„Ohne Märkte geht nichts“

Meuchener will endlich wieder mit seinem Holz durchstarten

Noch haben die großen Märkte Pause, doch 54-jähriger Meuchener ist auf sie angewiesen. Was der Handwerker in der Zwischenzeit getan hat.

Von Holger Zimmer
Robby Winkler bläst den Staub weg, der sich in der langen Corona-Zeit auf dem Holz abgelagert hat.
Robby Winkler bläst den Staub weg, der sich in der langen Corona-Zeit auf dem Holz abgelagert hat. (Foto: Peter Lisker)

Meuchen - Die Lockerungen in Sachen Corona kommen zur höchsten Zeit. „Aber ohne Märkte geht nichts“, sagt Robby Winkler, der seit vielen Jahren in Meuchen eine Holzwerkstatt betreibt und mit seiner Frau sowie den Kindern im Ort lebt. Einige Höhepunkte sind schon geplatzt, größere Veranstaltungen in Rammenau bei Dresden und Bad Langensalza in Thüringen wurden abgesagt. Auf andere Feste hofft der Fachmann noch.

Für den 54-Jährigen sind Märkte wie das Salz in der Suppe. Denn nur dort hat man ein Massenpublikum, das gern auch bereit ist, die Geldbörse für natürlich-hölzerne Kreationen zu zücken: Kerzenhalter, Löffel, Schneidebretter... Nachdem er zwischenzeitlich seine drei Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken musste, hat Robby Winkler versucht, neue Märkte zu erschließen, Klinken zu putzen und dabei auch Kontakte in den Schwarzwald geknüpft. Dort gibt es Handwerker, die bis hin zu Krippen und Kuckucksuhren viel aus Holz herstellen. „Es ist eben schwer, wenn etwas, das jahrelang funktioniert hat, plötzlich von einem auf den anderen Tag nicht mehr geht.“

Auch als Restaurator tätig

Ursprünglich war Winkler Elektriker und schulte zu Beginn der 1990er Jahre zum Tischler um. In der Corona-Zeit betätigte er ich sich auch als Restaurator. Doch selbstständig hat er sich erst vor 18 Jahren gemacht. Er zeigt sein überdachtes Sägewerk vor der Werkstatt-Tür und die geschnittenen Bretter, die trocknen müssen, bevor er sie weiterverarbeiten kann. Die Kunden beeindruckt, dass er nicht x-beliebiges Holz verarbeitet, sondern vor allem solches, von dem er weiß, wo es herkommt. So sind im Zuge des Straßenbaus zwischen Starsiedel und Muschwitz Birnenbäume gefällt worden. Daraus will der Meuchener zum Beispiel Schneidebretter herstellen. Eiben sind im Zuge des Klimawandels an der Mulde am Wörlitzer Park abgestorben. Platanen stammen aus dem Clara-Zetkin-Park Leipzig, Walnuss und Ulmen sind im Auftrag der Mibrag wegen der Tagebauerweiterung gefällt worden. Sogar ein Stück einer Mooreiche, das bei Baggerarbeiten aus der Elbe gehoben werden konnte, möchte er mal verarbeiten.

Der Handwerker verarbeitet verschiedenes Holz.
Der Handwerker verarbeitet verschiedenes Holz.
(Foto: Peter Lisker)

Für die filigranen Arbeiten hat sich Robby Winkler einen umfangreichen Maschinenpark angeschafft. Eine Trocknungskammer ist Marke Eigenbau. Hinzu kommen zum Beispiel eine Abrichte- sowie Dickehobelmaschine sowie verschiedene Schleifmaschinen. Mitunter bedarf es da acht Schleifgängen und einer 2.000er Feinkörnung für filigranere Werkstücke. Was entsteht, kann sich sehen lassen, wird vom Salatbesteck bis zu Eierbechern viel produziert. Auch Halter für Messer und kleinere Haushaltsgegenstände entstehen. Man wundert sich, wie sie auf dem Holz halten und deshalb verrät der Meuchener den Trick: Von hinten werden entsprechende Löcher gebohrt, Magneten eingelassen und alles wieder verschlossen.

Mit Kunden im Gespräch

„Fast alles kann man mit Holz herstellen“, sagt der 54-Jährige, man muss nur die Augen offen halten und die Ideen umsetzen können. So werden auch Salzmühlen hergestellt. Die Produktpalette ist jedenfalls riesig und Robby Winkler kein Mensch, der keinen anonymen Internet-Verkauf bevorzugt. Steht er auf den Märkten, dann will er mit den potenziellen Kunden ins Gespräch kommen, sie von der Schönheit des Werkstoffes und seiner Funktionalität überzeugen.

Teelichter, Schneidebrett  und Löffel
Teelichter, Schneidebrett und Löffel
(Foto: Peter Lisker)

Auch das Wissen darum, dass man keine Erzeugnisse aus importierten Hölzer n erwirbt, überzeugt inzwischen viele Menschen. Und wenn Leipziger zum Beispiel wissen, dass sie etwas in Händen halten, das aus einem Baum im Auenwald, also gleich um die Ecke stammt und kein Tropenholz ist, ist das in Zeiten des Klimawandels ein sehr überzeugendes Argument.

Hoffnung auf Leipzig

Immer zählt bei Winkler das fachliche Wissen, denn er muss wissen, wie das Holz bei der Verarbeitung reagiert. Hat er das einer Pflaume vor sich, besteht zum Beispiel die Gefahr, dass sich Risse bilden. Bleibt die Frage, wo er seinen ersten Marktstand aufgebaut hat? In Leipzig natürlich. Und er hofft, dass es in der Großstadt 2021 wieder Gelegenheit dafür gibt. (mz)