Lost Places in Bad Schmiedeberg

Lost Places in Bad Schmiedeberg: Der Spaß im Basso ist vorbei

Bad Schmiedeberg - Vor 25 Jahren wurde das „Basso“ als eines der ersten Erlebnisbäder in den neuen Bundesländern eröffnet. Daraus geworden ist eine Ruine und ein Schandfleck.

Von Paul Damm 24.09.2018, 17:49

Wasser im Keller, dafür ein leeres Schwimmbecken, eingeschlagene Scheiben, Graffiti im gesamten Gebäude und Putz, der von der Decke rieselt - diese Bilder der Zerstörung zeigen sich im Bad Schmiedeberger „Basso“. Seit mittlerweile zehn Jahren steht das frühere Spaßbad leer - der Vandalismus nimmt immer schlimmere Formen an, einher geht er mit einer unsäglichen Vermüllung.

Der einstige Badetempel begeht somit ein trauriges Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde das Haus eröffnet.

Vom Erfolg zur Verschuldung

Als das Erlebnisbad im Jahr 1993 zu einem Preis von 36 Millionen D-Mark erbaut wurde, war es die erste Badelandschaft in den neuen Bundesländern. Aus allen Ecken des Landes strömten Besucher nach Bad Schmiedeberg, um dort einige schöne Stunden zu verbringen. Am Einlass bildeten sich lange Schlangen, die kein Ende nahmen.

Doch bereits geraume Zeit später entstanden im näheren Umkreis weitere und zum Teil modernere Freizeitbäder. Als dann im Januar 2000 in Bad Düben das Heide Spa öffnete, ging dem Basso die Luft aus. Nach nur acht Jahren trennte sich die Stadt Bad Schmiedeberg aufgrund des nachlassenden Besucheransturms vom hoch defizitären Spaßbad und gab das Grundstück zum Verkauf frei.

Dadurch gelangte es in die Hände von Hans-Jürgen Reinhardt. Der ehemalige Schmiedeberger hatte eine große Vision: Er wollte das Spaßbad in altem Glanz aufleben lassen. Doch aus seinem Traum wurde nichts. Um die Betriebskosten niedrig zu halten, wurde das Bad nur noch tageweise geöffnet. Doch der Schuldenberg wuchs immer weiter. Am Ende klemmte der Energiekonzern enviaM dem Bad aufgrund hoher Schulden den Strom ab.

Dennoch wagte Hans-Jürgen Reinhardt im Jahr 2008 einen Neustart. „Ich habe mich mit Herz und Seele um das Bad gekümmert. Mein einziger Wunsch war es, den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, erklärt der mittlerweile 80-Jährige. Mehrere Monate lang ging das Bad erneut in Betrieb, jedoch konnten die hohen Schulden nicht mehr gedeckt und die 14 Angestellten nicht mehr bezahlt werden. Anschließend wurde das einst so schöne Erlebnisbad endgültig geschlossen und der Natur überlassen.

Vandalismus nimmt überhand

„Durch die Schulden in Höhe von sechs Millionen Euro habe ich nicht nur das Bad, sondern auch Haus und Hof verloren. Ich konnte meine Kredite nicht mehr abbezahlen, da ich mehr Ausgaben als Einnahmen hatte“, berichtet verbittert der ehemalige Besitzer auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung.

Seit Anfang 2011 ist das Grundstück in Besitz von Reiner Auerbach. Der neue Eigentümer ließ das gesamte Gelände nach und nach verfallen. Befragt werden kann der Mann nicht, er scheint unauffindbar zu sein.

Wo zuvor gigantische Palmen zum Flair der Oase beitrugen, ist heute nicht mehr viel davon übrig. Mittlerweile gleicht das ehemalige Erlebnisbad einem Urwald. Meterhohes Gras und Bäume, die aus dem Betonboden wachsen, verstecken den heutigen Schandfleck, der in den 90er Jahren eine Schwimm-Oase war. Aber auch im Inneren sitzt nichts mehr an seinem rechten Platz. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wurde mitgenommen oder beschädigt.

Neue Bewegung

Silvio Bräuer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bad Schmiedeberger Stadtrat, ist wie viele andere traurig über die Entwicklung des Spaßbades: „Wenn ich mir aktuelle Bilder aus dem Internet anschaue, erkenne ich das Basso nicht mehr wieder. Meiner Meinung nach hätte die Stadt viel früher reagieren müssen und dem Eigentümer Zuschüsse geben müssen. Alleine ist das nicht zu stemmen gewesen.“

Unterdessen kommt in den Fall „Basso“ jetzt etwas Bewegung. Laut Angela Mederacke von der Bad Schmiedeberger Stadtverwaltung wurde in diesem Jahr gerichtlich erwirkt, dass das einstige Schwimmbad zwangsversteigert wird. „Jetzt warten wir nur noch auf die Antwort des Wittenberger Vollstreckungsgerichts“, heißt es aus dem Rathaus der Kurstadt. Bei den Bad Schmiedebergern aber ist die Hoffnung gering, dass ein möglicher neuer Eigentümer dem Badeparadies wieder Leben einhauchen wird. (mz)