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"kleine Waren-Leuchttürme" Vertrauensverlust in Ost-Marken! "Eberswalder" ist nur ein Beispiel von vielen

Ende Februar schließt das "Eberswalder" Werk in Brandenburg für immer seine Tore. Künftig soll die beliebte Wurst in anderen Bundesländern, darunter Sachsen-Anhalt, produziert werden. Ein Marken-Experte sieht darin jedoch einen drohenden Imageschaden.

Von Tim Müller 24.02.2026, 19:22
Mit der bevorstehenden Schließung der "Eberswalder Wurstfabrik" verlieren 500 Mitarbeiter ihren Job. Künftig soll die Wurst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen produziert werden. 
Mit der bevorstehenden Schließung der "Eberswalder Wurstfabrik" verlieren 500 Mitarbeiter ihren Job. Künftig soll die Wurst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen produziert werden.  Archivbild picture alliance / dpa

Britz/Zerbst/DUR. – Die Kult-Marke "Eberswalder" schließt Ende Februar nach über 50 Jahren ihre traditionsreiche Fabrik im brandenburgischen Britz bei Eberswalde. Künftig sollen die beliebten Wurstwaren an anderen ostdeutschen Standorten produziert werden – darunter auch in Zerbst

Gegenüber n-tv sagte ein Sprecher der Zur-Mühlen-Gruppe, die zum Fleischriesen Tönnies gehört, die Marke "Eberswalder" solle nicht aufgegeben werden: "Es gibt Hunderttausende Kunden, die die haben wollen."

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"Eberswalder" zieht sich aus Brandenburg zurück: Verlieren Kunden Vertrauen in Marke?

Entscheidend wird jedoch sein, ob die Kunden ein Produkt einer Marke kaufen möchten, die einst für eine Produktion in Brandenburg stand, sich nun aber komplett aus dem Bundesland zurückzieht.

In der Vergangenheit haben bereits zahlreiche DDR-Marken bewiesen, dass es sich lohnt, der Herkunft, Identität und den eigenen Werten treu zu bleiben. Die beliebten Halloren-Kugeln aus Halle, das Filinchen-Brot aus Thüringen oder der Bautz'ner Senf aus Sachsen sind bis heute feste Größen in den Supermarkt-Regalen.

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Jedoch gibt es in Sachsen-Anhalt und Sachsen auch Marken, die einen anderen Weg einschlugen. 2025 wurde das Backunternehmen Kathi aus Halle von der Dr. Oetker-Gruppe aus Bielefeld gekauft. die Spülmittelmarke Fit hat einen neuen Besitzer aus Spanien.

Auch die bekannte Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH hat zuletzt Insolvenz angemeldet, sucht aktuell nach einem Investor und will sich aus eigener Kraft sanieren. 

Nicht nur bei "Eberswalder": Marken-Experte beobachtet Imageschaden für Ost-Firmen

Im Zuge der kommenden Schließung der "Eberswalder Wurstwerke" sprach n-tv außerdem mit Oliver Errichiello, Professor für Markensoziologe an der Hochschule Mittweida in Sachsen. Der Marken-Experte ist der Meinung, dass eine traditionelle Marke mehr als Logo und Verpackung ist: Sie stehe für Herkunft, Geschichte und Identität.

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"Wir sprechen ja eigentlich hier von kulturellen Schätzen sozusagen – von Dingen, mit denen ich aufgewachsen bin, Dinge, die mehr oder weniger meinen Alltag geprägt haben", so Errichiello. Er sehe langfristig einen Vertrauensverlust in ostdeutsche Marken.

Das hänge damit zusammen, "dass inzwischen die Ostdeutschen gelernt haben, dass hinter den meisten ostdeutschen Marken eben gar nicht mehr ostdeutsche Unternehmen stehen". 

Laut Arnd Zschiesche, ebenfalls Marken-Experte, seien die großen Marken des Ostens einst "kleine, bunte und sympathische Waren-Leuchttürme" gewesen. Heutzutage gelte jedoch nur noch das Motto "Fressen oder gefressen werden".