Burgenlandbahn

Burgenlandbahn: Strecke Weißenfels-Zeitz vor dem Aus?

Weissenfels/Zeitz - Das Land schreibt den Abschnitt Weißenfels-Zeitz demnächst neu aus. Warum es aber völlig offen ist, ob die Verbindung nach 2024 weiterbesteht.

Von Jan Iven 30.05.2017, 09:17

Eigentlich geht es bei den jährlichen exklusiven Fahrten der Deutschen Bahn in der Burgenlandbahn mit ihren Partnern aus Wirtschaft und Politik eher locker zu. Selbst Landrat Götz Ulrich (CDU) verzichtet am Montag auf der Fahrt von Weißenfels nach Zeitz inklusive Besichtigung von Schloss Moritzburg ausnahmsweise auf seine obligatorische Krawatte. Doch dieses Mal schwingen bei aller Lockerheit auch zwei ernste Themen mit.

Zum einen: Die Strecke Weißenfels-Zeitz hat für den Anbieter Deutsche Bahn offenbar eine enorme Bedeutung, um sich für kommende Ausschreibungen strategisch gut aufzustellen. Passend zum intensiven Sonnenschein will man daher Schönwetter machen und die Verbindung ins Gespräch bringen.

Strecke ist für den Auftraggeber, das Land Sachsen-Anhalt, eigentlich eher unwichtig

Zum anderen: Die Strecke ist für den Auftraggeber, das Land Sachsen-Anhalt, eigentlich eher unwichtig. Denn inzwischen sind täglich nur noch etwa 250 Fahrgäste zwischen den beiden Städten mit dem Zug unterwegs. Und so droht der Verbindung nach 2024 möglicherweise das Aus.

Nun sucht das Land Sachsen-Anhalt ab Dezember in einer Ausschreibung einen neuen Betreiber für den Bahnverkehr zwischen Weißenfels und Zeitz. Bisher waren zwischen den beiden Städten immer die Züge der Deutschen Bahn im Einsatz. Doch dieses Mal könnte es eng für das Unternehmen werden.

Ein schwerer Schlag für die Deutschen Bahn

So hat erst im vergangenen August das Verkehrsunternehmen Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, in Sachsen-Anhalt das 853 Kilometer große Dieselnetz für 14 Jahre übernommen. Ein schwerer Schlag für die Deutschen Bahn, ging dem ehemaligen Monopolisten doch ein milliardenschweres Geschäft durch die Lappen.

Nun will die Bahn zwischen Weißenfels und Zeitz mit ihrer Marke Burgenlandbahn noch einmal zeigen, dass sie „attraktiven Schienennahverkehr“ kann, wie Wolfgang Weinhold, der Vorsitzende der Regionalleitung bei DB Regio Südost, betont. Offenbar auch, um sich für zukünftige Ausschreibungen des Landes gut aufzustellen. So spricht die DB-Marktleiterin für Sachen-Anhalt, Henriette Hahn, geradezu euphorisch vom Burgenlandkreis. „Die Burgenlandbahn ist uns sehr wichtig. Die Landschaft und die Menschen in der Region sind etwas ganz Besonderes“, sagt Hahn und klingt dabei eher wie eine Tourismusmanagerin.

Bedeutung der Strecke zwischen Weißenfels und Zeitz

Dabei ist die Bedeutung der Strecke zwischen Weißenfels und Zeitz bei Verkehrsexperten umstritten. „Es gibt eine gewisse Nachfrage bei Pendlern und Touristen. Aber eigentlich hat die Strecke den Charakter einer Nebenbahn“, sagt Klaus Rüdiger Malter, Geschäftsführer vom Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa), der für die Ausschreibung der Strecken beim Land verantwortlich ist. Nebenbahnen, das sind Eisenbahnstrecken mit untergeordneter Bedeutung. Demnach würden im Schnitt gerade 250 Fahrgäste täglich zwischen Weißenfels und Zeitz mit der Bahn fahren. Die Tendenz sei zudem weiter sinkend, sagt der Nasa-Geschäftsführer.

Die Ausschreibung für die Strecke läuft für den Zeitraum 2019 bis 2024. Ob die Verbindung danach erhalten bleibt, ist allerdings ungewiss. „Vorher müssen wir sehen, wie sich die Fahrgastzahlen in den kommenden fünf Jahren entwickeln“, sagt Malter.

Diese Unsicherheit hat bereits Auswirkungen auf den laufenden Betrieb zwischen Weißenfels und Zeitz. So werden notwendige Investitionen weiter aufgeschoben. Niemand investiere in eine Strecke, deren Zukunft ungewiss ist, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Und so fahren die Züge nur noch mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde. Dabei könnten die Fahrzeuge eigentlich bis zu 100 Kilometer in der Stunde schaffen. (mz)