2,7 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr

Was kann sich die Stadt von Solarstrom „made in Teuchern“ erhoffen?

Der neue Eigentümer vom Industriegebiet Nessa errichtet Solarpark auf dem Areal. Dabei ist sein Kerngeschäft eigentlich etwas ganz anderes.

Von Meike Ruppe-Schmidt
Investor Karsten Mückenheim (l.) schaut mit Sebastian Hron, Experte für Solaranlagenbau, über die Lagepläne des Solarparks in Nessa. Foto:Peter Lisker

Nessa - Strom aus Solaranlagen ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. In Teuchern soll es damit jetzt richtig vorangehen. Im Industriegebiet Nessa nimmt in den kommenden Tagen ein neuer Solarpark seinen Betrieb auf. Rund 5.000 Module sollen hier rund 2,7 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. „Das ist genug, um etwa 600 Einfamilienhäuser zu versorgen“, sagt Karsten Mückenheim, Investor des Solarparks.

Immobilienmakler setzt auf Solarstrom „made in Teuchern“

Der 51-Jährige ist seit Oktober 2020 neuer Besitzer des Industriegebietes Nessa, investierte hier rund zwei Millionen Euro für den Kauf des Areals und die Errichtung des Solarparks. Insgesamt ist das Gelände rund sieben Hektar groß. Davon entfallen 2,5 Hektar auf den Solarpark, zwei Hektar auf Straßen und Wege und der Rest auf mehrere Brachflächen. Ursprünglich befand sich das Gebiet in Besitz der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Nessa.

Diese hatte jedoch 2010 Insolvenz angemeldet. Seitdem waren die Flächen ungenutzt. Bis sie Investor Mückenheim im Rahmen einer Zwangsversteigerung 2020 erwerben konnte. Warum der Immobilienmakler auf Solarstrom „made in Teuchern“ setzt? „Da ich in Halle wohnhaft bin, war die regionale Nähe zu Teuchern für mich ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung“, so Mückenheim. Außerdem verspreche er sich von der Solarenergie mehr Kontinuität als beim Geschäft mit Immobilien, deren Preise immer weiter nach oben schießen.

Solarstrom eine sichere Einnahmequelle und das Areal erhalte optische Aufwertung

Kontinuität erhofft man sich auch seitens der Stadt Teuchern von der Ansiedlung des Solarparks. „Wir als Kommune werden von den Gewerbesteuern profitieren“, sagt Bürgermeister Marcel Schneider. Laut Mückenheim könne die Stadt mit Gewerbesteuereinnahmen von 25.000 Euro pro Jahr rechnen. „Im Gegensatz zur Braunkohle, deren Preise Schwankungen unterlagen, können wir beim Solarstrom mit einer sicheren Einnahme über die nächsten 20 Jahre rechnen“, so Schneider. Darüber hinaus erlebe das Areal laut Bürgermeister eine optische Aufwertung, da nun eine zunehmende Vermüllung verhindert werde.

In Ergänzung zum bereits vorhandenen Windpark Gröbitz-Prittitz-Teuchern sieht man sich in der Einheitsgemeinde nun als landesweiten Vorreiter bei der Umsetzung der Energiewende. Dass mittels der Solarstromerzeugung in Teuchern allerdings keine Arbeitsplätze geschaffen werden, sieht man auch in der Stadtverwaltung nicht unkritisch.

Vor allem, weil es in der Vergangenheit intensive Bemühungen in diese Richtung gegeben hatte. „Im Jahr 2019 gab es einen italienischen Investor, der sich für das Gewerbegebiet Nessa interessiert hatte“, erinnert sich Bürgermeister Marcel Schneider. „Dieser hatte vor, hier eine Fabrik und Reparaturwerkstatt mit 50?Arbeitsplätzen zu errichten.“ Die Verträge seien fertig zum Unterzeichnen gewesen, als plötzlich ein Rückzieher seitens des Investors kam.

Stadt will Straßen vom Eigentümer für die Öffentlichkeit übernehmen

„Auch wenn die Verträge damals nicht zustande kamen, so haben sie am Ende doch etwas positives bewirkt“, so Schneider. „Denn sie waren der Anlass, an den Insolvenzverwalter heranzutreten und ein Gutachten über den Preis für die Liegenschaften zu erstellen, so dass es schließlich zur Zwangsversteigerung gekommen ist.“ Darum sei man froh, dass das Gelände letztlich trotz dieser schwierigen juristischen Ausgangslage in gute Hände gekommen sei.

Die Stadt Teuchern strebt nun an, den Elmeweg und den Mägdeweg, die sich in dem Industriegebiet befinden, vom Eigentürmer zu übernehmen, um die Straßen weiterhin für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Und: Investor Mückenheim könne sich perspektivisch vorstellen, weitere Brachflächen in der Region mit Solarmodulen für den grünen Strom nutzbar zu machen. (mz)