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Entdeckung per Satellitenfoto Ein spannender Blick in die Geschichte (Kommentar)

Auch in Sachsen-Anhalt gab es Römerlager, wie jetzt feststeht. Das macht das Land nicht zu einem Teil der römischen Welt - dennoch sind die Funde faszinierend.

Von Hagen Eichler 15.01.2026, 18:33
MZ-Kommentator Hagen Eichler
MZ-Kommentator Hagen Eichler (Foto: Andreas Stedtler)

Magdeburg/MZ - Das Urteil der Römer über die Germanen war fest gefügt und abschätzig. „Ne caementorum quidem apud illos aut tegularum usus“: Sie verwenden nicht einmal Bausteine und Ziegel, notierte der römische Geschichtsschreiber Tacitus – Barbaren also, die in hölzernen Hütten hausen.

Und doch sollte es all der Macht Roms nicht gelingen, diese Stämme dauerhaft zu unterwerfen. Dass das Imperium es über Jahrhunderte hinweg versuchte und weit in Richtung Osten vorstieß, wird durch die erstmalige Entdeckung römischer Marschlager in Sachsen-Anhalt eindrucksvoll bestätigt.

Germanien blieb noch Jahrhunderte kulturell zurück

Die archäologischen Funde machen die Gebiete an Saale und Elbe nicht nachträglich zu einem Teil der römischen Welt. Die entdeckten Gräben, Münzen, Sandalennägel belegen militärische Straf- oder Erkundungsexpeditionen, keine dauerhaften Siedlungen. Im Vergleich zu hoch entwickelten Römerstädten wie Köln oder Mainz blieb die Wildnis des freien Germaniens noch Jahrhunderte zurück, bevor im Mittelalter auch hier kulturelle Glanzpunkte entstanden.

Den Autor erreichen Sie unter: [email protected]

Faszinierend sind die Funde, weil sie den Fortschritt der Wissenschaft belegen. Auch nach hunderten, ja tausenden Jahren lassen sich verschüttete Spuren menschlichen Handelns entdecken. Und dass es ein ehrenamtlicher Denkmalpfleger war, der den ersten Hinweis fand, dürfte noch viele weitere Hobby-Forscher anspornen.