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Leichtathlet Norman Müller Leichtathlet Norman Müller: Schlussstrich aus der Ferne

Von Christoph Karpe 21.11.2014, 16:15
Norman Müller
Norman Müller Schulz Lizenz

Halle (Saale)/Eisleben - Michael Schrader und Rico Freimuth, Halles Zehnkampf-Stars, sind dem tristen Grau Mitteldeutschlands entronnen. Sie schinden sich derzeit lieber in Südafrika - wie jedes Jahr im Spätherbst. Dort, im sommerlichen Klima, lässt es sich einfach angenehmer trainieren. Ein hallescher Kollege fehlt bei dieser Reise: Norman Müller, der aus Eisleben stammt und in der Lutherstadt aufgewachsen ist, ehe er nach Halle wechselte, ist nicht dabei.

Denn der langjährige Dritte im Bunde aus der Gruppe von Coach Wolfgang Kühne hat eine für sich weitreichende Entscheidung getroffen. „Ich bestreite noch die Hallensaison und beende danach meine langjährige Karriere“, ließ der 29-Jährige in dieser Woche die Öffentlichkeit per SMS wissen. Norman Müller zieht den Schlussstrich komplett. Der Familienvater wohnt inzwischen schon nicht mehr in Halle, sondern in Nürnberg. An einem „Stützpunkt in Bayern bereite ich mich auf meine letzten Wettkämpfe vor. Es ist einfach die Zeit gekommen, neue Aufgaben anzugehen und meine berufliche Karriere zu starten und voranzutreiben“, so Müller weiter. „Ich hatte eine tolle Zeit im Zehnkampf“, sagt der zweimalige WM-Teilnehmer (2007 und 2009). Seine Zukunft sieht er ab dem Frühjahr bei der Bundespolizei, bei der er bereits seit 2005 angestellt ist.

Um seinen Weggang gab es in seiner alten Heimat in jüngster Zeit Irritationen. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, Norman Müller habe sich klammheimlich davongemacht. Denn eigentlich hatte sein Verein, die Halleschen Leichtathletik-Freunde, noch mit ihm geplant. Mit 7 955 Punkten Jahresbestleistung hatte Müller zwar die EM in Zürich klar verpasst, doch als Siebter der deutschen Bestenliste bewegte er sich immer noch im Vorderfeld der starken deutschen Zehnkämpfer.

Auch wenn hier Aufregung herrscht: Sein künftiger Arbeitgeber sieht die ganze Sache gelassen. Ein Umzug sei überhaupt kein Problem, und wenn er seine Karriere beende, sei es schließlich Sinn und Zweck der Sportförderung, dass er dann auch einen Job bei dem Arbeitgeber antrete, der ihn jahrelang unterstützt und oft freigestellt habe, hieß es gestern aus der Bundespolizeisportschule Kienbaum. Über die dortige Zentrale werden deutschlandweit 78 Athleten - darunter Kugelstoß-Weltmeister David Storl - gefördert.

Norman Müller hat in diesem Jahr erkannt, dass er nach zahlreichen Verletzungen den Anschluss ganz an die Spitze um Schrader, Freimuth oder Kai Kazmirek nicht mehr schaffen würde. Seine Bestleistung von 8 295 Punkten stammt aus dem Jahr 2009. Den letzten internationalen Höhepunkt, den er erlebt hat, waren die EM im Olympia-Jahr 2012. In Helsinki wurde er Siebter.

Seine ersten Sporen verdiente er sich in der Sportgruppe von Ralf Matthuschek beim SSV Eisleben. Im Jahr 2004 wurde er auch Sportler des Jahres im Mansfelder Land. 8mz)