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Stillstand bei Bussen und Bahnen Bei den Warnstreiks im Nahverkehr darf es nicht nur um kürzere Arbeitszeiten gehen (Kommentar)

Tarifrunde in Sachsen-Anhalts Nahverkehr: Was der Maßstab für einen Kompromiss sein muss.

Von Alexander Schierholz 24.02.2026, 15:23
Unser Kommentator befasst sich mit der Tarifrunde und den Warnstreiks im Nahverkehr Sachsen-Anhalts.
Unser Kommentator befasst sich mit der Tarifrunde und den Warnstreiks im Nahverkehr Sachsen-Anhalts. (Foto: MZ / Stedtler)

Halle/MZ - Bundesweit fehlen rund 20.000 Busfahrerinnen und Busfahrer. Vor diesem Hintergrund wirkt die Forderung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nach einer Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich zunächst fehl am Platz. Die kommunalen Verkehrsbetriebe suchen schon jetzt händeringend zusätzliches Personal. Wenn die Beschäftigten noch weniger arbeiten, wird die Lücke noch größer werden. Wo sollen zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer herkommen?

Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung ist nichts anderes als eine Lohnerhöhung durch die Hintertür. Dennoch ist sie nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Damit Bus und Bahn als Arbeitsplatz überhaupt in Frage kommen, müssen sie attraktiver werden. Dazu kann auch zählen, weniger als 38 Wochenstunden zu arbeiten. Noch wichtiger sind allerdings andere Aspekte. Viele Beschäftigte klagen über übermäßig lange Schichten und kurze Ruhezeiten. Hier muss angesetzt werden, um neue Job-Interessenten zu finden.

Bei Lichte betrachtet ist der Ruf nach der 35-Stunden-Woche deshalb eine Forderung fürs Schaufenster. Sie gehört zum Ritual – wie die Drohung der Arbeitgeber, Mehrkosten durch Kürzungen im Fahrplan auszugleichen. Am Ende auch dieser Tarifverhandlungen wird ein Kompromiss stehen. Maßstab dafür müssen bessere Arbeitsbedingungen sein.