Nach Rücktritt

Nach Rücktritt : Poggenburgs möglicher Nachfolger ist ein Rechtsaußen

Magdeburg - Der neue Mann will jetzt erst einmal gar nichts sagen. Zumindest nicht, wenn Journalisten anfragen. Dabei ist Oliver Kirchner doch der Mann, auf den bald alle Augen gerichtet sein könnten. Wenn André Poggenburg geht und Kirchner neuer Fraktionschef werden ...

Von Jan Schumann

Der neue Mann will jetzt erst einmal gar nichts sagen. Zumindest nicht, wenn Journalisten anfragen. Dabei ist Oliver Kirchner doch der Mann, auf den bald alle Augen gerichtet sein könnten. Wenn André Poggenburg geht und Kirchner neuer Fraktionschef werden würde.

Kirchners Name fällt natürlich, weil er in der Fraktions-Hierarchie automatisch nachrückt. Doch er hat offenbar auch echten Rückhalt: Während in der Vertrauensfrage reihenweise Vorstandskollegen abgewatscht wurden, sprachen sich 18 von 22 AfDlern für Oliver Kirchner aus. Er hat Verbündete.

Folgt Kirchner auf Poggenburg? Das wäre keine Mäßigung

Sollte Kirchner folgen, bedeutet das keineswegs eine Mäßigung der äußerst rechten AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt. Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein, wenn man Kirchners Internet-Verhalten zum Maßstab nimmt. Denn bereits zwei Mal fiel der 51-Jährige Magdeburger in jüngster Vergangenheit auf, weil er in Facebook-Gruppen für Rechtsextreme angemeldet war.

Fall 1 wurde im November 2017 bekannt: In der Chatgruppe „Die Patrioten“ wurde das Holocaust-Opfer Anne Frank verhöhnt, indem das Porträt des jüdischen Mädchens auf eine Pizzaschachtel montiert wurde. Überschrift: „Die Ofenfrische“. Neben Kirchner waren rund 50 AfDler -Mitglieder in der geschlossenen Gruppe. Die Parteispitze forderte daraufhin alle Mitglieder auf, die antisemitische und rassistische Gruppe zu verlassen.

Nur zwei Monate später wurde bekannt, dass Kirchner zudem Mitglied einer Hass-Gruppe war, in der der Holocaust eine „Lüge“ genannt wurde. Kirchner sagte der MZ damals: Er nutze die Gruppen ausschließlich, um seine Landtagsreden per Video zu verbreiten. „Ich tue das, damit die Reden eine gewisse Öffentlichkeit erreichen.“ Er beteuert: „Mit verfassungsfeindlichen Dingen habe ich nichts zu tun.“ Er habe nicht die Zeit, alles in diesen Chats zu lesen.

Kirchner ist ein Unterzeichner der Erfurter Resolution

Im Landtag nimmt sich Kirchner die Themen Islamismus und Linksextremismus vor. Dass er sich in der AfD weit rechts einordnet, zeigt sich auch daran, dass er Unterzeichner der Erfurter Resolution ist - ein Positionspapier des rechtsnationalen Flügels, initiiert von Poggenburg und dem Rechtsaußen Björn Höcke.

Wie kritisch Kirchner teilweise gegenüber Journalisten ist, zeigte er Parteifreunden vergangenes Jahr per Whatsapp: Über einen Reporter des Deutschlandfunks schrieb er in vertraulicher Runde, man solle ihm „den Schlips mal etwas enger ziehen“. (mz)