Mit Fliege und immer für die Freiheit

Ein Nachruf auf Ex-Sozialminister Gerry Kley

Ex-Sozialminister Gerry Kley ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Halle (Saale) - Gerry Kley war immer ein klein wenig anders - in einem positiven, interessanten Sinn. Sichtbar war das für alle durch sein Markenzeichen: die Querfliege. Zwischen mit Anzug und Krawatte uniformierten Politikern stach er heraus. Er war aber auch 2002, mit 42 Jahren, der jüngste Minister im Kabinett von Wolfgang Böhmer (CDU). Und er war damals bundesweit unter vielen Sozialministerinnen als FDP-Mann eine Ausnahmeerscheinung.

Als die MZ mal fragte, was für ihn leidenschaftliche Politik sei, sagte Kley: „Wenn wir die Menschen nicht als Bittsteller sehen.“ Seine Aufgabe sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Kampf für Freiheit und Bürgerrechte

So eine Haltung fällt auf, wenn die Mehrheit einen fürsorgenden Staat propagiert. Und brachte Kley Unmut ein in der Zeit der schwarz-gelben Koalition. Die startete mit einem straffen Sparkurs, in Kleys Bereich wurden die jährlichen Zuwendungen für die Kinderbetreuung drastisch gekürzt. Im Kern hatten Kinder arbeitsloser Eltern keinen Anspruch mehr auf Ganztagsbetreuung. Monatelange, heftige Proteste mit harten Angriffen auf ihn und einem Volksbegehren hielt er stand.

Die heutige FDP-Landeschefin Lydia Hüskens sieht den Ursprung seines politischen Handelns in der DDR. „Das Gefühl von Unfreiheit hatte er in der DDR oft erlebt. Gerry Kley war deshalb durch und durch ein Liberaler, er war streitbar in einem guten Sinne und stand immer ein für die Freiheit des Individuums und für Bürgerrechte.“ Wenn Einschränkungen von Bürgerrechten debattiert wurden, habe man ihm den Widerwillen körperlich angesehen. „Und dann stand er auf und meldete sich zu Wort.“

„Bescheidener Diener des Parlaments“

Den gebürtigen Eisenacher verschlug es zum Studium nach Halle. In der friedlichen Revolution trat er der LDPD bei, die später in der FDP aufging. Unter anderem war er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, FDP-Kreisvorsitzender und Mitglied im Bundesvorstand. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne gründete in Halle auch eine Umweltberatungsfirma.

Erste frei gewählte Volkskammer, Bundestag, Landtag und Stadtrat von Halle: Auf allen denkbaren parlamentarischen Ebenen war Kley dabei. Auch das war etwas Besonderes. Als Minister hat er im Landtag gerne gesagt, er sei ein „bescheidener Diener des Parlaments“. Das klang bisweilen ironisch, etwa nach kritischen Fragen der Opposition. Es war aber sein heiliger Ernst, wie Hüskens versichert: „Gerry Kley war ein leidenschaftlicher Parlamentarier.“

Am Mittwoch ist Gerry Kley gestorben, im Alter von 60 Jahren. Woran, ist nicht bekannt. Laut Parteifreunden ist er abends normal zu Bett gegangen und morgens nicht mehr aufgewacht. (mz/Kai Gauselmann)