Gnadenhof im Harz

Gnadenhof im Harz: Ehepaar nimmt alte und kranke Hunde auf

Sargstedt - Aus ihrem Haus mit Garten machen Anita und Harald Lyhs einen Gnadenhof für Hunde. Momentan leben 19 kranke und alte Vierbeiner bei ihnen.

Von Uwe Kraus 17.11.2017, 07:55

„Jeder Hund hat seine eigene Geschichte“, sagt Harald Lyhs. Und seine Frau Anita ergänzt: „Jeder hat auch seinen eigenen Platz.“ 19 wohnen auf dem Gnadenhof der Sargstedter. „Hier ist Endstation“, sagt Tierfreund Lyhs.

Gerade in der Nacht starb einer ihrer Schützlinge. „Von hier geht keiner mehr weg“.

Gnadenhof in Sargstedt: Gäste auf Zeit

So sind alle ihre Gäste auf Zeit älter als zehn Jahre. Einige wurden ausgesetzt, die anderen kommen aus Tierheimen. „Bis aus Wurzen in Sachsen runter“, erklärt Anita Lyhs. Gute Verbindungen pflege man auch zum Quedlinburger Tierheim, „ebenso wie ins Eckertal, nach Derenburg und Goslar“.

Sie und ihr Mann haben ein großes Herz für Tiere. „So beherbergen wir auch Katzen, besondere Fische, einen Steinmarder und Waschbären.“ Sie wissen: Zu Letzteren haben Jäger und viele Mitbürger eine eigene, ablehnende Meinung. Ebenso zu Futterstellen für Katzen.

„Aber nur dort kann man sie massenweise wegfangen, um sie zu kastrieren, was zur Eindämmung der Katzenplage nötig ist.“

Gnadenhof in Sargstedt: Nicki zog als Erster ein

Das erste Gnadenhoftier der Familie war vor zwölf Jahren der Riesenschnauzermischling Nicki. Den blinden, schwer vermittelbaren Vierbeiner aus einem Gothaer Tierheim lernten sie 2005 durch die MDR-Fernsehsendung „Tierisch tierisch“ kennen und holten ihn zu sich.

Viele folgten, in Spitzenzeiten lebten 24 Hunde in ihrem Haus und auf den 2.000 Quadratmeter großen Grundstück. Es finden sich dort keine Käfige und Zwinger; die Hund werden im Rudel gehalten und kommen so kläffend auf den Besucher zu. Wichtig sei, dass sie „rudelfähig sind, kein Beißer oder Zänker“ unter ihnen ist.

Ihr Grundstück hat die Familie ummauert. „Damit die Nachbarn nicht gestört werden und die Hunde wiederum sich nicht bei jedem Passanten aufregen.“

Gnadenhof in Sargstedt: Beschwerden ähnlich wie beim Menschen

Für Harald Lyhs ähneln die Beschwerden der Hunde denen alternder Menschen: „Sie sind inkontinent, werden dement oder können sich nicht mehr richtig auspowern.“

Ihr „Karlchen“ leidet unter einem Bandscheibenvorfall, der auch in der Leipziger Tierklinik nicht geheilt werden konnte. Sein Frauchen war verstorben, die Angehörigen wollten ihn nicht, so dass er eingeschläfert werden sollte.

Familie Lyhs übernahm das Tier, das einen Rolli bekam und mit dem gut unterwegs ist. Sogar für die Schwannzell-Studie für gelähmte Hunde in Hannover testete man ihn.

Außerdem absolviert er eine Aqua-Therapie in Goslar und Osterode. Was seinen Preis hat. Während sich Anita Lyhs seit ihrer Arbeitslosigkeit ganztägig um die Tiere auf dem Grundstück kümmert, tut ihr Mann es noch nebenberuflich, bis er im kommenden Jahr in Rente geschickt wird.

Gnadenhof in Sargstedt: Pflege geht auch ins Geld

Er weiß, es ist nicht nur die Zeit, die die Hunde fressen. Es geht auch ins Geld. Der Verwaltungsleiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge will die Hunde nicht nur satt bekommen.

Schließlich benötigt fast jeder von ihnen Medikamente, die Bekämpfung der Parasiten erfolgt auch nicht kostenlos, auch wenn der Tierarzt sie schon gut kennt.

„Öffentliche Unterstützung bekommen wir nicht und sind auf Spenden angewiesen. Zudem können Tierpatenschaften übernommen werden.“ Harald Lyhs’ Kollegin Simone Steger hat die Spendensammlung und den Facebook-Auftritt ins Rollen gebracht. „Ohne sie könnten wir das alles schon heute nicht mehr stemmen.“ (mz)