Erschütterungen in Tschechien und Deutschland

Erschütterungen in Tschechien und Deutschland: Stärkstes Erdbeben seit 1985

Dresden/Prag/dpa - Das heftigste Erdbeben seit fast 30 Jahren hat die deutsch-tschechische Grenzregion erschüttert. „Es war so stark, dass die Menschen aus den Häusern gerannt sind“, berichtete ein Augenzeuge im tschechischen Fernsehen. „Mir haben die Knie gezittert“, sagte ein anderer. In der Gemeinde Stribrna bei Cheb (Eger) stürzten Kamine ein und Mauern bekamen Risse, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte. Aus Sachsen, Thüringen und Bayern wurden weder größere Schäden noch Verletzte ...

31.05.2014, 13:16

Das heftigste Erdbeben seit fast 30 Jahren hat die deutsch-tschechische Grenzregion erschüttert. „Es war so stark, dass die Menschen aus den Häusern gerannt sind“, berichtete ein Augenzeuge im tschechischen Fernsehen. „Mir haben die Knie gezittert“, sagte ein anderer. In der Gemeinde Stribrna bei Cheb (Eger) stürzten Kamine ein und Mauern bekamen Risse, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte. Aus Sachsen, Thüringen und Bayern wurden weder größere Schäden noch Verletzte gemeldet.

Zentrum des Bebens nahe der deutschen Grenze

Das Zentrum des Bebens lag bei Nový Kostel unweit der deutschen Grenze in einer Tiefe von 8,5 Kilometern. Unterschiedliche Institute gaben seine Stärke mit 4,2 bis 4,6 an. Die Auswirkungen waren im Umkreis von rund 200 Kilometern bis nach Nürnberg zu spüren, wie Seismologe Siegfried Wendt vom Geophysikalischen Observatorium der Universität Leipzig am Sonntag sagte.

In Sachsen und Thüringen schreckte der Erdstoß viele Menschen auf. In der tschechischen Grenzregion waren ein deutliches Rumsen zu spüren und ein Knall zu hören. Selbst im 150 Kilometer entfernten Prag klirrten Gläser in den Schränken. Von Ostsachsen über Ostthüringen bis Mittelfranken berichteten Anrufer bei der Polizei ebenfalls von klirrenden Gläsern, wackelnden Fußböden und schwankenden Häusern.

Stärkstes Erdbeben seit 1985

Das Geophysikalische Institut Prag gab die Stärke des Bebens mit 4,5 bis 4,6 an. Das hätten neue Berechnungen ergeben, sagte Seismologe Josef Horalek. „Es war entweder das zweitstärkste oder sogar das stärkste Beben der letzten 100 Jahre in der Region.“ Ein ähnlich starkes Beben hatte zuletzt im Dezember 1985 das Grenzgebiet erschüttert - vor fast drei Jahrzehnten.

Bis Sonntagmittag gab es mehr als 100 Nachbeben geringerer Stärke. „Die deutlich erhöhte Aktivität kann über Monate anhalten, oder nach 14 Tagen vorbei sein“, sagte der Leipziger Experte Wendt. Niemand könne das vorhersagen. „Es ist jedes Mal eine Überraschung.“

Der Erdbebendienst der Bundesanstalt für Geowissenschaften in Hannover sprach von einem „vergleichsweise starken“ Beben der Stärke 4,4. „Das Vogtland ist ein typisches Erdbebengebiet in Deutschland“, sagte Seismologin Monika Bischoff. Dort treten immer wieder Schwarmbeben - eine Gruppe von Erschütterungen ähnlicher Stärke binnen kurzer Zeit - auf. Erst vor einer Woche hatte solch eine Serie bei Nový Kostel mit einer Stärke bis 3,5 gen Norden ausgestrahlt.

Experten halten Steigerung für möglich

Für Wendt war das die erste Phase der aktuellen Reihe. Beim Erdstoß vom Samstag sei aber das Hundertfache an Energie freigesetzt worden. Der Leipziger Experte schließt einen noch höheren Ausschlag in Westböhmen für die Zukunft nicht aus. „Ich würde mich nicht wundern, wenn es eine halbe Einheit mehr wird.“

Auch die Prager Kollegen halten noch eine kleine Steigerung für möglich, wie Horalek sagte. „Ich bin zu 99 Prozent überzeugt, dass in der Region kein Erdbeben stärker als 5 entstehen kann“, fügte der tschechische Fachmann allerdings hinzu.