Bloß keine Langeweile

Kinderheim in Harkerode und Hettstedt: Ideen gegen Langeweile sind gefragt

Harkerode - Kinderheim in Harkerode und Hettstedt: Ideen gegen Langeweile sind gefragt

Von Beate Thomashausen 04.01.2021, 14:15

„Mir ist langweilig!“ Im Lockdown kann das vorkommen, wenn man nirgends hingehen kann, wenn man nur im eigenen Zuhause bleiben muss, keine Freunde treffen kann. Das ist öde für viele Kinder und Jugendliche. Und es ist noch so lange hin, bis die Schule wieder anfängt. Und Langeweile ist auch dann möglich, wenn man wie in den Kinderheimen in Harkerode oder Hettstedt eine Menge Spiel- und Gesprächspartner zur Verfügung hat.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr mobilisierte Heimleiter Torsten Fricke das Technikerteam aus Harkerode und Hettstedt, zog die Techniker von allen Baustellen ab und spannte sie zur Betreuung der Kinder mit ein. Gemeinsam bauen gegen Langeweile hieß die Lösung, die vor einigen Monaten gefunden wurde. Aus Balken und Brettern entstanden neue Spielgeräte für den Spielplatz vor der Haustür. Gemeinsam mit den Technikern sägten, bohrten feilten und strichen die Mädchen und Jungen dann gemeinsam. Geräte für den Spielplatz entstanden so. Nur ist das jetzt im Winter leider keine Option.

Mansfeld-Südharz: ZDF dreht im Kinderheim

Normalerweise sei gerade die Vorweihnachtszeit gespickt mit allerlei Unternehmungen, Festen, Feiern und Märkten. Aber daraus wurde ja nun leider nichts. Ein Höhepunkt war der Drehtag mit einem Team des ZDF. Als der Beitrag am Nikolaustag gesendet wurde, habe man viele, viele positive Reaktionen erhalten. Briefe und Spenden aus der ganzen Republik kamen in Mansfeld-Südharz an. „Die Menschen waren regelrecht begeistert von unseren Kids. So freundlich und nett wie sie sind“, freut sich Torsten Fricke über das dicke Lob für seine Schützlinge.

Ihm ist nämlich sehr daran gelegen, mit dem alten Bild von einer traurigen Kindheit im Heim aufzuräumen. Familienersetzend nennt er das, was Erzieher und all die anderen im Team für die Mädchen und Jungen sind. „So gut wie möglich, denn natürlich können wir eine Familie nicht ersetzen“, bleibt Fricke realistisch. „Aber so ähnlich wie möglich soll es sein.“ Und dass sich die Kinder in den Heimen in Hettstedt und Harkerode wohlfühlen, liest er auch daran ab, dass alle Mädchen und Jungen eine Kinderheimjacke haben wollten, die eigens für den Fernsehdreh angefertigt worden waren.

Langeweile im Corona-Lockdown: Ideen sind gefragt

„Plötzlich wollten alle unsere Kinder so eine Jacke haben. Wir haben schnell noch mehr geordert und bedruckt. Weihnachten hatten dann alle ein und alle tragen sie auch ganz stolz“, freut sich Fricke und meint, dass das vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. Offenbar mache man wohl doch einiges richtig in Harkerode und Hettstedt, schlussfolgert der Heimleiter. Aber auch die allercoolste Jacke hilft nur eine kurze Zeit über Corona-Langeweile hinweg. „Nun, da sind diesmal unsere Erzieher gefragt“, sagt Fricke. Alle Mitarbeiter ziehen hier mit, sind immer dienstbereit und voller kreativer Ideen, lobt er sein Team. Überall werde gespielt, gebastelt, gemalt und Musik gemacht.

Noch viel wichtiger, als die Langeweile zu besiegen sei es, dass alle in den Heimen gesund bleiben. Fricke: „Deshalb übernehmen die Techniker jetzt die regelmäßigen Einkäufe, die sonst die Erzieher gemeinsam mit den Kindern erledigen. So soll es zwar eigentlich sein, damit die Kinder und Jugendlichen lernen, wie man einen Haushalt führt und was man vernünftigerweise einkauft. Aber jetzt geht Sicherheit vor.“ Jetzt heiße es, die Kontakte auf ein Minimum herunterzufahren und sich strikt an die Hygieneregeln zu halten, um das Risiko einer Erkrankung zu senken.

Dank an das Team

Gleichzeitig sollte es den Mädchen und Jungen aber auch möglich sein, ihre Familien zu einem Kurzurlaub an den Feiertagen zu besuchen. Man bildete also ein Testteam in den Kinderheimen, das die Kurzurlauber, aber auch das Personal im Heim auf eine mögliche Covid 19-Infektion testet. Das Team bestehe im Wesentlichen aus zwei Erziehern mit medizinischer Vorbildung, erklärte der Heimleiter. Beide Erzieher seien ausgebildete Rettungssanitäter.

„Und wir haben die Kinder und Jugendlichen, die auf Heimurlaub gingen, mit Desinfektionsmitteln und Masken ausgestattet“, so Fricke. Gleichzeitig war und ist das Leben im Heim zu organisieren. „Wir haben zusätzliche Kollegen für die Feiertagsdienste gebunden, um weitestgehend alle Einschränkungen zu kompensieren und um auch eventuelle Notaufnahmen von Kleinstkindern abzusichern. Ich kann mich einfach nur immer wieder bei allen im Team für ihre außerordentliche Einsatzbereitschaft bedanken“, lobte Fricke seine Mitstreiter. (mz)