Otto Könnecke aus Straßberg

Otto Könnecke aus Straßberg: Deutschlands erster Verkehrsflieger

Straßberg - „Bei uns haben gleich mehrere bedeutsame Menschen die Schulbank gedrückt“, erzählt der frühere Lehrer Klaus Bethge. Der Neudorfer kann nur schmunzeln, wenn in manch anderen Orten krampfhaft nach solchen Personen gesucht ...

Von Andreas Bürkner

„Bei uns haben gleich mehrere bedeutsame Menschen die Schulbank gedrückt“, erzählt der frühere Lehrer Klaus Bethge. Der Neudorfer kann nur schmunzeln, wenn in manch anderen Orten krampfhaft nach solchen Personen gesucht wird.

Einer der ersten, die sich einen gewissen Ruhm erwarben, war der Flieger Otto Könnecke. „Er war zwar der verhinderte Weltumflieger, aber ein Pionier der Verkehrsluftfahrt“, erklärt Bethge. Vor vielen Jahren hatte der einstige Schulleiter in Straßberg begonnen, Geschichten über die ehemaligen Absolventen der Bildungsstätte für ein Schulmuseum zu sammeln.

Ausgangspunkt war für ihn das „Hauptschüler-Verzeichnis der Schule zu Straßberg - Grafschaft Stolberg-Wernigerode“, in dem alle Noten der Schüler eingetragen wurden. Bethge: „Es wurde schon 1870 angelegt, obwohl erst 1877 die ersten Einschulungen erfolgten.“ Kurz vor der Jahrhundertwende fand sich auch Otto Könnecke, der am 20. Dezember 1892 in Straßberg geboren wurde, ab Ostern 1899 mit seinen Zensuren aus acht Schuljahren darin wieder.

„Er war ein guter Schüler. Seine einzige Eins bekam er aber ausgerechnet im Abschlusszeugnis in Betragen“, stellte Bethge indes erstaunt fest. Nach einer Tischlerlehre in Güntersberge wechselte Könnecke 1911 an die Baugewerbeschule in Frankfurt/Main, wo er sich auch als Freiwilliger zum Militärdienst meldete. Dank technischen Interesses wechselte er zu den Fliegern nach Straßburg und Metz, war aber nicht der erste Pilot aus Straßberg.

Flug von Berlin nach Weimar am 5. Januar 1919

Christian Schirmer soll am 9. Juni 1914 als erster Straßberger eine Pilotenlizenz erworben haben. Das fanden Mitglieder der Interessengruppe Luftgeschichte heraus, noch vor Könnecke. Mehr sei zu Schirmer allerdings nicht bekannt.

Im Ersten Weltkrieg war Otto Könnecke als Kampf- und Jagdflieger im Einsatz, wurde 1918 mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichnet, den einst Preußen-König Friedrich der Große für militärische Verdienste eingeführt hatte. Das Besondere: Könnecke war nur einer von sechs Geehrten überhaupt, die nicht aus Offizierskreisen stammten.

Nach der Auflösung der kaiserlichen Armee wandte sich Otto Könnecke der wirtschaftlichen Nutzung von Flugzeugen zu. Von der neuen Reichsbehörde erhielt er für die Deutsche Luftreederei GmbH (DLR) in Berlin am 5. Januar 1919 die amtliche „Zulassungsbescheinigung zum Luftverkehr Nr. 1“. Genau einen Monat später eröffnete er mit seinem Flug von Berlin nach Weimar, wo die neue Nationalversammlung tagte, die erste Flugstrecke. Der 5. Februar 1919 gilt als Geburtstag des zivilen deutschen Luftverkehrs.#

Könnecke flog verschiedene Maschinen, darunter auch ab 1. Juni 1919 die Junkers F13 mit geschlossener Kabine für vier Passagiere und zwei Mann Besatzung, die als weltweit erstes Verkehrsflugzeug gilt. Zudem bildete er Piloten aus.

Mit Gründung der Deutschen Lufthansa (DLH, 6. Januar 1926) begann Otto Könnecke als Flugkapitän auf In- und Auslandsstrecken verschiedene Aufgaben zu erfüllen, ob Passagier-, Fracht-, Post- oder Zeitungsdienste.

Nach der ersten Atlantik-Überquerung des Amerikaner Charles Lindbergh im Mai 1927 mit einem Flugzeug wollten deutsche Flieger die Route in entgegengesetzter Richtung meistern, darunter Otto Könnecke. Er gründete die Luftfahrtslinie „Germania“, die Köln mit New York verbinden sollte. Mit einem umgebauten Doppeldecker vom Typ Caspar C 32 wollte er die geplante Strecke über England, Island, Grönland und Kanada zuvor testen.

Weil aber einige der Flieger verschollen blieben und sein Start wegen Sturms über dem Atlantik mehrmals verschoben wurde, überlegte er sich, „hinten herum“ zu fliegen. Über Rumänien, Türkei, Indien, China und Kamtschatka wollte er die USA erreichen und wieder nach Köln zurückkehren. Er wäre der erste Weltumflieger geworden. Doch es kam anders. Nach dem Start vor Tausenden Zuschauern in Köln am 20. September 1927 gelangte Könnecke über Persien bis nach Indien, wo ein Motorschaden den Weiterflug stoppte. Er gab seine Pläne auf und kehrte zur DLH zurück.

„Ein ähnliches Flugzeug, wie es Könnecke einst nutzte, hatte ich als Modell im Schulmuseum“, sagt Bethge und kann es noch stolz zeigen. Im Zweiten Weltkrieg diente Otto Könnecke erneut der Luftwaffe als Fluglehrer und Ausbilder. 1946 besuchte er ein letztes Mal Straßberg, danach brachen alle Verbindungen zu seiner alten Heimat ab. Am 25. Januar 1956 starb der Flugpionier und Oberstleutnant a.D. in Bad Aibling (Bayern). (mz)