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  7. Schätze aus Halle landen im DDR-Museum Berlin: Was dahintersteckt

Produkte aus dem Osten Niemand rechnete damit: 35 DDR-Schätze aus Halle landen plötzlich in Berlin

Funde von Alltagsgegenständen aus Halle werden im wohl bekanntesten DDR-Museum Deutschlands in Berlin ausgestellt. Wie sie entdeckt wurden und warum sie jetzt gezeigt werden.

Von Anja Falgowski Aktualisiert: 13.01.2026, 09:18
Simone Uthleb vom DDR-Museum Berlin nimmt in Halle gespendete Alltagsgegenstände aus DDR-Zeiten entgegen.
Simone Uthleb vom DDR-Museum Berlin nimmt in Halle gespendete Alltagsgegenstände aus DDR-Zeiten entgegen. (Foto: Steffen Schellhorn)

Halle (Saale)/Berlin. - Nichts wegzuwerfen, kann auch etwas Gutes haben. Eines Tages nämlich könnte jemand kommen und nach alten Schätzen fragen. Genau das ist passiert. Das wohl bekannteste DDR-Museum Deutschlands in Berlin hat im Juli 2025 die Menschen aufgerufen, nach alten Stücken aus der DDR zu suchen.

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Gesucht wurden von dem Museum Alltagsgegenstände aus der DDR. Sie sollten Teil einer neuen Ausstellung werden. Diese trägt den Namen "Ökonomie des Mangels". Viele Menschen meldeten sich daraufhin. Mehr als 2.000 Zuschriften und 500 Objekte gingen beim Berliner Museum ein, sagt die Sprecherin, Simone Uthleb.

Aufruf des DDR-Museum Berlin: Mehr als 2.000 Bürger melden DDR-Alltagsobjekte

Der Aufruf erschien auch in der Mitteldeutschen Zeitung. Das sah das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und wurde daraufhin tätig. Die Behörde bat ihre Mitarbeiter, doch mal in Kellern und auf Dachböden nachzusehen, ob vielleicht noch Zeugen des Mangels zu finden seien.

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Filmvorführgerät aus der DDR - gefunden im Keller.
Filmvorführgerät aus der DDR - gefunden im Keller.
(Foto: Steffen Schellhorn)

Und das waren sie: Föhne und Bügeleisen, ein Massagegerät, ein Rucksack, Weinbrand und sogar Toilettenpapier – das raue, braune. Dazu kamen viele weitere Alltagsgegenstände. Insgesamt waren es 35 Objekte, die vom Landesverwaltungsamt Halle offiziell an das Museum in Berlin übergeben wurden.

Braun und rau, das DDR-Klopapier.
Braun und rau, das DDR-Klopapier.
(Foto: Steffen Schellhorn)

Museumssprecherin Simone Uthleb: Forschung statt Ostalgie

Während die Zeit über die Dinge des Alltags hinwegging, bemüht sich das privat geführte Museum, die Erinnerung daran wachzuhalten. Teile der "halleschen Sammlung" sollen nach Sichtung und Inventarisierung auf einer großen Installation, einer zehn Meter langen Konsumwand, gezeigt werden.

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"Wir erfinden uns immer wieder neu", sagt Simone Uthleb und verweist auf die Forschungsarbeit und die Mitarbeit von Wissenschaftlern im Museum.

Und tritt damit zugleich dem Vorwurf der Ostalgie-Pflege entgegen, der vielen der zahlreichen DDR-Museen im Land – selbst im westdeutschen Pforzheim gibt es inzwischen eines – gemacht wird. "Wir zeigen beide Seiten, wir gehen offen mit der Geschichte um."

Einige der gespendeten Objekte, die jetzt Teil der Ausstellung im DDR-Museum Berlin sind.
Einige der gespendeten Objekte, die jetzt Teil der Ausstellung im DDR-Museum Berlin sind.
Foto: DDR-Museum Berlin

Das wolle man so, schließlich habe das Museum auch einen Bildungsauftrag. Aufklärung über das Wesen der Diktatur, über Staatssicherheit und Zensur stünden den Erzählungen aus dem Alltag gegenüber.

Die Besucher, etwa 500.000 sind es pro Jahr, können so zum Beispiel nicht nur ein DDR-Wohnzimmer oder eine Küche betreten und berühren, sondern auch eine typische Gefängniszelle.

Mehr als 360.000 Exponate: DDR-Museum eröffnet neues Depot für Besucher

Die Ausstellung auf den 1.000 Quadratmetern beginne mit dem 8. Mai 1945, sagt Simone Uthleb; beraten wird das Museum inzwischen auch von dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, einem Mann, der der Verklärung der Vergangenheit nicht verdächtig ist.

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Aber, natürlich, Alltag ist Alltag, und der ist häufig banal mit seinen Wiederholungen von Wäsche waschen, einkaufen, kochen und ein wenig feiern. Mehr als 360.000 Objekte geben im Museum darüber Auskunft.

Und weil die Menge der Exponate so groß ist, wurde kürzlich ein Depot eröffnet, in dem vier wissenschaftliche Mitarbeiter tätig sind und das sogar zweimal pro Woche für Besucher geöffnet ist.

Museum sucht weiter: Welche DDR-Erinnerungsstücke jetzt gefragt sind

Gut, wenn darin noch Platz ist, denn das Museum ist weiterhin auf der Suche nach Erinnerungen, detailliert aufgelistet auf seiner Webseite. Kleidung, Möbel, Anrufbeantworter, Rupfentiere von Renate Müller, Erinnerungsstücke aus dem Ausland, sogar Kondome sind unter den gewünschten Objekten.