Erotikmagazin für Frauen

Erotikmagazin für Frauen: Wie „Séparée“ die Lust beim Lesen weckt

Schönebeck - „Séparée“ ist das einzige deutsche Erotikmagazin für Frauen. Janina Gatzky aus dem sachsen-anhaltischen Schönebeck steht an seiner Spitze. Was sie ihren Geschlechtsgenossinnen rät.

Von Sophie Elstner 29.08.2018, 10:00

Blasse Haut, ein roter Kussmund, rot lackierte Fingernägel, die Frau streicht sich sanft über das Gesicht. Das Cover des aktuellen „Séparée“-Magazins verrät: Es geht um Erotik. Um Sex, Hingabe, Leidenschaft und Kunst.

Janina Gatzky sitzt vor ihrem Gartenhaus in einer ruhigen Straße in Schönebeck. Hier arbeitet sie. Sie hat die dunkelblonden Haare locker nach hinten gebunden. Keine blasse Haut, kein roter Lippenstift, sie nippt an ihrem Tee. Der Sommerwind streicht über das Gras. Nichts von alldem verrät, dass es ihr um Erotik geht.

„Séparée“ ist das einzige deutsche Erotikmagazin für Frauen

Janina Gatzky ist Mitherausgeberin und Chefredakteurin des „Séparée“-Magazins, dem einzigen Erotikmagazin dieser Art für Frauen. „Wir legen unseren Fokus auf alles, was Leserinnen interessiert“, sagt sie.

Die Idee zum „Séparée“ entstand an einem Abend mit Freunden im Jahr 2013. „Bis dahin war ich Playboy-Mitleserin. Da bin ich aber nie wirklich angekommen.“ Anfang 2014 gründete Janina Gatzky mit ihrer Freundin Ute Gliwa, heute ebenfalls Chefredakteurin des Magazins, schließlich ihren eigenen Verlag. Bald darauf erschien das erste „Séparée“. Und das erfolgreich: Zurzeit planen die Herausgeberinnen, mit dem Magazin zu expandieren und sind auf der Suche nach Investoren.

Das „Séparée“ hat aktuell eine Auflage von 20.000 Stück und soll vor allem Frauen ab 30 ansprechen. „Viele Leserinnen kommen aus dem südlichen Sachsen-Anhalt und aus Sachsen. Ich glaube, dass in den neuen Bundesländern immer noch offener mit dem Thema Sexualität umgegangen wird als in den alten Bundesländern“, sagt die 44-jährige Chefredakteurin.

Janina Gatzky will Erotik aus der „Schmuddelecke“ holen

Ihr Anliegen sei es, Erotik aus der „Schmuddelecke“ herauszuholen. Und zwar mit Esprit, Witz, Humor und viel Tiefgang. Da ist zum Beispiel die Frau, die Behinderten gegen Geld ihre sexuellen Wünsche erfüllt. Oder die Porno-Regisseurin, die ungeniert über Aufklärung und Gleichberechtigung in ihrem Job spricht.

Die Themen sind vielfältig: Zwischen der Selbstreportage bei einem Workshop zum Thema Dominanz, Unterwerfung und Fesselspielen und dem Interview mit der Domina gibt es kaum Aspekte, die unausgesprochen bleiben. Selbst Liebeskummer oder männliche Sexualität mit ihren Ängsten, Wünschen und Bedürfnissen finden ihren Platz im „Séparée“.

Dazu kommen Städteporträts unter erotischen Aspekten - etwa Wiener Stundenhotels oder erotische Kunst in Madrid. Wer darauf hofft, seitenweise nackte Männer zu finden, der irrt. Zwar gibt es auch erotische Fotostrecken mit viel nackter Haut, doch sie sind eben nur ein Teil des Ganzen. „Oft liegt doch aber der Reiz in dem, was man ahnt, nicht in dem, was man sieht“, sagt die Herausgeberin. Damit hebt sich das „Séparée“ zum Beispiel von Magazinen wie dem „Playboy“ ab, in dem es auch um Sport, Autos, Reisen und Politik geht.

