Entsorgung kostet Millionen

Entsorgung in Sachsen-Anhalt kostet Millionen: Kreise stöhnen unter Last illegaler Mülldeponien

Magdeburg - Immer wieder laden Umweltsünder illegal Abfall in der Gegend ab, darunter krebserregenden Asbest. Die Beseitigung kommt Behörden teuer zu stehen.

Von Jan Schumann 01.03.2019, 09:41

Illegale Mülldeponien und Abfallentsorgungen verursachen in Sachsen-Anhalt Kosten in Millionenhöhe. Es geht um Hausmüll, aber auch asbesthaltige Baustoffe, Lacke, Lösemittel und anderen Müll. Neue Zahlen der Landesregierung zeigen: Rund 20.000 Tonnen illegal entsorgten Abfall mussten die Landkreise und kreisfreien Städte seit 2014 beseitigen.

Kostenpunkt: rund fünf Millionen Euro. Immer wieder kommt es auch zu Verfahren gegen Umweltsünder.

In einigen Kreisen ist das Problem in Wäldern, an Straßen und anderen Orten schon seit Jahren akut, in anderen verschärft es sich rasant. Am härtesten kämpft dabei die Börde mit illegaler Müllentsorgung: 2.874 Tonnen mussten Behörden hier nachträglich beseitigen. Neben Bau- und Sperrmüll ging es auch um Öle, Farben und Autoteile.

Illegaler Müll: Anhalt-Bitterfeld und der Saalekreis besonders betroffen

Auch der Saalekreis um die Stadt Halle ist spürbar betroffen. Die Kommune meldet 2.586 Tonnen, darunter asbesthaltige Baustoffe. Ärzte sehen Asbest als Krebserreger. Stark belastet ist auch der Harz: 2.112 Tonnen illegal verklappten Müll musste der Kreis entsorgten, darunter Dachpappe, Bauschutt und Elektrogeräte. Das zeigt eine aktuelle Dokumentation des Umweltministeriums in Magdeburg, veröffentlicht auf Anfrage der AfD im Landtag.

Die Daten machen auch deutlich, in welchen Regionen das Problem zunehmend akut ist. Darunter sind Anhalt-Bitterfeld und der Saalekreis, in denen die beseitigten Abfallmengen stetig wuchsen. Brisant: „Die illegale Asbestentsorgung nimmt deutlich zu“, konstatiert Kerstin Küpperbusch, Sprecherin des Saalekreises. Wurden 2014 noch vier Tonnen des Materials gefunden, waren es zuletzt 25 Tonnen.

Stecken dubiose Handwerker hinter illegalen Müllbergen im Saalekreis?

Der Kreis vermutet dahinter dubiose Handwerker. „Ursächlich sind mutmaßlich einzelne Personen ohne Firmenanschrift oder Gewerbe, die ihre Dienste für Dachdeckerarbeiten zu sehr günstigen Konditionen anbieten“, sagte Küpperbusch der MZ. Zu aktuellen Ermittlungen machte die Polizei zunächst keine Aussagen. Für den Landkreis jedenfalls stiegen die Ausgaben für Müllentsorgungen spürbar, zuletzt von 80.000 (2014) auf 107 000 Euro.

Kreissprecherin Küpperbusch legte aber Wert darauf, dass die Zahlen nicht zwingend ein Hinweis auf einen massiven Zuwachs an illegalen Müllkippen seien - vielmehr seien seit zwei Jahren mehr Mitarbeiter mit der Flurbereinigung im Saalekreis beschäftigt. „Die Anzahl der Hinweise, die durch Bürger im Amt eingehen, ist hingegen seit Jahren gleichbleibend“, erklärte Küpperbusch zudem.

„Das Umweltamt ahndet jede illegale Abfallablagerung“

Wer illegal Müll entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit oder gar Straftaten. „Das Umweltamt ahndet jede illegale Abfallablagerung, die einem Verursacher zuzuordnen ist, mit Bußgeldern oder Strafanzeigen“, sagte Küpperbusch. Seit 2014 ermittelten Behörden nach Angaben des Umweltministeriums rund 3 400 Verursacher und Tatverdächtige. Mindestens 17 Strafverfahren wurden demnach eingeleitet.

Landes-Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) sagte, die Beseitigung und Verhinderung illegaler Mülldeponien sei eine Daueraufgabe der Kreise und Städte. „Ein Patentrezept gibt es nicht.“ Schnelle Räumung und Ahndung gehörten aber in jedem Fall zu den wichtigsten Gegenreaktionen.

Für die Beseitigung illegaler Mülldepots fordert der AfD-Abgeordnete Hannes Loth, dass das Land künftig Kosten zur Beseitigung erstattet. Zugleich kritisiert er: „Oft geht es hier um Abfall, der einfach zu entsorgen ist.“ (mz)