Mansfeld-Südharz

Mansfeld-Südharz: Interesse an Baumbestattung lässt nach

Eisleben/Gerbstedt - Nach dem Tod die ewige Ruhe in den Wurzeln eines Baumes finden? Das Interesse für diese relativ neue Bestattungsart lässt in Mansfeld-Südharz offenbar nach.

Von Wladimir Kleschtschow

Nach dem Tod die ewige Ruhe in den Wurzeln eines Baumes finden? Das Interesse für diese relativ neue Bestattungsart lässt in Mansfeld-Südharz offenbar nach.

Lediglich eine Baumbestattung

„Auf unseren Friedhöfen haben wir bisher eine einzige Baumbestattung gehabt - in Friedeburg“, sagt Jutta Halle, zuständige Fachbereichsleiterin in der Verwaltung der Einheitsgemeinde Stadt Gerbstedt. Dabei war Friedeburg unter den zwölf Ortschaften der Gemeinde der Wegbereiter dieser Naturbestattung: Solche sind im Dorf seit 2014 möglich.

Bei einer Baumbestattung werden die Urnen mit der Asche der Verstorbenen im Wurzelbereich vergraben. Da es auch in anderen Ortschaften der Stadt Gerbstedt wie etwa in Augsdorf und Gerbstedt entsprechende Anfragen gab, änderte der Stadtrat im Mai vergangenen Jahres sogar seine Friedhofssatzung. Nun sind Baumbestattungen auch in den anderen Ortschaften erlaubt. Das Echo blieb allerdings bescheiden. Bis auf Friedeburg gibt es seitdem keine Anträge auf eine Bestattung in den Wurzeln eines Baumes.

Auch in der Lutherstadt Eisleben geht die Zahl der Baumbestattungen zurück, die hier seit 2010 möglich sind. „2011 hatten wir 65 Stellen vergeben“, sagt der Friedhofsleiter René Koschei. „Von 2012 bis 2014 waren es dann entsprechend 60, 53 und 42. Und voriges Jahr gab es nur zwölf Anträge.“

Die Baumbestattung ist eine relativ neue Bestattungsform. Die Idee dazu hatte der Schweizer Ueli Sauter 1993, der nach einer naturnahen Bestattung für einen Freund suchte. Er erfand die Bestattung im sogenannten Friedwald und ließ sich die Idee in der Schweiz und in der Europäischen Union patentieren. Mittlerweile bieten auch etliche Friedhöfe in speziell dafür bestimmten Arealen Baumbestattungen an.

Voraussetzung für eine Baumbestattung ist die vorherige Kremation, da eine Urne im Wurzelbereich eines Baumes in die Erde eingebracht wird. Mitunter wird hierzu auch eine besonders leicht abbaubare sogenannte Bio-Urne verwendet.

Möglicherweise hängt der Rückgang mit der Erhöhung der Gebühren zusammen, die es in Eisleben vor etwa zwei Jahren gab, vermutet der Friedhofsleiter. Immerhin kostet heute die Bestattung einer Urne unter einem Baum für 50 Jahre 960 Euro. Für Eheleute wären es also knapp 2000 Euro. Bis zu acht Urnen werden unter einem Baum versenkt. Die Kosten allein können allerdings nicht der Grund für die Zurückhaltung sein. Denn auch andere Bestattungsarten sind in Eisleben kein Sonderangebot: Bei einer Erdgrabstelle mit Nutzungsdauer von 20 Jahren sind zum Beispiel 830 Euro fällig. Für ein Ehepaar wären das also 1.606 Euro.

Angebot auf bereits bestehenden Friedhöfen

Die Baumbestattungen in Mansfeld-Südharz werden auf Arealen bereits bestehender Friedhöfe angeboten. Dort gibt es bereits Bäume oder es werden welche gepflanzt. Eine Ausnahme bildet der Friedwald bei Wettelrode, der nur diesem Zweck dient. Seit seiner Eröffnung 2013 gab es hier über 50 Bestattungen. Über 200 Interessenten haben sich zu Lebzeiten einen Baum oder einen Platz unter einem Baum gesichert. Allerdings scheint auch der Friedwald - obwohl in der Nähe der Kreisstadt gelegen - bei der örtlichen Bevölkerung nicht besonders gefragt zu sein: Nur etwa fünf Prozent der hier Bestatteten kommen aus Sangerhausen.

Bestattungen sollen im Angebot bleiben

Trotz der lauen Nachfrage sollen Baumbestattungen im Angebot bleiben. Auch Gerbstedt rudert nicht zurück. „In Friedeburg gibt es Interessenten“, sagt Ortsbürgermeister Siegfried Haaßengier. An einer jungen Buche steht auf dem hiesigen Friedhof ein Stein mit dem Namen der Verstorbenen: Unterhalb der gemeißelten Buchstaben gibt es viel Platz. Jemand aus der Familie hat hier wahrscheinlich die letzte Ruhestätte für sich geplant. Auf dem Friedhof in Augsdorf werden ebenfalls Voraussetzungen für solche Bestattungen geschaffen. „Im Frühjahr pflanzen wir dort dafür Bäume ein“, kündigt die Bereichsleiterin Jutta Halle an. (mz)