Wo findet das „Séparée“ seine Lücke in der Flut von Angeboten?

Freunde und Verwandte waren dem neuen Berufsweg von Janina Gatzky, die eigentlich Übersetzerin ist, positiv gestimmt. „Mein Vater ist Künstler, mein Partner und meine Eltern grundsätzlich beim Thema Erotik sehr offen, sie unterstützen mich“, sagt sie. Viele seien wirklich interessiert an der Nische, die das „Séparée“ füllt. Schließlich sei der Anspruch ein ganz anderer als an die üblichen „Schmuddelheftchen“.

Doch wo genau findet das „Séparée“ seine Lücke in der Flut von Angeboten? Man habe sich ganz bewusst für ein Printmagazin entschieden. „Das kann man anfassen, das hat etwas Sinnliches. Webseiten können so etwas nicht. Mit einem Tablet ins Bett zu gehen, ist eben unerotisch“, findet Janina Gatzky.

Dabei redet sie gleichzeitig von einer „Retro-Prüderie“, die gerade durch die Gesellschaft geht. „Wir verstehen uns als frei, haben trotzdem noch so viele Tabus.“ Mit dem Magazin wollten die Macher einen Raum schaffen, in dem sich Frauen wohlfühlen, in dem Intimes und Privates besprochen werden kann, erklärt Janina Gatzky. Gerade für Frauen gebe es diese Freiheiten selten.

Warum die Verunsicherung wächst

Doch ihrer Ansicht nach scheint die Verunsicherung zu wachsen, seit immer mehr Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bekannt werden. Niemand wisse derzeit genau, was er noch öffentlich sagen darf und wie man mit den Themen Erotik und Diskriminierung im öffentlichen Diskurs umgehen solle.

In den vergangenen Jahren habe sich auch der eigene Umgang mit Erotik verändert, sagt Janina Gatzky. „Wir schreiben über Spielarten, stellen Trends in der Erotikspielzeug-Branche vor, beschäftigen uns mit vielen Aspekten des Themas, da lernt man selbst immer wieder neues“, sagt sie. Sie könne sich mit Lesern sehr anspruchsvoll über Erotik unterhalten, wenn man dem Thema mit genügend Respekt entgegentrete.

Den Lesern gebe das Heft zudem die Möglichkeit, über Dinge zu sprechen, die sie bislang nicht aussprechen wollten. Damit ist ein Ziel der Macherinnen erreicht: das sexuelle Selbstbewusstsein zu stärken. „Es ist nichts falsch daran, sich einzugestehen, worauf man Lust hat“, sagt die Chefredakteurin. „Steht zu dem, was ihr fühlt.“

Deshalb sieht Janina Gatzky das „Séparée“ nicht nur als Erotikmagazin, sondern als eine unverkrampfte Art von Feminismus. „Es ist doch okay, lustvollen Sex zu haben.“ Wichtig sei, dass besonders Frauen den Mut haben, sich von ihrer eigenen Zensur im Kopf zu befreien. „Eine gute Sexualität macht das Leben runder, schöner.“

Juristische Grenzen zwischen Kunst und Pornografie

Die Grenzen zwischen Kunst und Pornografie sind fließend und werden juristisch kontrovers diskutiert. Bundesgerichtshof und Oberlandesgerichte definieren Pornografie als Darstellung sexueller Vorgänge, die ausschließlich „auf die Erregung eines sexuellen Reizes abzielt“. Auch wenn „sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise dargestellt werden“, wie es in verschiedenen Urteilen heißt, ist das Pornografie. Dazu zähle auch, wenn zum Beispiel der Intimbereich eines Menschen besonders hervorgehoben werde.

Die Chefredakteurinnen des Magazins lassen alle verwendeten Fotos juristisch prüfen, sagt Janina Gatzky. Man wolle sich durch stilvolle Aktfotografie von anderen Angeboten abheben und den Leserinnen Raum für die eigene Fantasie lassen. (mz)