Bodetal-Therme in Thale

Bodetal-Therme in Thale: Stadt muss Wellness-Bad übernehmen, um Zukunft zu sichern

Thale - Der Supersommer 2018 hatte die Thermen-Betreiber in Zahlungsschwierigkeiten gebracht (die MZ berichtete). Das daraufhin eingeleitete Sanierungsverfahren war trotz des damals herrschenden Optimismus nicht erfolgreich: Am Amtsgericht Dresden ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Von Rita Kunze 15.12.2018, 13:56

Die Bodetal-Therme bringt derzeit nicht nur die Saunagänger ins Schwitzen: Die Therme Thale Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG hat Insolvenz angemeldet.

Steht damit der  für  20 Millionen Euro errichtete Wellness-Tempel knapp acht Jahre nach seiner Eröffnung  vor dem Aus?  Nein, sagt Geschäftsführer André Kleinheisterkamp.

„Es geht normal weiter“, sagt der Geschäftsführer

Am Weiterbetrieb der Einrichtung ändere das nichts, „es geht normal weiter.“ Aus Besuchersicht. Doch im Hintergrund braut sich einiges zusammen.  Die meisten Mitarbeiter haben  gekündigt. Und die Stadt Thale signalisiert deutlich, die Therme selbst übernehmen zu wollen.

Der Supersommer dieses Jahres hatte die Thermen-Betreiber  in Zahlungsschwierigkeiten gebracht. Das daraufhin eingeleitete Sanierungsverfahren war trotz des damals herrschenden Optimismus nicht erfolgreich: Am  Amtsgericht Dresden ist  das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Sanierung nach Hitze-Sommer war erfolglos

Mit Wirkung vom 1. Dezember - und damit einen Tag nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens -  habe die Harz Gesund Tourismus GmbH (HGT) den Betrieb übernommen.

Grundlage ist ein Pachtvertrag, der zwischen der Therme Thale Betriebsgesellschaft mbH und der HGT  - deren Geschäftsführerin ist Ute Kleinheisterkamp - geschlossen wurde.

Insolvenzverwalter Nils Freudenberg nennt diese Situation „atypisch“: „Dass im Antragsverfahren ein Pachtvertrag geschlossen wird, ist nicht üblich“, so der Dresdner Rechtsanwalt.

Insolvenzverwalter kritisiert Pachtvertrag 

Er selbst habe an diesem Pachtvertrag nicht mitgewirkt, er könne auch zur Nachhaltigkeit des Ganzen nichts sagen.

An  einen dauerhaften Erfolg der Übernahme durch die HGT glaubt man im Thalenser Rathaus eher nicht: Laut einem Gutachten sei der Betrieb der Therme „per se nicht kostendeckend“ zu führen, sagt Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU).

Er selbst und auch der Stadtrat seien „in großer Sorge“, dass der Betrieb von der HGT nicht dauerhaft zu tragen sei. Der Stadtrat habe deshalb am 1. Dezember den so genannten „Heimfall“ beschlossen: Die Therme steht auf einem städtischen Grundstück; ein Passus im Erbbaupachtvertrag mit den Betreibern ermöglicht es der Stadt, diesen Vertrag bei einer Insolvenz für beendet zu erklären. 

„Heimfall“ heißt: Pachtvertrag endet bei Insolvenz 

Damit würde sie dann auch  Eigentümer der Therme werden. Die Stadt sei willens und bereit, die Bodetal-Therme als wichtigen Bestandteil der Infrastruktur der Stadt zu sichern, und der Stadtrat habe ihn  mit dem Beschluss beauftragt, die Anlage ins Eigentum der Stadt zu holen, sagt der Bürgermeister.

Den von den Betreibern vorgestellten Insolvenzplan hält Balcerowski „für nicht nachhaltig und umsetzbar“ - die darin  enthaltenen Umsatzsprünge seien nicht plausibel.

André Kleinheisterkamp wirft der Stadt derweil vor, die Sanierung zu torpedieren. „Warum, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Er zeigt sich enttäuscht: 

Kleinheisterkamp: Stadt torpediert die Sanierung

Es habe Vorgespräche mit dem Bürgermeister und Anwälten gegeben, Balcerowski habe erklärt, den Sanierungsprozess unterstützen zu wollen. Aufgrund dieser Zusagen habe man das Sanierungsverfahren eingeleitet.

Ende September hatte Balcerowski der MZ erklärt, er traue der Geschäftsleitung „durchaus die Sanierung des Unternehmens zu“. Die Bodetal-Therme habe „trotz nicht immer einfacher Bedingungen seit mehr als sieben Jahren erfolgreich am Markt“ agiert.

Zu diesem Zeitpunkt hätten allerdings noch nicht die Zahlen vorgelegen, die man jetzt habe, sagt Balcerowski. Kleinheisterkamp betont dagegen, dass nach den Rückgängen im Sommer die Therme jetzt wieder gut besucht sei:

Fast sämtliche Mitarbeiter haben gekündigt

Der September sei „sehr gut“ gewesen, der Oktober „hervorragend“, der November „überraschend gut“ und der Dezember laufe sehr gut. Die HGT sei schuldenfrei und habe „so gut begonnen,  dass wir auf jeden Fall weitermachen“.

Die Mitarbeiter teilen diesen Optimismus nicht:  „Knapp 90 Prozent haben von ihrem Widerrufsrecht zur Übernahme des Arbeitsverhältnisses in die Harz Gesund Tourismus GmbH Gebrauch gemacht“,  also gekündigt, heißt es seitens der Belegschaft.

Ein „Weiter so“ unter anderem Namen und gleicher Strategie sei „nicht zielführend“, auch liege den Beschäftigten keine „zukunftssichere Konzeption hinsichtlich eines erfolgreichen Marketings, wirtschaftlicher Sanierung und dringend erforderlicher Beseitigung des Reparaturstaus“ vor.

Verhältnis zwischen Belegschaft und Geschäftsleitung zerrüttet

Das Verhältnis des Großteils der Belegschaft zur neuen Geschäftsleitung  sei „unwiderruflich zerrüttet“. Das Blatt wenden könnte womöglich eine Übernahme durch die Stadt: „Wir bieten unsere Bereitschaft zur Weiterführung der Bodetal Therme Thale unter anderen Voraussetzungen an.“ (mz)