Prozess um Vergewaltigung

Prozess um Vergewaltigung: Wollte der 45-Jährige seine Noch-Ehefrau wirklich töten?

Schkopau/Halle (Saale) - Die Frau zittert am ganzen Körper und ist den Tränen nahe. Sie spricht sehr langsam, scheint kaum Luft zu bekommen und muss immer wieder eine kurze Pause einlegen bevor sie weitersprechen kann. Sie ist so aufgewühlt, als würde sie alles noch einmal erleben. Zwei Stunden lang wird die 48-Jährige vor dem Landgericht Halle befragt und schildert, was ihr Noch-Ehemann, der seit dem 6. November 2019 in Haft ist, ihr angetan haben soll. Der 45-Jährige muss sich wegen Vergewaltigung und Bedrohung vor Gericht ...

Von Undine Freyberg
Laut der Aussage des Opfers, habe der 45-Jährige gedroht  der Mutter seiner Noch-Ehefrau in den Kopf zu schießen. imago stock&people

Die Frau zittert am ganzen Körper und ist den Tränen nahe. Sie spricht sehr langsam, scheint kaum Luft zu bekommen und muss immer wieder eine kurze Pause einlegen bevor sie weitersprechen kann. Sie ist so aufgewühlt, als würde sie alles noch einmal erleben. Zwei Stunden lang wird die 48-Jährige vor dem Landgericht Halle befragt und schildert, was ihr Noch-Ehemann, der seit dem 6. November 2019 in Haft ist, ihr angetan haben soll. Der 45-Jährige muss sich wegen Vergewaltigung und Bedrohung vor Gericht verantworten.

45-Jähriger vergewaltigt Noch-Ehefrau und droht anschließend ihr sowie der Mutter

Er habe sie an dem besagten Morgen vom Bad ins Wohnzimmer geschleift, sie dort auf die Couch geworfen und vergewaltigt. Zuerst habe sie sich gewehrt. „Dann habe ich es einfach nur geschehen lassen, weil ich wollte, dass es vorbei ist.“ Dann sei sie nach draußen geflüchtet, wo ihr Mann sie gewürgt und mit dem Tode bedroht habe.

„Zuerst werde er meiner Mama in den Kopf schießen und dann mich umbringen.“ Sie habe diese Drohung sehr ernst genommen, weil sie von mindestens ein Waffe wusste, die ihr Mann besitzen soll. Schlussendlich wurden in dem Haus in Schkopau zwei Schreckschusswaffen sichergestellt, die einer echten Waffe sehr ähnlich sahen.

Trennungsgrund: Ehemann ging mehrfach fremd und hatte außereheliche Kinder

Die 48-Jährige habe sich bereits 2012 von ihrem Mann trennen wollen, das aber aus Rücksicht auf seine leiblichen Kinder, die mit im Haus wohnten, nicht getan. Außerdem habe ihr Mann gedroht, dass er sich sonst umbringen werde. Mitte letzten Jahre habe sie aber die Nase voll gehabt von seiner ständigen Fremdgeherei - der Angeklagte hat offenbar mehrer außereheliche Kinder -, habe ihm gesagt, dass sie sich trennen werde und im September die Scheidung eingereicht.

An besagtem Novembertag habe sie einen Koffer gepackt, um für eine Woche zu ihrer Mutter zu ziehen, da ihr Mann einen Woche Urlaub angekündigt hatte und sie ihm aus dem Weg gehen wollte. Er habe vielleicht geglaubt, dass sie für immer gehen wollte, was möglicherweise das Fass zum Überlaufen brachte. Panisch war die 48-Jährige nach den Übergriffen zu ihrer Arbeitsstelle gefahren.

Ehemann bestreitet Vergewaltigung, doch Polizeibeamtin glaubt das nicht

Eine Kollegin, die erkannte, in welchem Zustand sie war, riet ihr, sofort die Polizei zu rufen, die auch wenig später eintraf. Gleichzeitig wurden im Haus Spuren gesichert und der Ehemann vorläufig festgenommen. In seiner ersten Vernehmung erklärte er, dass alles was seine Frau gesagt habe, gelogen sei. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Danach habe man zusammen Kaffee getrunken. Im Anschluss sei seine Frau verschwunden. Ein erfahrene Kriminalbeamtin, die solche Fälle bearbeitet und damals die Aussage der Frau aufgenommen hatte, erklärte vor Gericht, dass sie die damalige Aussage der Frau für glaubhaft hält. (mz)