Fragen und Antworten zu Tröglitz Fragen und Antworten zu Tröglitz: Wie geht es weiter nach der bundesweiten Aufregung?

Tröglitz - Über Nacht richteten sich Anfang März alle Augen auf einen kleinen Ort im südlichen Sachsen-Anhalt: Tröglitz. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister trat zurück - wegen Demonstrationen der rechtsextremen NPD gegen ein geplantes Asylbewerberheim direkt vor seiner Haustür. Markus Nierth (parteilos) fühlte sich kaum geschützt und unterstützt von den politischen Entscheidern.
Damit trat er eine bundesweite Debatte über besseren Schutz von Lokalpolitikern los. Doch in Tröglitz muss es irgendwie weitergehen. Offene Fragen zur Unterbringung der Flüchtlinge werden bei einer Versammlung am kommenden Dienstag diskutiert.
Worum geht es?
Der Burgenlandkreis möchte im knapp 2.700 Einwohner zählenden Tröglitz 40 Flüchtlinge in einem Mehrfamilienhaus unterbringen. Wenige Tage nach Nierths Rücktritt wurden entsprechende Pläne vom Kreisrat beschlossen. Zuvor hatten sich die Gerüchte schon monatelang im Ort ausgebreitet. Viele Tröglitzer waren verunsichert, mehrere NPD-Mitglieder organisierten jeden Sonntag Anti-Asyl-Demos. Eine engagierte Gruppe um Nierth lud derweil zu Friedensgebeten in die Kirche ein.
Was passiert jetzt in Tröglitz?
Der Ortsteilbürgermeister ist aus dem Amt, die Demonstrationen haben aufgehört. Zuletzt brachten die Asylheim-Gegner Mitte März rund 180 Teilnehmer eines Protestmarsches auf die Straße - Tröglitzer wie Angereiste. Seitdem ist Ruhe. Es sei bisher keine weitere Versammlung angemeldet, sagte ein Sprecherin des zuständigen Burgenlandkreises.
Die Friedensgebete in der Tröglitzer Kirche hingegen gehen auch im April und Mai weiter. „Etwa 100 Menschen kommen bisher jeden Sonntag“, schätzt Pfarrer Matthias Keilholz. Viele Tröglitzer seien seit Nierths Rücktritt aktiv geworden. Es gebe Überlegungen für einen Runden Tisch, um ehrenamtliche Hilfe für die künftigen Nachbarn zu organisieren.
Womit wird sich die Einwohnerversammlung beschäftigen?
Landrat Götz Ulrich (CDU), der zu dem Treffen in Tröglitz am Dienstag eingeladen hat, formuliert es so: „Ich weiß, dass es unter der Tröglitzer Bevölkerung viele Fragen zur Unterbringung der Asylbewerber gibt.“ Sie sollen an dem Abend beantwortet werden. Zudem will eine Initiative die „Tröglitzer Erklärung“ vorstellen.
„In diesem Positionspapier erklären wir, dass wir den Flüchtlingen freundlich begegnen und Vorurteile abbauen wollen“, sagt Pfarrer Matthias Keilholz. Er hofft, das möglichst viele Tröglitzer die Erklärung unterschreiben und mittragen. „Viele Vorurteile sitzen in den Köpfen der Menschen sehr fest.“
Wer wird neuer Ortsteilbürgermeister?
Das ist weiterhin offen. Zwei Monate ist Zeit, um einen Nachfolger zu bestimmen, gerechnet vom Rücktritt Anfang März. Bis dahin füllt Nierths Stellvertreter Joachim Laake die Lücke. Dieser sei 71 Jahre alt und werde wohl nicht kandidieren, sagt Manfred Meißner. Er ist der Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Elsteraue. Ende April könnte in einer Sitzung des Ortschaftsrates der neue Bürgermeister gewählt werden. Acht Tröglitzer gehören dem Gremium an, darunter Nierth. Einen konkreten Kandidaten gibt es laut Meißner noch nicht. (dpa)