Nach Großbrand in Steigra

Nach Großbrand in Steigra: Feuerwehr im Saalekreis sitzt auf dem Trockenen

Merseburg/Querfurt - Beim Brand in Steigra muss die Feuerwehr die Unstrut anzapfen, um Flammen zu bekämpfen. Einige Gemeinden im Saalekreis haben Probleme mit der Versorgung.

09.08.2017, 09:00

Zwei Löschteiche und eine unterirdische Zisterne - Tausende Liter Wasser, die für solche Notfälle auf dem Betriebsgelände bereitgehalten wurden, haben nicht ausgereicht, um den Großbrand in einer Recyclinganlage in Steigra zu retten.

Umständlich musste die Feuerwehr zusätzliches Wasser zum Teil aus Kilometern Entfernung über lange Wegstrecken an den Brandort pumpen -  unter anderem auch aus der Unstrut, die an der Kreisgrenze zum Burgenland verläuft.

Saalekreis hat generell Probleme bei der Löschwasserversorgung

Nicht nur in Steigra, auch an weiteren Stellen im Landkreis gibt es solche Probleme mit der Löschwasserversorgung. „Die Kommunen sind gefordert, tätig zu werden, um weiße Flecken zu verhindern“, sagt Kreisbrandmeister Robby Stock. Immerhin, meint er, seien die Probleme bekannt und werden in vielen Städten und Gemeinden im Rahmen einer Risikoanalyse angegangen.

Löschwasser knapp: Auch in Merseburg sind Stadtteile und Gewerbegebiet unterversorgt

Beispiel Merseburg: In der Domstadt gelten laut Löschwasserkonzept der Ortsteil Freiimfelde, das Merse-Center sowie das Gewerbegebiet-Nord als unterversorgt, wie im Frühjahr dieses Jahres bekannt wurde. Die Stadt wollte die Situation analysieren, um im Brandfall genügend Wasser bereitstellen zu können.

Eine zentrale Rolle spielt in Merseburg dabei das Trinkwassernetz, denn mit öffentlichen Gewässern, Saale oder Gotthardteich, ließen sich nur drei Prozent des Stadtgebiets abdecken.     

Mit dem Wasserversorger Midewa sei man deshalb in Gesprächen, um zu sehen, welche Hydranten für Entnahmen von Löschwasser in Frage kommen. „Alle vier Jahre werden die Hydranten überprüft, um zu sehen, welchen Druck ich erwarten kann“, sagt Midewa-Geschäftsführer Uwe Störzner.

Der ist vorgeschrieben, in Wohngebieten müssen 48 Kubikmeter Löschwasser pro Stunde aus dem Hydrant kommen, in Gewerbegebieten 96. „Das ist in entlegenen Ortschaften nicht immer zu leisten“, sagt Störzner. Bei sinkenden Verbrauch überall große Leitungen vorzuhalten, ist für das Unternehmen nicht wirtschaftlich.

So geht Querfurt das Löschwasserproblem an

Allerdings ist der Wasserversorger auch nicht zuständig für die Bereitstellung von Löschwasser, sondern die Kommunen. Und die haben von Querfurt bis Schkopau bereits einiges unternommen, um Engpässen entgegenzuwirken. In der Quernestadt sollen noch in diesem Jahr Staustufen für einzelne Ortswehren angeschafft werden.

Mit ihnen können Bäche angestaut werden, um daraus Wasser zu entnehmen. In den kommenden Jahren müssen zudem mehrere Löschteiche saniert  oder entsprechende Fahrzeuge gekauft  werden, wie es in der Risikoanalyse heißt.

Löschwasser knapp: Schkopau handelte nach verheerendem Brand in Döllnitz

Auch in Schkopau hatte man das Löschwasser-Problem betrachtet, nachdem klar wurde, dass das Hydrantennetz in einigen Orten null Prozent Abdeckung bietet. Zusätzliche Brunnen wurden diskutiert, bei Neubauten Zisternen eingeplant.

Nach einem verheerenden Brand in einem Gewerbegebiet in Döllnitz vor einigen Jahren wurde nicht nur ein Löschteich geschaffen, sondern auch ein spezieller Gerätewagen für die Feuerwehr gekauft. Dieser verfügt über die nötige Technik, um lange Wegstrecken mit Schläuchen zu überbrücken.

„Ganz offensichtlich wurde damals von Behördenseite aus deutlich weniger Wert auf den bestehenden Brandschutz gelegt“, kommentierte Schkopaus Bürgermeister bereits im vergangenen Jahr das Ergebnis der Risikoanalyse.

Welche Brandschutzauflagen der nun abgebrannte Betrieb in Steigra erhalten hat und ob diese erfüllt wurden, war zunächst unklar. Das Landesverwaltungsamt und der Landkreis verwiesen jeweils aufeinander. (mz)