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Lützener sammelt Bier-Utensilien Lützener sammelt Bier-Utensilien: Was aus den früheren Braustätten geworden ist

Von Holger Zimmer 09.02.2019, 11:00
Joachim Franz mit den Bierflaschen-Verschlüssen aus Porzellan
Joachim Franz mit den Bierflaschen-Verschlüssen aus Porzellan Peter Lisker

Lützen - Hatte Lützen eine Brauerei oder sogar mehrere? Joachim Franz würde gern Licht ins Dunkel bringen. Eines aber ist gewiss: Es gab die Brauerei F. Bock in der Kleinstadt und die der Gebrüder Werndt. Denn wie einen Schatz hütet er deren Porzellanverschlüsse mit Bügel. Und darüber hinaus hat er noch welche von der Dampfbrauerei Kleinzschocher und dem Bierdepot Nosske aus Markranstädt, aber auch von der Freiherr L. von Sternbürgsche Brauerei Lützschena.

Der 70-jährige Franz ist ein Ur-Lützener, wie er sagt, hier geboren und an Geschichte interessiert. Über eine Internetplattform hat er kürzlich auch einen Michlitzer kennengelernt und war vor einigen Tagen zur Verlobung, wie er es nennt. Eigentlich war es ja mehr eine Verkupplung seines Porzellan-Bierverschlusses der Firma Bock mit einer grünen Flasche, auf der stand auf das Glas geprägt: „F. Bock - Brauerei Lützen“. Die war mal bei Arbeiten zur Trockenlegung eines Fundamentes freigelegt worden.

Wo aber hat Joachim Franz seine Verschlüsse her?

Wo aber hat Joachim Franz seine Verschlüsse her? Er hatte Mitte der 1960er Jahre Steinmetz gelernt. Und wie das damals so war, wurde er ab und an als Stift ins Geschäft gegenüber geschickt. Nicht um Sauerkraut oder Salzgurken aus dem Fass zu holen, sondern ein paar Bier zum Feierabend. Und das muss auch viele Jahre früher schon geflossen sein. Denn später tauchten beim Verlegen eines Erdkabels auf dem Firmengelände des damaligen volkseigenen Betriebes Natur- und Betonstein die Flaschenverschlüsse auf und gehören seitdem zur Sammlung Franz.

Heute findet man solche Verschlüsse nur noch selten in Getränkemärkten. Sie sind Geschichte, wie auch das Berufsleben des 70-Jährigen. Das möchte er aber nicht missen, wie er bekennt, denn das hatte nicht selten ebenfalls mit der Historie zu tun. So hat er für das Gustav-Adolf-Gymnasium eine dunkle Steinplatte angefertigt, die heute links neben der Eingangstür des Hauses hängt, das auch mal Amtsgericht war. Dafür hatte er sich beim inzwischen verstorbenen Gedenkstätten-Leiter Heinz Volkhardt ein Bild des Schwedenkönigs besorgt, um es originalgetreu per Sandstrahl in einen Stein zu projizieren.

Geschichtsthema setzte vor einigen Jahren auch den Schlusspunkt unter sein Arbeitsleben

Und auch jenen Stein mit Wappen und den Jahreszahlen 1625 und 1733 am Gasthof „Weißer Schwan“ in Rippach hat er neben dem Eingang in die Wand eingelassen. Der Stein hatte sich zuvor im Innern des Gebäudes befunden. Daneben hat er 1992 außerdem die Gedenkplatte für den in der Nähe gefallenen französischen Marschall Bessiéres angebracht. Und ein Geschichtsthema setzte vor einigen Jahren auch den Schlusspunkt unter sein Arbeitsleben. Da galt es, das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Kirchfährendorf bei Bad Dürrenberg auseinanderzubauen.

Dabei fand sich auch eine unverschlossene Flasche mit Dokumenten, die leider feucht geworden waren, so dass man sie kaum lesen konnte. Im Archiv seines Computers finden sie sich wieder. Handwerker wollte Franz immer werden und „als die Lehrstelle als Steinmetz angeboten wurde, gab es kein Halten“, sagt er. Jetzt überbrückt er die kalte Jahreszeit gern mit solchen Geschichts-Recherchen. Ein paar Wochen hat er dafür noch Zeit, ehe die Gartensaison wieder beginnt.

Standort von Bocks Brauerei an der Promenade ist geklärt

Der Standort von Bocks Brauerei an der Promenade ist geklärt. Auch die Villa des Unternehmers in der Bahnhofstraße existiert noch. Und nun weiß Joachim Franz auch, dass es eine weitere Brauerei in der Breitscheidstraße gegeben hat. Denn ein Bild der Brauerei Werndt fand er nun auf der Internetseite zur 750-Jahr-Feier. Dabei handelt es sich um das ehemalige Mädcheninternat, das bis in die 1930er Jahre ein Brau- und Malzhaus gewesen. Heute ist es eine Ruine.

Die Brauerei Bock hat seit 1865 fast 100 Jahre existiert, war aber zuletzt nur noch eine Niederlassung der Leipziger Riebeck-Brauerei. Bevor sie 1907 in Bocks Hände kam, gehörte sie Baptist Vogel und Julius Straub. Als Zweijährige bezog Helga Keil 1946 mit ihren Eltern in Lützen Räume im Haus neben der Einfahrt. Die nun 74-Jährige war auch mal mit ihrem Vater, der Leiter der sogenannten Niederlage war, in der Leipziger Brauerei.

Brauerei Bock: Frau weiß noch Einzelheiten

Die Frau, die mit ihrem Mann mal im „Roten Löwen“ gearbeitet hat, weiß noch genau, wo sich die Werkstatt, die Unterstellmöglichkeit für die Pferdewagen, der Stall für die Vierbeiner und das Leergutlager befanden. Und sie zeigt auf den Zugang zu den Kellern. Das Bier von dort wurde im Sommer zur Kühlung mit eigens dafür hergestelltem Eis ausgefahren.

Der Hof war gepflastert, das Grundstück von Wiesen, Gärten und Obstbäumen umgeben. Anfang der 1960er Jahre zog dann die Maschinen-Traktoren-Station hier ein. Heute ist alles eine Ruine, die alten Zaunsäulen verfallen, die Holzlatten sind heruntergebrochen. „Ein trauriger Anblick“, sagt Frau Keil. (mz)

Helga Keil vor den Resten der alten Brauerei Bock
Helga Keil vor den Resten der alten Brauerei Bock
Peter Lisker
Alte Ansicht vom „Beiersch Haus“, später „Zum Beierischen Hof“ an der Promenade, der bis in die 1930er Jahre ein Brau- und Malzhaus war.
Alte Ansicht vom „Beiersch Haus“, später „Zum Beierischen Hof“ an der Promenade, der bis in die 1930er Jahre ein Brau- und Malzhaus war.
Peter Lisker