Österliches Baggerquintett

Österliches Baggerquintett: Eisenbahnüberführung bei Mücheln muss weichen

Mücheln - Weil die Schäden zu groß waren, muss eine Eisenbahnüberführung bei Mücheln weichen. Für die Fachkräfte ist der Baueinsatz am Feiertag Routine.

Von Robert Briest 02.04.2018, 14:00

Mit der österlichen Ruhe ist es am Sonntagmittag am Westrand von Mücheln nicht weither. Ein wummerndes Stakkato liegt in der Luft. Die Taktgeber finden sich entlang der Bahnstrecke nach Querfurt. Fünf mit tonnenschweren Abbruchhämmern versehende Bagger machen sich dort an der Überquerung der L178 zu schaffen. „Wir sind seit gestern 23 Uhr mit dem Abriss beschäftigt“, berichtet Renè Burkhardt, Chef der Abrissfirma aus der Nähe von Gera.

Die alte Brücke soll einem Neubau weichen. Die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) begründet diesen Schritt unter anderem mit sehr großen und flächenhaften Schäden, etwa Rissen, starkem Rostbefall an Über- und Unterbau sowie anprallgefährdeter Stützen und unzureichender Absturzsicherheit. Die Fülle der Mängel würden eine Instandsetzung unwirtschaftlich und einen Ersatzneubau dringend notwendig machen. Der soll bis November stehen. Die LSBB hat dafür Kosten in Höhe von 4,1 Millionen Euro eingeplant.

Abriss bei Mücheln: Über 1.000 Tonnen Schutt

Doch bevor neu gebaut werden kann, sind am Ostersonntag zunächst Burkhardt und seine Mannen am Zug: „Wir haben als erstes das Gleis mit Geotextilien, Stahlplatten und Reifen geschützt.“ So soll verhindert werden, dass der Schienenstrang selbst beschädigt wird. Denn beim Abriss stürzen immer wieder Betonbrocken auf die an dieser Stelle in einem kleinen, sechs Meter tiefen Tal geführte Bahnstrecke. Über 1.000 Tonnen Schutt würden beim Abriss insgesamt entstehen, erklärt Burkhardt. Bis 3 Uhr müssen die beräumt sein. Dann, so sieht es der Zeitplan vor, muss die Bahnstrecke Querfurt-Merseburg wieder befahrbar sein.

Solche engen Zeitpläne sind für den Abrissexperten keine Seltenheit – und auch nicht die Feiertagsarbeit: „Wir haben eigentlich jedes Jahr zu Ostern eine Brücke.“ Die Bahn schreibe die Zeitfenster fest, teils ein halbes Jahr im Voraus, bei ICE-Strecken bisweilen sogar mit zwei Jahren Vorlauf.

Während Burkhardt erklärt, arbeiten sich seine Bagger langsam von links in die nur noch zur Hälfte stehenden Brücke hinein: „Die wird quasi wie beim Brot in Scheiben geschnitten, damit die Brücke nicht unkontrolliert einstürzt.“ Am Ende der Nacht stehen nur noch die Fundamente jenseits der Gleise. Die sollen in den kommenden Wochen noch weichen, um Baufreiheit für die neue Brücke zu schaffen. Geplant ist eine Einfeldbrücke, welche die 45 Meter breite Lücke über der Bahn überspannen soll. (mz)