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Leichtathletik Leichtathletik: Trainer überwindet Unfall

Von Joachim Beyer 04.09.2013, 19:45
Hans-Joachim Gerecke gibt klare Anweisungen.
Hans-Joachim Gerecke gibt klare Anweisungen. Corina Wujtschik Lizenz

Theissen/MZ - „Die Zeit ist hervorragend.“ Das rief der Theißener Leichtathletik-Trainer Hans-Joachim Gerecke einem seiner Schützlinge zu und blickte wieder auf seine Stoppuhr. Er motiviert seine Sportler und spornt sie an. Im Theißener Stadion drehten die Leichtathleten des Trainers unter dessen Aufsicht fleißig Runden auf der Aschenbahn. Gerecke ist so etwas wie eine Vaterfigur für die trainierenden Kinder im Alter ab sieben Jahren.

Der 79-Jährige feierte viele Erfolge, doch seine Laufbahn als Coach schien am 9. Februar 2011 zu Ende. „Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und kollidierte mit einem Auto.“ Gerecke wurde mit gebrochenem Fuß und anderen Verletzungen in die Jenaer Uni-Klinik geflogen. „Ich habe von dem Unfall nichts mitbekommen. Mir wurde erst in der Klinik bewusst, was geschehen war“, sagt er. 16 Tage musste er in Jena das Bett hüten.

Er gab die Leitung des Clubs ab. Daniela Hopfinger hatte die Führung als Präsidentin übernommen. Dankend blickt Gerecke auch auf Trainerin Sylvia Wagner zurück. Noch während der Genesung ließ der Trainer sich wieder bei den Leichtathleten blicken. „Auf Krücken bin ich zum Training gegangen. Ich half als Berater.“ Die Zeit verging, der Rentner band sich immer mehr als Trainer wieder ein. „Zusammen mit Frau Hopfinger und Frau Wagner konnte das Trio die sportlichen Aufgaben bewältigen. Ich habe den Verein der Leichtathleten am 1. April 1965 gegründet. Da ist vieles hängengeblieben“, sagt er. Seine Frau Gundula sah das ein wenig anders: „Er kommt nicht davon los“, sagte sie. Der Trainer lobte trotzdem seine Frau: „Sie hat mich immer unterstützt, dafür bin ich ihr sehr dankbar.“

"Man muss sauber und schnell gehen"

Unter alle Disziplinen spielt das Gehen eine besondere Rolle. Es ist schwierig. „Man muss sauber und schnell gehen“, erklärt der Übungsleiter. Die Eintracht-Geher sind in Sachsen-Anhalt mit führend.

Viele Kinder stehen derzeit im Trainingsaufgebot. „Ich bin mit ihnen sehr zufrieden. Sie sind jung und entwicklungsfähig“, glaubt die Trainerlegende. Gerecke hat nicht nur eine großes Herz für die Leichtathletik, sondern für den Sport allgemein. Ein Beispiel aus DDR-Zeiten. „Damals stand ein Fußballtrainer vor meiner Tür. Dieser fragte an, ob Jens Henschel die Sportart wechseln darf“, erinnert sich Gerecke. Jens wäre ein guter Leichtathlet geworden. „Wir spielten im Training ab und zu Fußball. Ich erkannte, dass Jens im Umgang mit den Ball Talent hatte. Ich habe ihm keine Steine in den Weg gelegt.“ Der Leichtathletik-Trainer besuchte dann E-Junioren-Spiele von Chemie Zeitz im Ernst-Thälmann-Stadion und richtete seine Augen auf seinen ehemaligen Schützling. Aus Henschel ist dann tatsächlich ein erfolgreicher Spieler geworden, der es bis in die DDR-Oberliga schaffte. Das war auch ein Verdienst des Theißener Coachs, der den Wechsel zu den Fußballern ermöglichte.

Nun beginnen für die Theißener Eintracht die Kinder und Jugendspiele. „Dann geht die Vorbereitung auf die Halle los“, sagte das Theißener Urgestein. Zum Training fährt er ins Stadion der Bergarbeiter meist mit dem Fahrrad. Die Angst habe er zwar überwunden. Erinnerungen bleiben jedoch im Gedächtnis. „Die Landstraße meide ich“, so Gerecke.