Einwohnerstatistik

In allen Ortsteilen Stadt Falkenstein/Harz leben im Dezember 2020 insgesamt 5.276 Menschen: Zuwachs in Endorf, Ermsleben und Meisdorf

Falkenstein/Harz - Vor allem junge Leute würden preiswert historische Häuser kaufen und sanieren. „Das ist eine Alternative zum Einfamilienhaus, da ist ein Trend erkennbar“, so der Bürgermeister. „Das ist erfreulich, denn gerade diese Häuser machen uns die meisten Sorgen.“

Von Rita Kunze 21.01.2021, 18:28

„Der Arbeit folgt der Mensch“, sagt Klaus Wycisk (CDU), Bürgermeister der Stadt Falkenstein/Harz, beim Blick auf die aktuelle Einwohnerstatistik. Durch die Tonfunk GmbH Ermsleben als Arbeitgeber beispielsweise würden sich auch viele Menschen nach Wohnraum in Ermsleben umsehen.

Ihnen wolle die Stadt auch etwas anbieten; zum Beispiel soll es auf dem Baugebiet in der Konradsburger Straße in diesem Jahr losgehen. Ebenso gebe es Möglichkeiten zur Lückenbebauung, darüber hinaus soll noch ein Wohnbaugebiet an der Spielburg erschlossen werden.

Zuwachs in Endorf, Ermsleben und Meisdorf

Insgesamt gab es in der Stadt - in Falkenstein/Harz leben derzeit 5.276 Menschen - im vergangenen Jahr 28 mehr Zu- als Wegzüge, vor allem Endorf, Ermsleben und Meisdorf waren da die Gewinner. Das 252 Einwohner zählende Endorf liegt dabei - im Verhältnis gesehen - ganz vorne:

Den 18 Zuzügen stehen nur 8 Wegzüge gegenüber. Auch Meisdorf - hier leben 1.122 Menschen - hat mit dem Verhältnis von 59 Zuzügen zu 34 Wegzügen deutlich weniger Einwohnerschwund zu verzeichnen, und Wieserode mit 113 Einwohnern konnte 2020 6 Zuzüge verbuchen, Wegzüge gab es 3.

In Pansfelde (453 Einwohner) und Reinstedt (1.021) hielten sich die Zu- und Wegzüge mit jeweils 26 bzw. 34 die Waage. Mehr Weg- als Zuzüge gab es dagegen in Neuplatendorf (156 Einwohner, 4 Wegzüge, 3 Zuzüge) und Ermsleben (2.159 Einwohner, 104 Wegzüge, 93 Zuzüge).

Endorf, wo es die meisten Zuzüge gab, sei eigentlich stark von Leerstand betroffen, sagt Falkensteins Bürgermeister. Das zu ändern, sei eine Aufgabe der kommenden zehn Jahre.

15 Prozent der Wohnungen in der Stadt Falkenstein stehen leer

Die Stadt insgesamt verzeichne bei Wohnraum rund 15 Prozent Leerstand. Vor allem in der Altstadt von Ermsleben ist er nach wie vor hoch. Dank einer Initiative des Ortschaftsrates sei der Leerstand in Ermsleben genau erfasst, werde Stück für Stück abgebaut, sagt Klaus Wycisk.

Vor allem junge Leute würden preiswert historische Häuser kaufen und sanieren. „Das ist eine Alternative zum Einfamilienhaus, da ist ein Trend erkennbar“, so der Bürgermeister. „Das ist erfreulich, denn gerade diese Häuser machen uns die meisten Sorgen.“

Doch nicht jeder könne oder wolle sich ein Haus bauen und sich damit langfristig binden, wenn er womöglich in zehn Jahren woanders arbeitet. Doch leerstehende Wohnungen in der Stadt hätten einen „relativ hohen Restaurierungsbedarf“.

Welche Anreize kann man jungen Familien geben, sich in Falkenstein/Harz niederzulassen? Harzgerode vergibt Baukindergeld - wäre das eine Option für Falkenstein? Der Bürgermeister nennt es „eine interessante Sache“, allerdings ist das auch abhängig von der Finanzlage.

Awo plant Bau einer Anlage für Betreutes Wohnen in Ermsleben

Wie schnell die sich ändern kann, weiß man in der Stadt nur zu gut: „2013 waren wir Kommune des Jahres, 2014 mussten wir in die Haushaltskonsolidierung und haben viele Jahre zur finanziellen Stabilisierung gebraucht“, sagt Wycisk. Freiwillige Leistungen wie diese wären da nicht möglich. Baukindergeld sei aber eine Option in der Ansiedlungspolitik.

„Die Mischung macht’s“, betont Klaus Wycisk. Neben Angeboten für junge Leute, sich entsprechend ihres finanziellen Einkommens Wohnraum zu schaffen oder zu suchen, wolle die Stadt auch für ältere und hochbetagte Menschen sorgen. Deswegen begrüße man auch den Bau einer Anlage für Betreutes Wohnen inklusive Tagespflege durch die Awo in Ermsleben.

Wichtig ist nach Ansicht des Falkensteiner Bürgermeisters zum einen die Arbeit, die die Menschen im Ort hält, aber auch ein schönes Umfeld in den Orten. Jetzt, im Lockdown, sei Zeit zu überlegen, wie es künftig weitergehen soll, sagt er. „Jeder ist gut beraten, das jetzt zu machen.“

Die Stadt wolle in diesem Jahr zwei Projekte strategisch fördern: Zum einen die touristische Entwicklung des Selketals in einem gemeinsamen Vorhaben mit den Städten Harzgerode und Ballenstedt, zum anderen das Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzept Igek: „Wir brauchen für die Entwicklung der Orte die Beteiligung der Bürger“, betont Wycisk. „Wir können das nicht an ihnen vorbei machen.“

Er sei froh, dass viele jetzt entdecken würden, wie schön die Region ist: „Junge Leute auf der Konradsburg, das war lange Zeit kein Thema“, nennt der Bürgermeister ein Beispiel. Für ihn ein positiver Effekt des Lockdowns: „Man macht viel zusammen in der Familie.“

Aus seiner Sicht sei das angenehme Wohnumfeld entscheidend, wenn sich Menschen für Falkenstein/Harz entscheiden. Deswegen spiele für junge Leute nicht nur die finanzielle Situation, sondern auch der Freizeitfaktor eine wichtige Rolle: „Wir haben hier viel Natur und Kultur - und hoffen, 2021 davon einiges anbieten zu können.“ Erstrangig sei aber, dass es für die Menschen auch Arbeit vor Ort gibt. (mz)