Baustelle Umweltbundesamt

Umweltbundesamt in Dessau: Das „Null-Energie-Haus“ wächst

Dessau - Ohne Helm ist das Betreten der Baustelle im Dessauer „Gasviertel“ untersagt, selbst das neugierige Kiebitzen hinter dem Bauzaun ohne Kappe oder Sonnenschirm nicht ratsam, wenn der Planet „brennt“. Hitzefrei? Gab es auch am bislang heißesten Sommertag nicht auf der Baustelle für den Erweiterungsbau am Umweltbundesamt (Uba) in ...

Von Silvia Bürkmann 30.06.2016, 17:02

Ohne Helm ist das Betreten der Baustelle im Dessauer „Gasviertel“ untersagt, selbst das neugierige Kiebitzen hinter dem Bauzaun ohne Kappe oder Sonnenschirm nicht ratsam, wenn der Planet „brennt“. Hitzefrei? Gab es auch am bislang heißesten Sommertag nicht auf der Baustelle für den Erweiterungsbau am Umweltbundesamt (Uba) in Dessau.

Voll im Zeit- und Kostenplan

Seit der Grundsteinlegung Anfang April dieses Jahres läuft der Rohbau. Und er läuft störungsfrei. „Wir liegen voll im Kosten- und Terminplan“, ziehen Antje Schindler und Tilo Herzog, vom Uba-Referat Bau für das Projekt „Erweiterungsbau“ zuständig, eine zufriedene Zwischenbilanz beim MZ-Vor-Ort-Besuch.

Tiefbau und Kellergeschoss sind erledigt. Gut fünf Meter tief sind die Bauleute in den Erdboden gedrungen. Das Grundwasser wird seit Februar über die „pinken Rohre“ abgepumpt. Das Kellergeschoss ist eingelassen in eine so genannte „geschlossene weiße Wanne “ aus wasserundurchlässigem Beton.

Außenwände werden hochgezogen

Oberirdisch liegt nun seit März die Bodenplatte und werden peu à peu die Außenwände hochgezogen. Das Grundwasser aber wird noch immer über die pinken Entwässerungsrohre abgepumpt. Dies kann erst dann eingestellt werden, wenn das Bauwerk selbst Gewicht und Schwere erreicht hat, um dem anstehenden Wasserdruck standzuhalten. Das ist etwa dann zu erwarten, wenn das Erdgeschoss rundum seine volle Höhe erreicht hat.

Bis dahin ist augenscheinlich noch etwas Luft. Beim Uba-Erweiterungsbau zu beobachten ist eine interessante Mischung der Bautechniken. Da gibt es grundsätzlich den Ortbeton. Im Gegensatz zu Fertigsegmenten wird der im Mischer angefahren und vor Ort auf der Baustelle in die maßgenau gefertigten Schalungen gegossen und verarbeitet. Das ist Standard und wurde im Kellergeschoss so gemacht.

Umweltbundesamt setzt Maßstäbe

Beim aktuellen laufenden Rohbau aber legt das Umweltbundesamt neue Maßstäbe an und setzt auf Recycling-Beton. Die Verwendung von geschreddertem Altbeton in der neuen Mischung mit Kies, Zement und Wasser ist landesweit in Sachsen-Anhalt und auch für die Uba-Leute ein Novum. „Aber das klappt tadellos“, anerkennt Antje Schindler. Die mit dem Rohbau beauftragte Partner Bau Quedlinburg GmbH macht ihre Sache gut.

Bis zu 15 Leute aus verschiedenen Gewerken und Subunternehmen arbeiten derzeit auf der Baustelle um ihren Polier Jürgen Drützmann, im Durchschnitt täglich acht bis zehn. Der Betonmischer rollt pünktlich an, die Zimmerer werfen den letzten Kontrollblick auf die Schalungen, am Kran schweben lautlos die tonnenschweren Stahlbewehrungen durch die Luft an Ort und Stelle - ein Rädchen greift ins andere auf der Uba-Baustelle im Dessauer „Gasviertel“ hinter dem Wörlitzer Bahnhof.

Richtfest noch in diesem Jahr

Der Rohbau für den insgesamt vieretagigen Erweiterungsbau in gleicher Höhe zum Uba-Bestandsgebäude soll im November 2016 fertig werden. Dann ist Richtfest. Das Jahr 2017 startet im Frühjahr mit der Fertigstellung der Fassade und dem Innenausbau.

Nach den geothermischen Bohrungen zur Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes kann im Herbst nächsten Jahres dann die Gestaltung der Außenanlagen beginnen. Ende 2017 soll der Erweiterungsbau fertiggestellt, möbliert und bezogen werden. Dann wird das „Null-Energie-Haus“ unter betriebsbegleitendem Monitoring der Haustechnik hochgefahren und ständig überprüft. (mz)