Kritik. „Wenn das alles bekannt war, warum hat bisher niemand drüber geredet?“, fragt Beier.

Große Hoffnungen auf Ausgrabungen macht ihm unterdessen Alfred Reichenberger vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle nicht. „Das Anliegen müsste zunächst zur unteren Denkmalbehörde. Von dort würden wir um eine Stellungnahme gebeten“, sagt der Archäologe. Für Grabungen sei in erster Linien natürlich das Landesamt in Halle zuständig. „Das ist aber auch eine Kostenfrage. Wir haben hauptsächlich mit Auftragsgrabungen vor großen Bauarbeiten zu tun“, sagt Reichenberger. Geld für derartige Forschungsgrabungen sei nicht vorgesehen. Die Arbeiten müssten also privat bezahlt werden. (mz)