Bärenklau schlägt zurück

Bärenklau schlägt zurück: Acht Personen verätzen sich beim Beseitigen der Pflanze

Sangerhausen - Es sollte das Pilotprojekt des Landes Sachsen-Anhalt zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus im Landkreis Mansfeld-Südharz werden - und endet mit einer Panne.

Von Karl-Heinz Klarner 27.06.2018, 05:45

Es sollte das Pilotprojekt des Landes Sachsen-Anhalt zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus im Landkreis Mansfeld-Südharz werden - und endet mit einer Panne.

Ein Arbeitstrupp des Jobcenters hat sich offensichtlich bei der Beseitigung der giftigen Staude im Altkreis Sangerhausen Verätzungen zugezogen. Die acht Frauen und Männer haben sich in der vergangenen Woche krank gemeldet.

„Vier der acht Betroffenen sind seit Montag wieder auf Arbeit“, bestätigte Annette Müller vom Jobcenter Mansfeld-Südharz. Bei Kontakt mit dem Bärenklau und in Verbindung mit Sonnenlicht kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Zunächst brennt und juckt die Haut, nach 20 Minuten entzündet sie sich und löst unangenehmen Juckreiz, Rötungen und Blasen aus.

Unterschätzte Gefahr und unzureichender Schutz

Offensichtlich hatte man im Jobcenter die Gefährlichkeit der Pflanze unterschätzt. Ursache für die Verletzungen ist offenbar unzureichende Schutzkleidung, mutmaßte Müller. Demnach seien die Schutzanzüge nicht nur zu groß, sondern auch zu dünn gewesen. Die Arbeiter hätten nur sogenannte Einweganzüge für Maler getragen - das Stück zu 2,62 Euro. Zudem hätte der Trupp zunächst auch ohne Gesichtsschutz gearbeitet.

Der sei erst später ausgegeben worden, erklärte Müller. „Da muss ich den Dienstleister noch mal auf den Prüfstand stellen“, kündigte die Chefin des Jobcenters eine Kontrolle bei der Gesellschaft für Sanierung und Strukturentwicklung Mansfelder Land in Helbra an. Dort koordiniert man das auf drei Jahre angelegte Projekt für den ganzen Landkreis.

32 Langzeitarbeitslose sollen die Ausbreitung des Riesenbärenklaus und des aus Indien eingeschleppten Springkrautes in der Region eindämmen und nach Möglichkeit sogar stoppen.

Für die gezielte Aktion der Gemeinden, dem Landkreis Mansfeld-Südharz und dem Umweltministerium Sachsen-Anhalt fließen 214.000 Euro Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler).

Bislang gibt es in Sachsen-Anhalt keine eindeutige Regelung, wer sich um die Bekämpfung der Invasoren kümmert. So wird bisher nur punktuell gegen große Vorkommen vorgegangen.

„Wir haben die Beseitigung des Riesenbärenklaus aus Sicherheitsgründen erst einmal gestoppt. Stattdessen kümmern sich die Leute zunächst nur noch um das Springkraut“, sagte Müller. Selbiges ist für Menschen harmlos, verteilt aber beim Aufplatzen der Schoten massenhaft Samen. Pflanzen, die daraus aufgehen, verdrängen dann heimische Arten.

Ein Experte für Arbeitsschutz soll am Mittwoch die Schutzkleidung begutachten und Empfehlungen geben, welche Schutzmaßnahmen für die Arbeiter erforderlich sind.

Bärenklau, Herkulesstaude oder „Stalins Rache“ kommt aus dem Kaukasus

Der Bärenklau, auch bekannt als Herkulesstaude oder „Stalins Rache“, ist eine Neophyte, also eine Pflanze, die nicht in diese Breiten gehört. Ursprünglich stammt sie aus dem Kaukasus und kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa. Das Problem: Wo der Riesenbärenklau wächst, ist kein Platz mehr für andere Pflanzen. Oft dringe er gerade in Naturschutzgebiete ein und wachse dort ungehindert.

Die invasive Pflanze breitet sich im Landkreis Mansfeld-Südharz rasant aus. Jede Dolde kann bis zu 80.000 Einzelblüten enthalten. Jede kann bis zu 20.000 Samenkörner ausbilden, die bis zu sieben Jahre überlebensfähig sind. Die Verbreitung über die Luft oder durch Flusswasser ist kaum aufzuhalten.

Vor allem in den Gebieten um Seeburg und in den Uferbereichen des Flüsschens „Böse Sieben“ in Eisleben sowie an der Helme bei Sangerhausen sind die großen Pflanzen zu finden. (mz)