Zuckerbahnradweg im Wethautal

Zuckerbahnradweg im Wethautal: Naturschutz stoppt Bauarbeiten

Osterfeld - Warum auf dem Zuckerbahnradweg im Wethautal kurz vor dem Zieleinlauf nach Camburg die Arbeiten derzeit stagnieren.

Von Iris Richter 20.03.2017, 17:10

Der Start in die Radsaison steht vor der Tür, doch Kerstin Beckmann, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Wethautal (FDP), bereitet der Gedanke an den Zuckerbahnradweg gegenwärtig eher Sorgenfalten.

Die Arbeiten am Weg, der auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Zeitz und Camburg entlangführt, stagnieren derzeit. „Gerade der letzte Abschnitt kurz vor der Landesgrenze zwischen Crauschwitz und Camburg erweist sich als schwieriger als gedacht“, ärgert sich die Verwaltungschefin, dass es nicht wie geplant vorangeht.

Naturschutz macht dem Zeitplan beim Zuckerbahnradweg einen Strich durch die Rechnung

Eigentlich hatte sie gedacht, jenen letzten knapp zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Ortsrand Crauschwitz und der Landesgrenze zu Thüringen noch in diesem Jahr ausbauen zu können. Im kommenden Jahr sollten dann die Ersatzpflanzungen für die versiegelten Flächen über die Bühne gehen. Doch daraus wird wohl nichts.

Nicht nur, dass es Schwierigkeiten mit der Trassenführung gibt, weil der Weg teilweise über Privateigentum verläuft und man sich nicht mit jedem Grundstückseigentümer einigen kann. Vor allem aber macht der Naturschutz dem Radwege-Zeitplan einen Strich durch die Rechnung.

Denn die Untere Naturschutzbehörde verlangt in ihrer jüngsten Stellungnahme eine Umweltverträglichkeitsstudie, da sich der alte Bahndamm, auf dem der Radweg direkt entlangführen soll, durch die lange Nichtnutzung mittlerweile in ein Biotop verwandelt hat.

Eine gesamte Vegetationsperiode lang sollen nun sämtliche Aspekte der Fauna und Flora dieses Bereiches aufgenommen und beobachtet werden.

Tiere am alten Bahndamm müssten gegebenenfalls umgesiedelt werden

Noch im März werden Vertreter eines beauftragten Planungsbüros zum Beispiel Vögel und deren Nester zählen sowie Sträucher und Gehölze erfassen. Anhand der Ergebnisse der Studie sollen dann die Anzahl und Art der Ersatzmaßnahmen ausgerichtet werden. Gegebenenfalls ist es nötig, Tiere umzusiedeln. „Vor drei Jahren hatten wir auf dem Abschnitt zwischen Cauerwitz und Seidewitz schon einmal einen solchen Fall. Hier lebten Zauneidechsen“, berichtet Kerstin Beckmann.

Damals hatte man am Rande des Radweges einen Steinhaufen installiert, den Tieren damit einen neuen Lebensraum geschaffen und letztlich sogar einzelne Exemplare eingefangen und umgesetzt.

Zuckerbahnradweg im Wethautal: Hoffnung auf Baustart im Frühjahr 2018

Geht alles gut, könnte im Winter ausgeschrieben und spätestens im Frühjahr nächsten Jahres gebaut werden, hofft Kerstin Beckmann. Derweil müssten die Radfahrer, die aus Richtung Sieglitz kommen, eine wenig befahrene Straße nutzen, um nach Camburg zu kommen oder ab Crauschwitz einen nicht gut zu befahrenden Feldweg, der auf Thüringer Seite schon asphaltiert ist.

Straßenbegleitend wird der Radweg derzeit auch noch zwischen Molau und der so genannten Eselshöhe bei Schkölen geführt. Auch hier sei das Ziel, die Wegeführung einmal direkt über die alte Bahnstrecke zu führen. Doch weil die zwischen den Ländergrenzen hin und her hüpft und als Gemeinschaftsbaumaßnahme vorgesehen ist, müsste erst die Finanzierung zusammengebracht werden.

2009 begannen die Rückbauarbeiten der alten Schienenstrecke zwischen Camburg und Zeitz, um darauf einen Radweg zu installieren. Dieser verbindet den Saale-Radweg mit dem Elsterradweg und ist rund 40 Kilometer lang. Acht Kilometer verlaufen dabei auf Thüringer Territorium. (mz)