Umwelt

Studie: Mit diesen Fragen löchert UBA Familie aus Braunsdorf für nationale Studie

Braunsdorf - Eric Hilgenhof ist eines von 2500 Kindern und Jugendlichen, die befragt werden.

Von Ilka Hillger 01.12.2016, 06:00

Hätte Eric seine Milchzähne nicht mehr, müsste Sandra Hilgenhof wohl länger überlegen. So aber fällt ihr die Antwort leicht. Ohne Zögern gibt es ein schnelles „Nein“ auf die Frage nach Zahnfüllungen jeglicher Art. So flott kann es weitergehen. Aber es wird kniffliger. Nimmt Eric im Sommer nun herkömmlichen Sonnenschutz oder mineralischen? In Braunsdorf springt Sandra Hilgenhof auf, läuft ins Bad und kommt mitten im Winter mit der Sonnencreme zurück. Am Tisch bleibt Dietmar Ebert sitzen und blättert schon auf die nächste Seite seiner Papiere. Fragen, nichts als Fragen?

So geht es zu, wenn sich das Umweltbundesamt zu einem Hausbesuch anmeldet. Zwei Stunden lang will Dietmar Ebert so ziemliches alles wissen, was das Lebensumfeld und die Gewohnheiten des sechsjährigen Eric Hilgenhof betrifft. Der Junge wurde für die bundesweite Umweltstudie zur Gesundheit ausgewählt, für die Ebert seit zwei Jahren kreuz und quer durchs Land fährt und insgesamt 168 Orte besucht.

Das Umweltbundesamt untersucht regelmäßig in großen Umweltstudien, mit welchen möglicherweise schädlichen Substanzen und Umwelteinflüssen die Menschen hierzulande in Berührung kommen. Mit der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (GerES) werden bundesweit aktuelle Informationen zur Umweltbelastung ermittelt und chemische und physikalische Belastungen von jungen Menschen in ihrem häuslichen Bereich und in ihrer Wohnumgebung untersucht.

In einer früheren derartigen Studie des Umweltbundesamtes wurde unter anderem nachgewiesen, dass Schimmel in der Wohnung das Allergierisiko bei Kindern erhöht. Aufgrund der in der selben Studie erfassten Daten dürfen seit 2007 in Europa auch keine fortpflanzungsschädigenden Weichmacher in Babyartikeln und Spielzeug verwendet werden. Konsequenz einer Umweltstudie waren zudem die Ausweitung der Trinkwasserverordnung 1990 und die Empfehlung, Amalgamfüllungen nicht mehr für Kinderzähne zu verwenden. (mz/ihi)

Mit zwei Kollegen hat er in dieser Zeit bereits 1800 Kinder und Jugendliche von drei bis 17 Jahren und deren Eltern befragt, 2500 Haushalte werden am Ende des langen Vorhabens stehen. „Da lernt man das Land und seine Leute wirklich gut kennen“, sagt der Mann aus West-Mecklenburg, der in den vergangenen Tagen im Wittenberger Raum in 18 Wohnungen und Häusern saß und überall nach dem gleichen Prozedere vorgeht.

In Braunsdorf lässt er bei Familie Hilgenhof zuerst das Ultrafeinstaubmessgerät warm laufen und stellt es dann für eine Stunde in Erics Kinderzimmer. Bildhaft beschreibt er das zu erwartende Ergebnis. „Staub, den wir sehen, ist fußballgroß, aber das, was wir messen, ist dagegen die Stecknadel“, sagt er zu Sandra Hilgenhof. Im Zimmer des Jungen erwartet er freilich keine allzu hohen Messwerte. Hier wird weder geraucht noch ist Eric ein junges Mädchen, das viel Haarspray verwendet, denn „da haben wir immer erhöhte Messwerte“.

Haarspray ist für den Schulanfänger so wenig ein Thema wie Deodorant oder andere Kosmetikprodukte der Großen. Da kann die Mutter in der Elternbefragung schnell die Antworten geben. Zuweilen aber muss auch Sandra Hilgenhof etwas überlegen. Gibt es im Umfeld Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Viehstall oder Felderwirtschaft? Viele „Nein“ werden ins Laptop getippt. Beim Lärm zögert die junge Frau, dann fällt ihr die wöchentliche Sirene in der Nachbarschaft ein.

„Die wird immer mittwochs getestet, ansonsten macht hier nur mal dann und wann ein Traktor Krach.“ Am Ende bleiben die eigenen Familienmitglieder als Lärmstörung. Das kann ganz ohne schlechtes Gewissen notiert werden. „Das ist immer die am häufigsten benannte Lärmquelle“, versichert der Frager und springt schnell zu eventuell zerbrochenen Quecksilberthermometern und Energiesparlampen.

„Als wir vom Robert-Koch-Institut um Teilnahme an der Studie gebeten worden, habe ich nicht lange überlegt“, sagt Sandra Hilgenhof. „Es ist schließlich auch gut fürs Kind, Eric wird gründlich durchgecheckt.“ Dass passierte im Vorfeld bereits bei einer Blutabnahme, beim Vor-Ort-Termin nimmt Dietmar Ebert noch Urin- und Wasserproben mit. „Im Morgenurin finden wir alles“, weiß er. Die Proben schickt er an Labors.

Für die Hilgenhofs waren dass aber auch schon die einzigen Vorbereitungen. „Ich habe nicht extra saubergemacht oder so“, sagt die Mutter. Ebert findet das gut. „Man lebt gesünder mit wenigen Reinigungsprodukten und sparsamem Einsatz“, rät er. Eric selbst kommt kaum zum Zug. Dafür ist er noch zu klein.

Erst die älteren Kinder werden auch direkt befragt. Aber das Eichhörnchen-Plüschtier von Ebert findet er trotzdem gut. „Ich bin gesund und fit“, sagt er selbstbewusst. In der Schule macht ihm vor allem das Rechnen Spaß. Das aber ist für Dietmar Eberts Fragebögen nicht relevant.

Die wichtigen Antworten gibt hingegen Sandra Hilgenhof in gut zwei Stunden und muss nun noch vier bis sechs Monate warten, bis die Ergebnisse ausgewertet sind und sie eine Nachricht erhält. Frager Ebert wird derweil weiter in Deutschland unterwegs sein und erwartet die Studie mit ebenso großer Ungeduld. (mz)