Denkmal für Albrecht den Bären

Denkmal für Albrecht den Bären wurde in Ballenstedt enthüllt: Der Graf als Mensch auf Augenhöhe

Ballenstedt - Die rechte Hand lässig auf das Schild gelegt, die linke Faust in die Taille gestützt, blickt der große, mit Kettenhemd und Helm bekleidete Mann, zu dessen Füßen ein kleiner Bär spielt, aufmerksam in Richtung Stadt. Ein leichtes Lächeln scheint die Lippen des jungen Mannes zu ...

Von Petra Korn

Die rechte Hand lässig auf das Schild gelegt, die linke Faust in die Taille gestützt, blickt der große, mit Kettenhemd und Helm bekleidete Mann, zu dessen Füßen ein kleiner Bär spielt, aufmerksam in Richtung Stadt. Ein leichtes Lächeln scheint die Lippen des jungen Mannes zu umspielen.

Die Bronzefigur stellt Albrecht den Bären dar, den Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Kurz vor seinem 499. Todestag - Albrecht starb am 18. November 1170 - ist am Sonnabend sein Denkmal eingeweiht worden, das direkt auf dem Hof des Ballenstedter Schlosses steht - bewusst nicht auf, sondern neben dem Sockel. Zugleich wurde mit der Einweihung das Festjahr „850 Jahre Albrecht der Bär, Ballenstedt“ offiziell eröffnet.

Das Festjahr „850 Jahre Albrecht der Bär, Ballenstedt“ wurde mit der Enthüllung eröffnet

Albrecht der Bär „ist eines der bedeutendsten Kinder unserer Stadt“, sagte Bürgermeister Michael Knoppik (CDU). Und dennoch sei der Platz, an dem die Statue nun stehe, für Albrecht ein fremder Ort: Er blicke auf eine Stadt, die er so nie gesehen habe, und auch das Schloss habe sich verändert. „Aber wie heißt es so schön: Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“, sagte Knoppik.

Er hieß Albrecht den Bären „willkommen in der Heimat“ und dankte allen, die dazu beigetragen hätten, dass dieser „hier ein neues Zuhause bekommen hat“. „Dieser Tag heute“, unterstrich Eduard Prinz von Anhalt, „ist etwas ganz Besonderes.“

Das ist dieser Tag auch für Karl-Heinz Meyer, Ballenstedter Stadtrat und Schatzmeister im Anhaltischen Hausorden „Albrecht der Bär“. Schon 1991 habe der Fremdenverkehrsverein auf dem ersten Ballenstedt-Prospekt mit dem Zusatz „Wiege Anhalts“ die Orientierung vorgegeben, und bis heute sei daran gearbeitet worden, dass „Albrecht der Bär wieder eine zentrale Rolle erhält“, so Meyer. Er hatte jahrelang dafür geworben, ein Denkmal zu schaffen, dass den Grafen von Ballenstedt als Menschen zeigt, auf Augenhöhe.

1,90 Meter große Bronzefigur wurde vom Quedlinburger Metallkünstler Jochen Müller geschaffen

Der Kulturverein „Wilhelm von Kügelgen“ engagierte sich für die Umsetzung der Idee, sammelte Spenden. Jetzt konnte das 40.000-Euro-Projekt realisiert werden, auch mit Unterstützung des Landes, der Stadt Ballenstedt und des Anhaltischen Hausordens.

Geschaffen wurde die 1,90 Meter große Bronzefigur durch den Quedlinburger Metallkünstler Jochen Müller. Die Albrecht-Statue hat die Gesichtszüge des jungen Eduard Prinz von Anhalt. „Ich habe auch wieder einen kleinen Spaß eingebaut“, verriet Jochen Müller: Das kleine Kreuz, das Albrecht, Gründer der Mark Brandenburg, an der Brust trage, sei eine Nachbildung des aktuellen Verdienstordens des Landes Brandenburg.

Vom Sockel geholt wird Albrecht nicht nur mit der neuen Skulptur; wobei Eduard Prinz von Anhalt sagte, Albrecht sei vom Sockel gestiegen, das sei zeitgemäß. Das Jahr 2020 soll in Ballenstedt ganz im Zeichen des 850. Todestages des Grafen stehen:

Mit der wissenschaftlichen Vorbereitung sei begonnen, und mit einer erneuerten Grablege solle auch „die Memoria, die Kultur des Andenkens an seine Person und sein Wirken, die Kultur der Heldenverehrung, vom Sockel geholt werden“, wie es Pfarrer Theodor Hering im Festgottesdienst anlässlich der Einweihung des Denkmals formulierte.

Albrecht sei in der damaligen Ballenstedter Klosterkirche in St. Pancratius und Abundus bestattet worden, sagte Christian Mühldorfer-Vogt, Amtsleiter Kultur bei der Stadtverwaltung Ballenstedt. Die Krypta - mit romanischen Resten - und die Grablege, die zur Zeit des Nationalsozialismus 1937/1938 komplett neu gestaltet worden sei, sollen überarbeitet werden, so der Amtsleiter.

Ein Bauhistoriker habe jetzt mit Untersuchungen vor Ort begonnen. Ziel sei, Krypta und Grablege zum 850. Todestag neu und museal gestaltet zu präsentieren. Dabei solle der Bogen gespannt werden vom Mittelalter und der Rolle Albrechts des Bären bis in das 20. Jahrhundert hinein. (mz)