Flughafen Leipzig/Halle

Flughafen Leipzig/Halle: Gestrandeter PIA-Airbus wird zum Politikum

Halle - Am Nikolaus-Tag 2016 reiste der Chef der Pakistan International Airlines (PIA), Bernd Hildenbrand, eigens zum Flughafen Leipzig/Halle, um Großes zu verkünden: Die pakistanische Airline will ab Frühjahr 2017 Mitteldeutschland mit New York verbinden. Im „Gepäck“ hatte der Airline-Chef auch einen mehr als 20 Jahre alten Airbus 310, der ausgemustert werden soll. Als „Nikolaus-Geschenk“ bezeichnete Hildenbrand am Rande der Veranstaltung das Flugzeug, das seither eingemottet auf einem Vorfeld des mitteldeutschen Flughafens ...

Von Steffen Höhne 02.03.2017, 22:50

Am Nikolaus-Tag 2016 reiste der Chef der Pakistan International Airlines (PIA), Bernd Hildenbrand, eigens zum Flughafen Leipzig/Halle, um Großes zu verkünden: Die pakistanische Airline will ab Frühjahr 2017 Mitteldeutschland mit New York verbinden. Im „Gepäck“ hatte der Airline-Chef auch einen mehr als 20 Jahre alten Airbus 310, der ausgemustert werden soll. Als „Nikolaus-Geschenk“ bezeichnete Hildenbrand am Rande der Veranstaltung das Flugzeug, das seither eingemottet auf einem Vorfeld des mitteldeutschen Flughafens steht.

Airbus der Pakistan International Airlines (PIA) in Schkeuditz soll für 47.500 Euro verkauft werden

Was Hildenbrand nicht erwähnte: Sein „Präsent“ hat in Pakistan bereits für einige politische Verwicklungen gesorgt. Und das „Geschenk“ soll offenbar 47.500 Euro kosten. Doch der Reihe nach. Bevor das Flugzeug am 5. Dezember in Schkeuditz gelandet ist, stand es zuletzt auf der Mittelmeerinsel Malta.

Eine britische Filmgesellschaft hatte es von PIA für einen Dreh gemietet. In dem Film wurde die Operation Entebbe nachgespielt, einer militärischen Befreiungsaktion in der Nacht zum 4. Juli 1976 auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda. Eine israelische Spezialeinheit beendete damals die einwöchige Entführung eines Passagierflugzeugs der Air France durch palästinensische und deutsche Terroristen. Bei den 105 Geiseln handelte es sich überwiegend um Israelis. Im muslimischen Pakistan kamen diese Dreharbeiten jedoch nicht gut an. Es hagelte anti-israelisch motivierte Proteste. PIA sah sich zu einer Pressemitteilung genötigt, in der darauf hingewiesen wurde, dass beim Dreh die Maschine auf Air France umlackiert wurde.

In der Mitteilung vom 30. November gab PIA auch an, dass ein „deutsches Museum Interesse an einem Kauf“ habe. Um welches Museum es sich handelt, wurde nicht genannt. Auf MZ-Anfrage war Hildenbrand am Mittwoch auch nicht zu erreichen.

Szenen für Hollywood-Film „Captain America“ am Flughafen Leipzig/Halle gedreht

Das Schweizer Flugportal „ch-aviation.com“ berichtet, dass das Flugzeug für 47.500 Euro verkauft werden soll. Medienberichte aus Pakistan sprechen sogar von 290.000 Euro. Der Leipziger Flughafen weiß davon nichts. Unternehmenssprecher Uwe Schuhart sagt: „Wir sind nicht das Museum.“

Dennoch hat der Airport Interesse, den alten Flieger zu übernehmen. Der Flughafen will ihn „perspektivisch für flughafenspezifische Trainings, etwa für die Feuerwehr, und Dreharbeiten nutzen“. Am Flughafen wurde 2015 bereits der Hollywood-Streifen „Captain America“ gedreht. Laut Schuhart gibt es Bedarf von Filmgesellschaften an solch speziellen Sets wie Flugzeugen. Am Mittwoch betonte der Flughafen-Sprecher jedoch, dass der Airbus noch im Besitz der PIA sei. Ob der Flughafen Leipzig/Halle Geld für den Flieger auf den Tisch legt, ist unklar. „Es gibt noch keine Kaufsumme“, sagt Schuhart.

Für PIA-Chef Hildenbrand wird der alte Airbus inzwischen offenbar zum Albtraum. Denn die pakistanische Regierung hat sich auch in den Verkauf eingemischt. Laut „ch-aviation.com“ musste der Manager Hildenbrand, der jahrelang für Lufthansa gearbeitet hat, seinen Rückflug in den Weihnachtsurlaub nach Deutschland verschieben, weil Regierungsbeamte Gesprächsbedarf hatten. Sie halten den geforderten Verkaufspreis offenbar für zu niedrig. Die Fluggesellschaft PIA befindet sich in Staatsbesitz, Interventionen sind in dem Land nicht unüblich.

PIA-Flugzeug in Pakistan abgestürzt- 48 Tote

Sind das alles nur Possen, die wenig Bedeutung haben? PIA-Chef Hildenbrand will die Airline zu „einer der modernsten der Welt machen“. Doch aktuell gibt es eine negative Meldung nach der anderen. Zeitgleich zu Hildenbrands Besuch in Leipzig im Dezember stürzt in Pakistan ein PIA-Flugzeug ab, 48 Menschen starben. Zwei Wochen später sollen laut BBC Mitarbeiter des Bodenpersonals in Pakistan eine Ziege auf dem Vorfeld geschlachtet haben, um künftige Unglücke zu vermeiden.

In dieser Woche wurde bekannt, dass es am 20. Januar 2017 auf Flug 743 von Karatschi nach Medina (Saudi-Arabien) zu einem ungewöhnlichen Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften gekommen sein soll. Die Zeitung „Dawn“ berichtet, dass aufgrund von Überbuchung Passagiere stehend befördert wurden. All das dürfte nicht förderlich sein, in Deutschland noch ausstehende „Genehmigungen“ zu erlangen, um Leipzig/Halle mit New York verbinden zu können. Ein Starttermin steht jedenfalls noch nicht fest. Bisher hat der Schkeuditzer Flughafen von PIA nur: einen gestrandeten Airbus. (mz)