Neuanfang in Braunsbedra

Neuanfang in Braunsbedra: Warum „Ritters Weinstuben“ in Merseburg schließen

Merseburg - Steffen Warias schließt „Ritters Weinstuben“ und wagt den Neuanfang in Braunsbedra.

Von Undine Freyberg 03.12.2017, 11:00

Der 31. Dezember 2017 ist der letzte Tag, an dem Steffen Warias in der Küche von „Ritters Weinstuben“ den Herd anwirft. Denn nach dem Silvestermenü ist Schluss - zumindest in Merseburg. Aber wie man weiß: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine andere. So ist das auch bei dem Spitzenkoch. Er wird das Hotel und Restaurant „Am Markt“ in Braunsbedra übernehmen.

„Manche denken ja, wir wandern aus“, lacht Warias. Die beruhige er dann aber und sage, dass Braunsbedra doch eigentlich nur um die Ecke sei. „In Berlin oder Leipzig wäre das ungefähr die Entfernung zu einem anderen Stadtteil.“

Hotel und Restaurant in Braunsbedra

Über den Schritt, Hotel und Restaurant in Braunsbedra zu übernehmen, habe er mit seiner Frau Claudia lange und intensiv nachgedacht. „Wir hätten auch Ritters Weinstuben kaufen können. Denn die gehören zu einer Insolvenzmasse, und die Bank würde das Haus gern verkaufen.“

Da ihre Tochter jedoch nicht die Nachfolge im Geschäft antreten werde, mache eine solche Entscheidung keinen Sinn. Hotel und Restaurant in Braunsbedra wird er also erneut als Pächter übernehmen. Der Gang nach Braunsbedra ist für ihn so etwas wie eine Rückkehr. „Ich bin in Braunsbedra groß geworden, und meine Eltern hatten in der Stadt früher auch eine Gastronomie.

Gaststätte in Braunsbedra soll am 15. Januar eröffnen

Die ersten zwei Januarwochen des neuen Jahres brauchen Warias und sein Team zum Einräumen. „Wenn alles planmäßig läuft, wollen wir am 15. Januar eröffnen“, so der 50-Jährige. Und dann werde man sehen, wie man mit der Veränderung klarkomme. „Hier in Merseburg haben wir 60 bis 70 Plätze im Restaurant und neun Zimmer, die nicht so gut gebucht werden, weil Merseburg einfach zu viele Hotelzimmer hat.“ In Braunsbedra seien es dann 27 Zimmer, die ziemlich gut ausgelastet seien, sowie 30 Plätze im Restaurant und nochmal 80 im Saal, den man auch teilen kann.

Was das Team angeht, will Steffen Warias versuchen, alle Leute zu übernehmen. „Sie wissen aber alle, dass das nicht sofort gehen wird.“ Ende November werde entschieden, mit wem er am 15. Januar starten wird.

Schon jetzt brütet der Spitzenkoch über der Karte

Die Frage, die die meisten interessiert: Wird Warias in Braunsbedra weiter auf so hohem Niveau kochen können wie in Merseburg? Schon jetzt brütet der Spitzenkoch über der Karte, die er wie eine Zeitung gestalten und durch Tages- oder Wochenmenüs ergänzen will. „In Ritters Weinstuben hatten wir kein Gericht, das es das ganze Jahr über gab. Vielleicht muss ich das jetzt ändern.“

Er überlegt schon lange, ob es zum Beispiel auch künftig Würzfleisch im Restaurant „Am Markt“ geben soll oder wieviel die Gäste für eine gut gemachte Kohlroulade ausgeben würden? Eines werde sich auf jeden Fall nicht ändern. „Ich werde auch in Braunsbedra mit frischen hochwertigen Produkten kochen, die wir zu einem angemessenen Preis verkaufen.“

Hotel und Restaurant werden lediglich den Namenszusatz „Warias“ bekommen

Was er rückblickend bereut? „Mein größter Marketingfehler - nämlich dass wir uns Gourmetrestaurant genannt haben. Das hat sicher einige Leute abgeschreckt, und das möchte ich nicht.“ Manche fühlten sich vielleicht ausgeschlossen, obwohl er alle einladen möchte, seine Kreationen und eben einfach mal etwas Neues zu probieren. In Braunsbedra werden Hotel und Restaurant lediglich den Namenszusatz „Warias“ bekommen.

Für die hohe Qualität seiner Speisen war er 2016 in den sogenannten „Bib Gourmand Deutschland“ aufgenommen worden. Michelin vergibt ja bekanntermaßen Sterne, und im „Bib Gourmand“ weist man auf Restaurants hin, die kurz davor stehen. Auch 2017 hat es Warias wieder in den „Bib“ geschafft - als eines von insgesamt nur vier Restaurants in ganz Sachsen-Anhalt.

Im neuen Domizil will Warias - anders als in Merseburg - sieben Tage die Woche öffnen, möchte nicht nur für die Hotelgäste Frühstück anbieten und wieder einen Mittagstisch etablieren. Ob ihm seine Stammgäste weiterhin die Treue halten? „Die meisten haben gesagt, sie würden auch nach Braunsbedra kommen.“ Er lächelt. „Wir werden sehen.“ (mz)