Hoffen auf EU-Geld

Worauf setzt das Wethautal?

Warum das Wethautal weiter auf die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Saale-Unstrut-Triasland setzt und was der alte Osterfelder Bahnhof damit zu tun hat.

Von Iris Richter
Der ehemalige Bahnhof Osterfeld wird derzeit in ein Jugendzentrum verwandelt. Für das Projekt flossen Fördermittel aus dem Leader-Programm.
Der ehemalige Bahnhof Osterfeld wird derzeit in ein Jugendzentrum verwandelt. Für das Projekt flossen Fördermittel aus dem Leader-Programm. (Foto: Iris Richter)

Osterfeld - Können für die Gestaltung der Außenanlagen des ehemaligen Osterfelder Bahnhofs Fördermittel aus dem Leader-Programm genutzt werden? Zumindest wäre das eine Option, die in greifbare Nähe gerückt ist. Denn die Verbandsgemeinde Wethautal (VG), die den Osterfelder Komplex derzeit umbaut, will Bestandteil der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Naturpark Saale-Unstrut-Triasland bleiben und damit von Fördergeld aus dem Leader-Programm profitieren.

Die Mitglieder des Haupt- und des Wirtschaftsausschusses der Verbandsgemeinde, die in der vergangenen Woche zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkamen, befürworteten zumindest den weiteren Verbleib im LAG-Gebiet. Weil in diesem Jahr eine neue EU-Förderphase startet, deren Zeitraum bis 2027 dauert, sollte geklärt werden, welche Kommunen weiterhin Bestandteil der Naturpark-LAG bleiben wollen. Grund für die Klärung ist die Tatsache, dass sich im Bereich Merseburg mit dem Areal Geiseltalsee eine neue Aktionsgruppe bilden will. Wichtig ist die Bekundung zum Verbleib in der Lokalen Aktionsgruppe auch deshalb, weil sich die Rechtsform ändern könnte, da die Landesregierung Sachsen-Anhalts eine juristische Form präferiert.

Zuckerbahnradweg und Kegelanlage

Aus der jetzigen losen Gemeinschaft könnte dann ein fester Zusammenschluss werden, der für die jeweiligen Kommunen und Mitglieder auch Kosten verursacht. Aber darüber sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, so die Projektleiterin des Leader-Managements, Steffi Einicke, während der Beratung. Die Aussicht auf Fördermittel, mit denen die Entwicklung im ländlichen Raum vorangetrieben werden kann, überwog letztlich bei den Ausschussmitgliedern, so dass sie auch dem VG-Rat eine Beschlussempfehlung für den Verbleib in der Gebietskulisse der Naturpark-LAG empfahlen.

Immerhin verteilte die LAG im zurückliegenden Förderzeitraum, der von 2014 bis 2020 reichte, 8,8 Millionen Euro EU-Fördergeld. Rund 900.000 Euro davon flossen in die Verbandsgemeinde Wethautal, wobei sowohl kommunale als auch private Projekte gefördert werden können. Ein großes Förderprojekt in der Verbandsgemeinde war etwa der Zuckerbahnradweg, für den die LAG nach dessen Fertigstellung aktuell einen Flyer gestaltet hat. Geld floss aber auch in die Sanierung der Kegelanlage in Osterfeld.

Zwischen kommunaler Daseinsvorsorge und Tourismus

Mit der neuen Förderphase sollen sich auch die Fördermöglichkeiten im Rahmen des Leader-Programms ändern. So kommen mögliche Mittel für die Dorferneuerung oder den ländliche Wegebau nun nicht mehr über das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (Alff) sondern über die Leader-Förderung Naturpark-Gruppe. Wie das Geld, das der LAG aus den europäischen Fördertöpfen erhält, verteilt wird, entscheidet letztlich die lokale Entwicklungsstrategie. Ein Ranking zwischen kommunaler Daseinsvorsorge und Tourismus gäbe es durch die neue Strukturierung nicht, machte Projektleiterin Steffi Einicke deutlich.

Insofern sind die Hoffnungen auf weiteres Leader-Fördergeld für das Bahnhofsareal in Osterfeld durchaus berechtigt. Der ehemalige Haltepunkt wird gegenwärtig in ein Kinder- und Jugendzentrum umgebaut. Dabei fließen bereits jetzt schon rund 350.000 Euro Fördergeld aus dem Leader-Programm in das Projekt. Doch nicht nur die Gebäude sollen saniert werden, auch das Außengelände soll künftig genutzt werden. „Das Grundstück ist recht groß. Ich könnte mir vorstellen, dass hier ein Zeltplatz für die Jugendfeuerwehr entstehen könnte, aber auch ein Verkehrsgarten“, nennt VG-Bürgermeisterin Kerstin Beckmann Vorstellungen.

Derweil gehen die Arbeiten am Bahnhofsgebäude in Osterfeld, nachdem diese zu Jahresbeginn wochenlang stagnierten und das Projekt in Verzug geriet, weiter voran. „Bis Ende Mai wird sich die Baustelle dort völlig verändert haben. Mit den Änderungen im Bauablauf geht es jetzt dort mit Vollgas voran“, ist sich Kerstin Beckmann sicher. Ein neuer Dachstuhl sei gesetzt, die Fassade des Hauptgebäude teilweise abgewaschen. Dass es an der Fassade stockt, liege an den noch recht frischen Außentemperaturen für die Verarbeitung des Fugenmaterials. Zudem würden die Fensterbauer bis Ende Mai aktiv werden. Die sollten ebenfalls schon früher ihre Arbeiten verrichten, doch coronabedingt hätte es beim Glas Materialschwierigkeiten gegeben, so die Bürgermeisterin. Derzeit seien die Fenster mit Holz gesichert. (mz)