Beschäftigung von Asylbewerbern Das Herumsitzen in Flüchtlingsheimen demotiviert (Kommentar)
Viel zu lange wurden Migranten von Arbeit ferngehalten. Endlich beginnt ein Umdenken.

Magdeburg/MZ - Deutschlands Umgang mit Flüchtlingen hat schizophrene Züge. Einerseits gibt es das sehr großzügige, weil zahlenmäßig nicht begrenzte Versprechen, dass politisch Verfolgte, aber auch vor Terror und Krieg Fliehende bei uns Schutz finden.
Gleichzeitig sorgt die Politik seit Jahrzehnten dafür, die Aufgenommenen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten: Asyl und der Import von Arbeitskräften sollten sauber getrennt bleiben – aus Sorge, noch zusätzlich Menschen anzuziehen. Diese Politik hat allerdings auch viele Probleme verursacht. Es ist erfreulich, dass wir jetzt ein Umdenken erleben können.
Etliche Kommunen haben die Arbeitspflicht ausprobiert
Die Möglichkeit, Flüchtlinge zu Hilfstätigkeiten heranzuziehen, gibt es bereits seit langem. Genutzt wurde sie lange Zeit kaum. Erst in jüngster Zeit haben Landkreise, auch in Sachsen-Anhalt, damit begonnen. Das Beispiel des Burgenlandkreises zeigt, dass die Umsetzung Personal benötigt und erhebliche Kosten verursacht.
Den Berechnungen von Landrat Götz Ulrich (CDU) lohnt sich das Ganze dennoch, auch finanziell. Vielleicht motiviert das Beispiel im Landessüden weitere Landkreise, aber auch Städte, Gemeinden und Vereine, ebenfalls nach Einsatzmöglichkeiten zu suchen und dann Flüchtlinge heranzuziehen.
Die erzwungene Untätigkeit erzeugt Neid
Ulrich hat recht: Das erzwungene Untätigsein, das Herumsitzen in Gemeinschaftsunterkünften demotiviert Menschen. Und es verstärkt eine missgünstige Stimmung. Nicht, weil die Flüchtlinge mit einem Regelsatz von 455 Euro ein beneidenswertes Leben führen. Sondern weil sie ihren Unterhalt vom Staat erhalten – finanziert von den Steuern derjenigen, die täglich arbeiten gehen.
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Bemerkenswert, dass die CDU nun noch viel weiter gehen will und Flüchtlingen die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach nur drei Monaten erlauben will. In vielen europäischen Ländern ist das der Standard, dass arbeitsfähige Schutzbedürftige für sich selbst aufkommen. Davon profitieren am Ende alle.