Nahverkehr Merseburg - Halle

Nahverkehr Merseburg - Halle: Havag will ab Mai Fahrten streichen

Merseburg/Halle (Saale) - Von wegen Schonfrist für die Straßenbahn bis Ende 2016! Die Hallesche Verkehrs AG (Havag) will ab 2. Mai das Fahrplanangebot auf der Überlandlinie 5 zwischen Ammendorf und Bad Dürrenberg kürzen und die Stadtlinie 15 in Merseburg aufgeben. Stattdessen soll die Linie 5 in Stichfahrten den Stadtverkehr in den Südwesten der Stadt bedienen. Die Änderungen betreffen im Prinzip den Betriebsbeginn am Morgen und die letzte Fahrt am Abend. Die Havag will später starten und früher aufhören. Dadurch würden auf der Linie 5 werktags zehn Fahrten gestrichen werden, samstags 14 und sonntags 12. Einen entsprechenden Antrag hat das Verkehrsunternehmen bei der Stadt Halle eingereicht. Halle ist die zuständige ...

Von Dirk Skrzypczak 30.03.2016, 17:36

Von wegen Schonfrist für die Straßenbahn bis Ende 2016! Die Hallesche Verkehrs AG (Havag) will ab 2. Mai das Fahrplanangebot auf der Überlandlinie 5 zwischen Ammendorf und Bad Dürrenberg kürzen und die Stadtlinie 15 in Merseburg aufgeben. Stattdessen soll die Linie 5 in Stichfahrten den Stadtverkehr in den Südwesten der Stadt bedienen. Die Änderungen betreffen im Prinzip den Betriebsbeginn am Morgen und die letzte Fahrt am Abend. Die Havag will später starten und früher aufhören. Dadurch würden auf der Linie 5 werktags zehn Fahrten gestrichen werden, samstags 14 und sonntags 12. Einen entsprechenden Antrag hat das Verkehrsunternehmen bei der Stadt Halle eingereicht. Halle ist die zuständige Genehmigungsbehörde.

Finanzierung unklar

Der Vorstoß kommt umso überraschender, da auf einer Kreisbereisung der CDU-Landtagsfraktion im Februar der allgemeine Eindruck entstanden war, dass für 2016 eine Einigung erzielt werden konnte. Doch dem widerspricht die Havag. „Bis heute liegt keine verbindliche Information des Landkreises für eine nachhaltige und ausreichende Finanzierung des Straßenbahnbetriebes vor. Diese muss erst abgewartet werden“, erklärt Havag-Vorstand Vinzenz Schwarz, der auch im Auftrag der Stadt Halle auf eine MZ-Anfrage antwortet.

Das Warten hat der Aufsichtsrat der Havag aber offenbar satt, wie der Antrag zeigt. Für dieses Jahr hatte der Saalekreis seinen Zuschuss an den Straßenbahnbetreiber von 1,5 auf 1,6 Millionen Euro erhöht. Außerdem wurde seitens des Kreises Bereitschaft signalisiert, die Summe 2017 auf 1,7 Millionen Euro aufstocken zu wollen und zusätzlich Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr, die der Kreis 2016 vom Land erhält, einzusetzen. Die Havag freilich macht insgesamt 2,2 Millionen Euro pro Jahr geltend, um kostendeckend arbeiten zu können. Diese Lücke lässt sich nicht schließen.

Die Stadt Halle hat derweil den Landkreis sowie die Städte Schkopau, Merseburg, Leuna und Bad Dürrenberg angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Nach MZ-Informationen lehnt das Quintett den Antrag der Havag ab. „Unser Ziel ist es, dass vor allem die Linie 5 nicht ausblutet. Wir als Landkreis sind finanziell aber nicht in der Lage, das Defizit der Havag auszugleichen“, sagt Landrat Frank Bannert (CDU). Man müsste das Geld an anderer Stelle streichen, etwa für die Förderung des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt. „Aber das wird niemand wollen.“ Deshalb dränge man die Landesregierung, die Linie 5 als landesbedeutsam einzustufen - so wie die „Wilde Zicke“, die Straßenbahn in Naumburg.

Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) verweist ebenfalls auf die Rolle der Straßenbahn und deren Bedeutung für Pendler, Schüler und Touristen. „Eine Einschränkung des Straßenbahnverkehrs kommt aus unserer Sicht daher nicht in Frage. Ich bitte die Havag, die geplanten Kürzungen noch mal zu überdenken.“

Kürzungen sind abgeschwächt

Nach Havag-Angaben wurden 2015 auf der Überlandstrecke 5 rund 1,1 Millionen Beförderungsfälle gezählt, auf der Stadtlinie Merseburg waren es 213 000. Die Havag selbst spricht von einer weiterhin gesicherten Bedienung des gesamten Straßenbahnnetzes im Saalekreis, allerdings werde es bei der Schülerbeförderung sowie für Berufstätige Einschränkungen geben. „Die Kürzungen sind allerdings sehr viel abgeschwächter, als ursprünglich geplant“, betont Unternehmenssprecherin Iris Rudolph. In einem ersten Entwurf war von Einsparungen in Höhe von 40 Prozent die Rede.

Entlang der Strecke steigt allerdings die Furcht, dass die Linie 5 zur Bimmelbahn mutieren könnte. Kritisiert wird vor allem das geplante Betriebsende um 19.30 Uhr (werktags) und 18.30 Uhr an Wochenenden. Als Zubringer für Veranstaltungen und die Heimfahrt würde die Straßenbahn ausfallen. Heute fährt die letzte Bahn samstags 23 Uhr. (mz)