Fußball in Bergwitz

Fußball in Bergwitz: Überraschungsanruf beim neuen Cheftrainer

Bergwitz - Silvio Büttner ist der neue Cheftrainer beim ESV Bergwitz. Der Coach soll den Spitzenreiter der Kreisliga zum Aufstieg führen. Die Konkurrenz lauert auf Fehler.

Von Michael Hübner

Der ESV Bergwitz, Spitzenreiter der Staffel Süd der Fußball-Kreisliga, hat für die erste Cheftrainer-Verpflichtung 2021 gesorgt. Das denkwürdige 2020 und Silvester sind gerade einige Augenblicke Geschichte, da klingelt in Bleddin das Telefon. Silvio Büttner hat diesen Anruf kurz nach Mitternacht - eigentlich läuft die Bewerbungsfrist noch - nicht unbedingt erwartet.

„Alles Gute im neuen Jahr, Coach!“, sagt am anderen Ende der Leitung Florian Gaul. So verpflichtet der ESV-Präsident seinen wichtigsten Übungsleiter, nach dem der bisherige - Mario Göttert trat nach 32 Jahren in der Corona-Pause überraschend zurück - nur noch als Schatzmeister zur Verfügung steht.

Zwei Facebook-Kandidaten

Gaul hat sich nach dem Göttert-Rückzug sofort auf die Suche - auch in den sozialen Medien - nach einer Lösung begeben. „Wir hatten drei, vier Leute im Blick“, so der Chef, der bei Facebook den 10. Januar als Stichtag für Interessenten nennt. Auf die ungewöhnliche Ausschreibung melden sich laut Gaul zwei Kandidaten. Büttner ist nicht dabei. Er wird persönlich kontaktiert. „Ich habe mich schon über das Interesse der Bergwitzer gefreut“, so der 46-Jährige.

Und so gibt es noch vor Weihnachten mit dem ehemaligen Trainer von Wartenburg und Bergwitz einen ersten Austausch. „Es war ein angenehmes und harmonisches Gespräch“, sagt der Trainer. „Dabei konnte man spüren, dass der Kandidat genau die Tugenden mitbringt, welche man mit dem Bergwitzer Fußball verbindet. Er überzeugte sofort mit seiner Spielidee sowie seiner Herangehensweise, ein neues Team zu übernehmen“, erklärt Gaul der MZ. Und Büttner erfülle das Anforderungsprofil: Der Neue kenne die Kreisoberliga und die Kreisliga und bringe eine Mentalität mit, die für Aufbruch und mannschaftliche Geschlossenheit stehe, betont der Präsident.

Zur neuen Spielidee beim Tabellenführer gibt es vom Duo nur wenige Informationen. „Wir können noch nicht so viel verraten. Schließlich geht es um Überraschungsmomente, um den Wow-Effekt“, erklärt der Trainer, der das Spiel aber schneller gestalten will. Der ehemalige Linksverteidiger - Büttner spielt in Wartenburg schon als Steppke Fußball und wird als 17-Jähriger mit einer Sondergenehmigung in die Männermannschaft berufen - wird dabei nicht nur auf die Defensive achten.

Aber da, so wird es zumindest behauptet, werden die Meisterschaften entschieden. Schließlich ist der Titel und der Aufstieg in die Kreisoberliga das erklärte Ziel. „Wir werden alles daran setzen“, bestätigt der Neue. Allerdings habe seine Elf noch schwere Gegner vor der Brust. Büttner nennt die ärgsten Verfolger Einheit Wittenberg und Titelverteidiger Tornau, aber auch die Pretzscher Reserve.

Die Konkurrenz beobachtet die Ereignisse im Kemberger Ortsteil sehr genau. „Wir wünschen Bergwitz nichts Schlechtes“, betont Dirk Pannier. Aber, so der Fußball-Abteilungsleiter von Einheit weiter, die Situation sei schon eine besondere. Nicht alle Tage tausche ein Spitzenreiter die Trainer aus. „Wir werden Bergwitz einen heißen Fight liefern“, verspricht Pannier. Seine Elf hat einen Zähler Rückstand.

Närrisch nur im Karneval

„Büttner und Bergwitz - das könnte passen“, meint dagegen der Trebitzer Landesliga-Trainer Matthias Kleffe, der als Übungsleiter auch eine Wartenburger Vergangenheit hat und aktuell die Germanias Old-Stars als Coach betreut. Und Büttner ist und bleibt hier der Verantwortliche für die Alten Herren in Wartenburg. Die beiden Männer kennen sich also bestens. Und ihre Oldie-Elf sorgte im Juni für ein Event.

Das Team bot den Leipziger Legenden, die mit Ex-Bundesliga-Profis anreisten, lange Zeit Paroli. „Ein Riesen-Auftritt“, so Büttner. Erst im Schlussspurt sorgte der Favorit mit dem 6:1 für ein standesgemäßes Resultat. „Und wir sind beide im Wartenburger Karnevalsclub aktiv“, so Kleffe.

Aber der Anruf kurz nach Mitternacht war weder ein Karnevals- noch ein Silvesterscherz. (mz)