Schriftsteller Peter Schneider Mit dem Mut zum Anecken
Der Schriftsteller Peter Schneider ist mit 85 Jahren gestorben.

Köln/MZ/dpa - Der Schriftsteller Peter Schneider ist tot. Er starb bereits am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln unter Berufung auf seine Familie mitteilte.
Schneider galt als hellsichtiger Essayist mit dem Mut zum Anecken und als vielseitiger Autor, der in verschiedenen literarischen Gattungen zu Hause war. Er wurde mit seiner Erzählung „Lenz“ (1973) bekannt, die gerade für die Generation der 68er zur identitätsstiftenden Lektüre wurde.
Als Analyse des Lebens im geteilten Berlin galt sein Roman „Der Mauerspringer“ (1982). „Wir verlieren einen loyalen Freund, einen wachen Geist und einen großen Stilisten“, teilte der Verlag mit. „Sein Werk wird bleiben.“
Vater war Komponist
Peter Schneider, 1940 in Lübeck geboren, verbrachte seine Kindheit in Königsberg. Sein Vater war Komponist. 1945 musste die Familie fliehen, ihr neues Zuhause fand sie im oberbayerischen Grainau. In Freiburg und München studierte Schneider später Germanistik, Geschichte und Philosophie, 1962 ging er nach Berlin. Ab da begann seine Entwicklung zum Aktivisten und Schriftsteller: Zunächst schrieb Schneider Reden für das Wahlkampfteam von Willy Brandt und wurde schon kurze Zeit später zu den Wortführern der 1968er Studentenbewegung. Als Folge davon durfte der Lehramtsstudent auf Weisung der Berliner Senatsverwaltung 1973 kein Referendariat machen. Zwar wurde die Entscheidung drei Jahre später zurückgenommen, aber da hatte der Gemaßregelte schon seine Karriere als Schriftsteller begonnen.
Vielfach geehrt
Viele seiner Werke drehten sich um Lebensläufe seiner Generation. Ein weiteres bekanntes Buch von ihm ist „Die Lieben meiner Mutter“. Im November letzten Jahres war sein letzter Roman erschienen: „Die Frau an der Bushaltestelle“. Auch hier dreht sich die Geschichte um die Frage, wie sich Einzelne aus als Zwang empfundene Verstrickungen im sozialen Netz befreien können.
Ab Mitte der 80er Jahre hatte der Schriftsteller zudem an US-Universitäten als Gastdozent gelehrt, etwa in Stanford und Princeton. Für sein Schreiben wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom und den Schubart-Literaturpreis.