Haseloff vor Rücktritt Schulze muss aus dem Schatten (Kommentar)
Es wird Zeit, dass der CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt sein Gesellenstück abliefert.

Beim Landesparteitag Ende November wurde zwar deutlich, wie CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze an sich und seinem Auftritt gearbeitet hat. Er bekam auch viel und freundlichen Beifall – aber die größten Gefühlsregungen löste Ministerpräsident Reiner Haseloff aus. Schulze hatte Probleme, aus Haseloffs Schatten zu treten. Und was vor dem Parteivolk galt, das gilt auch vor dem Wahlvolk.
Das Problem mit alten Eichen
Das liegt nicht einmal an Schulze, sondern in der Natur der Sache. Haseloff regiert seit mehr als 14 Jahren, länger als jeder andere deutsche Ministerpräsident. Der 71-Jährige ist der mit Abstand populärste Politiker in Sachsen-Anhalt.
Kein Wunder, dass sich die Scheinwerfer zuerst auf ihn richten. Haseloff hat das zwar nicht befördert, aber das Problem besteht eben automatisch, solange er der amtierende Ministerpräsident und damit sichtbar ist: Ein junger Baum gedeiht nun einmal nicht gut im Schatten einer alten Eiche.
Warum Haseloff gehen will
Nur um dem jüngeren Schulze einen Gefallen zu tun, würde Haseloff nicht gehen. Er schweigt zwar aktuell, aber wenn man dem Wittenberger in den vergangenen Wochen gut zugehört hat, erkennt man sein Motiv.
Haseloff hat große Sorge, dass Sachsen-Anhalt von der AfD regiert werden könnte – oder zumindest eine stabile „Koalition der Mitte“ wie seine aktuelle nicht mehr möglich sein wird. Um das zu verhindern, will er den Weg freimachen.
Der Rücktritt wäre in diesem Sinne ein letzter Dienst für Sachsen-Anhalt. Dann kann Schulze weiter wachsen und mit einem Amtsbonus als Regierungschef seine Siegeschancen erhöhen.
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Für Schulze birgt das Wechsel-Manöver allerdings auch ein Risiko: Wenn er im Landtag nicht oder nur nach einigem Gezerre von der Koalition gewählt wird, wäre er schwer beschädigt. Er muss jetzt in eigener Sache für eine klare Mehrheit werben. Wenn ihm das gelingt, wird das sein Gesellenstück. Und er hat die besten Chancen, im September Meister zu werden.