Nach Sauermann-Austritt

Weiterer Aderlass für AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt? Andre Poggenburg reklamiert Mandat von Sarah Sauermann für AfD

Magdeburg - Seit Monaten wird über eine mögliche Spaltung der AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalts spekuliert. Jetzt ist der erste Austritt amtlich. Nach Sarah Sauermanns Entscheidung reklamiert Fraktionschef Poggenburg ihr Mandat für die AfD.

Von Jan Schumann
Sarah Sauermann hat ihren Austritt aus der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt erklärt.
Sarah Sauermann hat ihren Austritt aus der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt erklärt. imago stock&people

Nachdem die Abgeordnete Sarah Sauermann aus Protest aus der AfD-Landtagsfraktion ausgetreten ist, versucht sich Fraktionschef André Poggenburg als Krisenmanager. „Vielleicht bringt der Austritt von Frau Sauermann ein wenig Ruhe in die Fraktion“, sagte Poggenburg am Dienstag der MZ. Er hatte der Abgeordneten, die am Sonntag ihren Austritt verkündet hatte, zuvor „mangelnden Teamgeist“ vorgeworfen. „Ein Zusammenarbeiten um jeden Preis war in diesem Fall nicht möglich“, so Poggenburg. Er forderte, Sauermann solle ihr Mandat abgeben.

Poggenburg will mit Kritikern sprechen

Seit Wochen ist die AfD im Landtag zerstritten. Mehrere Mitglieder fremdeln mit der Fraktionsführung um Poggenburg, der Abgeordnete Gottfried Backhaus hatte bereits vor Tagen seinen Austritt angedroht, als er mehrere Posten verloren hatte. Poggenburg sagte am Dienstag, er wolle mit verbliebenen Kritikern in der Fraktion „noch einmal gesondert sprechen und ihnen klar machen: Es geht um Teamfähigkeit und darum, dass jeder wieder fachlich Gas gibt“. So sollen weitere Austritte verhindert werden. Deutschlands größte AfD-Fraktion ist mit Sauermanns Austritt auf 24 Abgeordnete geschrumpft, bleibt aber Oppositionsführerin.

Intern wirkt Poggenburgs Zugehen auf die Kritiker weniger sanft. In einer E-Mail an AfD-Mitglieder, die der Fraktions- und Landeschef intern verschickte, greift er die Abgeordneten Backhaus und Jens Diederichs für ihre Kritik an. „Einzelgänger- und Egomanentum sind in Fraktion und Partei fehl am Platze“, schreibt Poggenburg. Backhaus und Diederichs waren die lautesten Kritiker der jüngsten Postenrochade in der AfD gewesen. Sie hatten ihre Fachgebiete verloren. Poggenburg nennt ihre Namen in der E-Mail nicht, doch es ist klar, wer gemeint ist.

Weitere Austritte werden wahrscheinlicher: Backhaus sagte der MZ am Dienstag, sein Entschluss verstärke sich. Er glaube nicht daran, dass er mit dem Fraktionsvorstand noch eine „vernünftige Lösung“ für weitere Zusammenarbeit finde. „Dazu müsste sich die Fraktionsspitze jetzt bewegen“, sagte Backhaus. (mz)

Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg
Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg
dpa-Zentralbild