Verschwörergruppe in der AfD

Verschwörergruppe in der AfD: „Wir haben jetzt Bürgerkrieg“ in Sachsen-Anhalt

Magdeburg - Die Wortwahl ist martialisch, der Absender ist zum Äußersten entschlossen: AfD-Landeschef André Poggenburg hat parteiinternen Kritikern in einer an alle Mitglieder gerichteten E-Mail den Krieg erklärt. Am Donnerstagabend ging das Schreiben bei der Parteibasis ein. Von konspirativen Machenschaften ist die Rede, vom „ehrlosen“ Treiben einiger, von Parteischädigung. Der wichtigste Satz: Die „entlarvten Mitverschwörer“ sollten nun „die naheliegende Konsequenz ziehen“ - empfohlen wird offenbar der ...

Von Hagen Eichler 25.03.2017, 06:00

Die Wortwahl ist martialisch, der Absender ist zum Äußersten entschlossen: AfD-Landeschef André Poggenburg hat parteiinternen Kritikern in einer an alle Mitglieder gerichteten E-Mail den Krieg erklärt. Am Donnerstagabend ging das Schreiben bei der Parteibasis ein. Von konspirativen Machenschaften ist die Rede, vom „ehrlosen“ Treiben einiger, von Parteischädigung. Der wichtigste Satz: Die „entlarvten Mitverschwörer“ sollten nun „die naheliegende Konsequenz ziehen“ - empfohlen wird offenbar der Austritt.

Wut von AfD-Landeschef André Poggenburg richtet sich gegen Kritiker

Poggenburgs Wut richtet sich gegen Kritiker, die sich über den Kurznachrichtendienst WhatsApp koordiniert haben sollen. Name der Ende Januar entstandenen Chat-Gruppe: „Die Verbündeten“. Aus dem Protokoll der ausgetauschten Nachrichten hatte die MZ am Freitag erstmals zitiert. Ob das Protokoll echt ist, lässt sich bislang nicht belegen. Die dort namentlich Auftauchenden sind für Stellungnahmen nicht zu erreichen.

Für Poggenburg steht indes fest, dass Verräter ihn entmachten wollen. Nicht nur das: Auch gewählte Kreisvorstände sollten gestürzt werden, justiziable Beleidigungen seien gefallen, unautorisiert hätten die Verschwörer Treffen anberaumt - so lauten die Vorwürfe.

Von Poggenburg verbreitete Chatprotokolle zeigen zwei sich hassende Lager

Die von Poggenburg verbreiteten Chatprotokolle belegen, dass zwei Lager in tiefem Hass verbunden sind. Einer der „Verbündeten“ schreibt über die Gegenseite: „Wir müssen und werden sie wie Unkraut bekämpfen. Mit Strunk und Wurzel rausreißen und für immer entsorgen. Danach das Feld neu bestellen und nur das Beste ernten.“ Eine Parteifreundin sekundiert mit Tippfehler: „Auf in den Enzscheidungskampf“, ein Landtagsabgeordneter stellt fest: „Wir haben jetzt Bürgerkrieg in der AfD.“

Die Wut der „Verbündeten“ richtet sich nur zum Teil gegen Poggenburg. Ihm werfen sie vor, den Rechtsaußen-Vertreter Björn Höcke zu verteidigen und im Landtag „Nazi-Jargon“ zu verwenden. Zudem sei der Vorsitzende „ein intellektuelles Teelicht“, heißt es.

Wut auf Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider und Jan Wenzel Schmidt

Mindestens so verhasst sind den Unzufriedenen die Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider aus Merseburg und Jan Wenzel Schmidt aus der Börde. Letzterem werfen sie vor, er habe versucht, sich mit illegalen Methoden die letztlich gescheiterte Nominierung zum Bundestagskandidaten in der Börde zu verschaffen. Börde-Kreisparteichef Felix Zietmann soll von Landesschatzmeister Frank Pasemann unter Druck gesetzt worden sein. Pasemann soll zudem satzungswidrig in die Partei aufgenommen worden sein - und bei seiner eigenen Nominierung zum Bundestagskandidaten in Magdeburg sollen nicht abstimmungsberechtigte Mitglieder teilgenommen haben.

Unwahr oder übertrieben seien diese Behauptungen, kontert der Landesvorstand. Eine „Gruppe von Dauerquerulanten“ suche das Haar in der Suppe. „Konspiration und subversive Zersetzungsarbeit“ seien keinesfalls gerechtfertigt.

Wird AfD-Parteitag am Sonnabend zur Schlammschlacht?

Der Konflikt könnte den am Sonnabend beginnenden Parteitag zur Schlammschlacht machen. Ab 10 Uhr tagen die Mitglieder im früheren LPG-Kulturhaus von Badeborn (Harz). Am Sonntag geht es um die Kandidatenliste zur Bundestagswahl. Spitzenkandidat soll Martin Reichardt werden. Die Unterstützung des Landesvorstandes haben zudem Frank Pasemann, Andreas Mrosek, Uwe Gewiese und Matthias Büttner. Letzterer ist allerdings nicht der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Abgeordnete aus Staßfurt - gemeint ist ein Namensvetter aus Stendal. (mz)