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Ex-DDR-Wurstwerk macht dicht Tönnies schließt "Eberswalder"-Fabrik: Produktion künftig außerhalb von Brandenburg

Die früher größte Fleischfabrik Europas steht vor dem Ende: Die Eberswalder Wurstwerke stoppen Ende Februar die Produktion in Britz. Künftig soll an anderen Standorten produziert werden, hunderte Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

Von Tim Müller Aktualisiert: 19.02.2026, 15:11
Hunderte Menschen haben zuletzt gegen die geplante Schließung der Eberswalder Wurstfabrik protestiert.
Hunderte Menschen haben zuletzt gegen die geplante Schließung der Eberswalder Wurstfabrik protestiert. Foto: dpa/Patrick Pleul

Britz. – Zu DDR-Zeiten war es mit 3.000 Beschäftigten das größte Fleischwerk Europas. Nun stehen die Eberswalder Fleischwerke am Standort Britz (Gemeinde Barnim in Brandenburg) vor dem Aus. 

Wie ein Sprecher der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG gegenüber dem rbb bestätigte, soll die Produktion am 28. Februar 2026 eingestellt werden. "Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt", so der Sprecher.

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Zahlreiche Gründe für Schließung von Eberswalder Wurstwerke

Die Gründe für die Schließung seien sinkende Verkaufszahlen, hoher Preisdruck, mehr ausländische Konkurrenz und steigende Kosten für Löhne, Energie, Transport und Materialien. So habe sich die wirtschaftliche Lage in den vergangenen Jahren stark verschlechtert.

In einem Reiferaum der Eberswalder Wurst GmbH in Britz hängen Salami. Damit könnte bald Schluss sein.
In einem Reiferaum der Eberswalder Wurst GmbH in Britz hängen Salami. Damit könnte bald Schluss sein.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Gleichzeitig wären am Standort in Britz weitere Investitionen in Kälteanlagen und andere Modernisierungen notwendig gewesen. Diese hätte das Unternehmen langfristig nicht refinanzieren können.

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"Eberswalder" vor allem in ostdeutschen Supermärkten vertreten

Wie der rbb berichtet, hätten Unternehmensführung und Betriebsrat sich nach intensiven Verhandlung auf einen Interessensausgleich und einen Sozialplan für alle Beschäftigen verständigt. Am Standort arbeiten rund 500 Menschen.

Laut einem Bericht der FAZ ist die Stimmung im Werk niedergeschlagen. "Die Hoffnung war groß, als die Zur Mühlen Gruppe das Werk übernommen hat", wird Betriebsratsvorsitzende Steffi Kietzmann-Urbach zitiert. 

"Eines Milliardärs unwürdig": So hoch fällt die Abfindung für die Mitarbeiter aus

Uwe Ledwig, der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten im Landesbezirk Ost, findet deutlichere Worte: "Die Art und Weise macht es noch schlimmer: Die Leute nach 45 Jahren mit 15.000 Euro brutto nach Hause zu schicken, das ist unterste Schublade und eines Milliardärs unwürdig", so der Gewerkschaftsfunktionär gegenüber der FAZ.

Die Mitarbeiter würden zum Abschied ein Viertel eines Bruttomonatsgehalts je Beschäftigungsjahr erhalten. "Damit wird die Abfindung für langjährig Beschäftigte und ein Drittel der ehemaligen Werkvertragsarbeiter de facto halbiert", sagt Ledwig, der den Standort seit 1991 kennt.

Die in den 1970ern gegründete Marke "Eberswalder" gehört heute zur Tönnies-Gruppe und ist vor allem in vielen ostdeutschen Supermärkten vertreten. Die Produktion soll künftig an den Standorten in Chemnitz (Sachsen), Suhl (Thüringen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) fortgeführt werden.

Streit um Marken-Nutzung für Eberswalder Würstchen droht

Ganz zum Ärger der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK). Diese teilte zuletzt mit, dass sie die Besitzerin der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" sei. Zudem pocht die IHK auf Regionalität und stellt sich gegen das Vorhaben des Fleischriesen Tönnies außerhalb von Brandenburg zu produzieren.

Das Unternehmen EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG, das die traditionsreiche Wurstfabrik in Britz Ende Februar schließen will, verkauft seine Produkte unter der Marke "Eberswalder". Diese kann nach Ansicht der IHK Ostbrandenburg aber nicht losgelöst von der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" an anderen Produktionsorten verwendet werden.

Die Marke "Eberswalder Würstchen" besteht laut IHK seit 1987 und soll die regionale Produktion und Tradition schützen. Die Kammer sei seit 1995 Eigentümerin. Sie habe die damals drohende Abwanderung der Produktion verhindern wollen.