Jobs für Verwandte In der AfD herrscht jetzt blanke Panik (Kommentar)
Angesichts der Vetternwirtschaft in Abgeordnetenbüros versucht die AfD-Bundesspitze zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt hat ein neues Thema.

Magdeburg/MZ - Alles „Fake-News“, alles „Quatsch“, alles „Blödsinn“ – so versuchte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund noch vor wenigen Tagen, sich selbst als Opfer zu inszenieren. Berichte über Vetternwirtschaft seien nichts als eine Kampagne der Medien – wenn nicht gar, wie er in einem Video andeutete, von „Geheimdiensten“, die einen AfD-Wahlsieg verhindern wollten.
Die Wahrheit ist: Die bundesweite Welle der Empörung hat die AfD ganz allein sich selbst zu verdanken. Es sind Siegmund und Landeschef Martin Reichardt, die nichts dabei fanden, Familienmitgliedern von Funktionären reihenweise steuergeldfinanzierte Jobs zuzuschanzen. Die beiden Spitzenleute wollen sich davon auch nicht distanzieren, obwohl jeder normale Mensch erkennt: Hier wuchert ein System zur Selbstbereicherung.
Weidel und Chrupalla fürchten offenbar das Schlimmste: noch mehr belastende Details
Dass sich mit Vize-Parteichef Kay Gottschalk nun die Bundesspitze zum Eingreifen genötigt sieht, zeigt eines: Den Landesfunktionären ist diese Affäre vollkommen entglitten. Der Landesvorstand ist nicht mehr handelnder Akteur. Er wird jetzt vermutlich klare Anweisungen bekommen, wie er aus der Krise kommen soll.
Vor allem fordert Gottschalk von den Parteifreunden, während seiner Vermittlungsbemühungen das Feuer aufeinander einzustellen. Die Führung um Alice Weidel und Tino Chrupalla geht also davon aus, dass auf Rechnern und Handys noch mehr belastendes Material schlummert, das an die Öffentlichkeit gelangen könnte.
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Ex-Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt, selbst unsauberer Geschäfte verdächtig und vom Parteiausschluss bedroht, wird nun als Gesprächspartner Gottschalks aufgewertet. So ein Schritt zeugt von blanker Panik.
Für die Öffentlichkeit ist vor allem eines interessant: Werden Siegmund und seine Kollegen mit ihrem System der Verwandtenversorgung brechen oder nicht? So oder so: Der Wahlkampf hat jetzt ein neues Thema.